«Wir wollen die Explosion der Krankenkassenprämien verhindern»

Santésuisse-Präsident Heinz Brand ist zufrieden mit dem Nein zum Ärztestopp. Um die Kosten zu senken, müsse der Vertragszwang eingeschränkt werden.

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Der Nationalrat hat den Ärztestopp am Freitag abgelehnt – auch dank der Krankenkassenlobby. Sind Sie zufrieden?
Die Lobby der Ärzte und Spitäler ist viel stärker als die der Krankenkassen, das Resultat war dementsprechend knapp. Obwohl der Unmut über die Vorlage schon im alten Parlament vorhanden war, hatte ich nicht mehr mit diesem Ausgang gerechnet. Die neue bürgerliche Mehrheit hat zum Glück das Resultat zu unseren Gunsten gedreht. Zufrieden sind wir aber erst dann, wenn definitiv eine bessere Lösung als die heutige vorliegt.

Je mehr Ärzte ihre Dienste anbieten, desto höher die Gesundheitskosten. Warum sind Sie dennoch gegen eine Beschränkung?
Damit nicht noch mehr Ärzte zulasten der Krankenversicherer abrechnen, braucht es bessere und sachgerechtere Lösungen als den Zulassungsstopp. Um die Kosten wirklich einzudämmen, wären andere Massnahmen mit grösserer Wirkung sinnvoller.

An welche denken Sie?
Es gibt grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Entweder man setzt bei der Qualität der ärztlichen Leistungen an. Das setzt einen Qualitätswettbewerb unter den Ärzten voraus, mit dem ihre medizinische Qualität gemessen wird. Stellen sich die Ärzte diesem Wettbewerb nicht, müssen sie selber schauen, wie sie sich finanzieren wollen. Oder man behandelt die Preise und Tarifpunkte flexibler. Das wäre der marktwirtschaftliche Ansatz, der eine Senkung der Preise dort erlauben würde, wo das medizinische Angebot hoch ist.

Sie wollen den Vertragszwang ­zwischen den Ärzten und ­Krankenkassen also aufheben?
Ihn gesamthaft und sofort aufzuheben, wäre wohl ein zu grosser Schritt. Aber man muss nun prüfen, ob Auflockerungen möglich sind. Vorstellbar wäre etwa, bei einer besonders hohen Ärztedichte, wie sie in Städten vorkommt, die Vertragsfreiheit für neue Ärzte einzuführen.

Stört es Sie nicht, dass ausländische Ärzte in die Schweiz kommen? Als 2012 der letzte Zulassungsstopp auslief, liessen sich hier doppelt so viele nieder wie im Jahr davor.
Dass ich gegen diesen Zulassungsstopp bin, heisst nicht, dass ich die schrankenlose Einwanderung befürworte. Im Gegenteil: Wir sind noch viel zu fest von ausländischen Medizinern abhängig. Es ist aber rechtlich sehr schwierig, die Zuwanderung allein nach bestimmten Berufen zu begrenzen.

Muss man mehr in die ­Ausbildung der Ärzte investieren? Die Anzahl der Studienplätze ­stagniert seit Jahren.
Ja, und ich befürworte auch die Schaffung von zusätzlichen Ausbildungsplätzen in der Schweiz. Allerdings bieten diese nicht automatisch Gewähr dafür, dass die Patienten richtig behandelt werden.

Werden die Prämien nach dem Nein nun explodieren, wie das die Linken befürchten?
Genau das wollen wir verhindern. Wir schlagen deshalb zielführendere Massnahmen vor, um die Kosten zu dämpfen und den Prämienanstieg zu bremsen.

Erstellt: 18.12.2015, 22:44 Uhr

Heinz Brand

Der Bündner SVP-Nationalrat präsidiert seit Anfang diesen Jahres den Krankenkassenverband Santésuisse.

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