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«Frauen halten sich nicht mehr charmant zurück»

Kaum ist Ignazio Cassis im Amt, fordern die CVP-Frauen einen Bundesratssitz. Ihnen dürfe nicht dasselbe wie den FDP-Frauen widerfahren, sagt Präsidentin Babette Sigg.

Sitzt hier eine künftige Bundesrätin? Die Nationalrätinnen Barbara Schmid-Federer (ZH) und Ruth Humbel (AG) am letzten Abstimmungssonntag. (24. September 2017)
Sitzt hier eine künftige Bundesrätin? Die Nationalrätinnen Barbara Schmid-Federer (ZH) und Ruth Humbel (AG) am letzten Abstimmungssonntag. (24. September 2017)
Peter Schneider), Keystone

Frau Sigg, die CVP-Frauen erheben Anspruch auf einen Bundesratssitz. Wieso?

Falls als Nächstes der Bundesratssitz der CVP neu zu besetzen ist und ein Mann gewählt würde, sänke der Frauenanteil im Bundesrat arg tief.

Wieso stellen Sie Ihre Forderung gerade jetzt? Wird Bundespräsidentin Doris Leuthard schon nächstes Jahr zurücktreten?

Wir werden sehen, welche Partei als Nächstes eine Vakanz zu verzeichnen hat. Bei den CVP-Frauen haben wir das Thema jedenfalls seit Januar auf dem Radar. Dass Doris Leuthard als Amtsälteste für eine der nächsten Vakanzen sorgen wird, war klar. Es konnte deshalb auch nicht überraschen, dass sie im Sommer die laufende Legislaturperiode als ihre letzte bezeichnete. Wir haben vor kurzem nun an der Herbsttagung der CVP-Frauen unsere Strategie festgelegt. Zu dieser gehört, die nächste Bundesrätin zu stellen. Wir wollen zwei Kandidatinnen – und eine Bundesrätin.

Steht auch Doris Leuthard hinter dieser Forderung?

Wir hatten diesbezüglich noch keinen Kontakt mit ihr.

Die FDP-Frauen wurden für ihr zunächst zurückhaltendes Agieren bei der Wahl des Nachfolgers von Didier Burkhalter kritisiert. Versuchen Sie nun auch, Lehren daraus zu ziehen?

Wir wollen den FDP-Frauen nicht im Nachhinein erklären, was sie hätten besser machen können. Wir werden uns aber bemühen, dass uns und vor allem auch unseren Kandidatinnen nicht dasselbe passiert wie den FDP-Frauen und Isabelle Moret. Im Prinzip war ja seit einem Jahr klar, dass Ignazio Cassis der nächste FDP-Bundesrat werden würde. Isabelle Moret ist es deshalb hoch anzurechnen, dass sie trotzdem kandidiert hat. Dasselbe gilt für Pierre Maudet.

Ist der Umgang mit den Frauen in der CVP generell besser als in der FDP?

Das könnte ich Ihnen nicht sagen.

Gab es an Ihrer Herbsttagung auch Stimmen, die sich dagegen aussprachen, Anspruch auf den Sitz von Doris Leuthard zu erheben?

Nein. Ich glaube, wir sind uns alle einig, dass Forderungen nicht erfüllt werden, wenn man sie nicht stellt. Frauen halten sich nicht mehr charmant zurück. Diese Zeiten sind vorbei.

Was sagen Sie den CVP-Männern, von denen Sie verlangen, ihre Ambitionen zugunsten der Frauen zu begraben?

Es sollen alle, die über das Potenzial verfügen, ihre Ambitionen anmelden dürfen. Wir wünschen uns aber, dass die Fraktion zwei Frauen aufstellt. Wir sind überzeugt, dass die CVP über bestens qualifizierte Frauen verfügt, die für die ganze Fraktion wählbar sind.

Welche potenziellen Bundesrätinnen gibt es in der CVP?

Namen kann ich Ihnen noch keine nennen. Wir stellen derzeit eine Findungskommission zusammen und definieren das Profil für die Kandidatinnen. Wichtig ist uns, dass eine Kandidatin eine Affinität für Frauenthemen hat. Den Frauen stellen sich in der Schweiz nach wie vor viele echte Probleme. Wir möchten jemanden im Bundesrat haben, der sich darum kümmert.

Denken Sie eher an Bundesparlamentarierinnen oder an Politikerinnen aus den Kantonen?

Parlamentarierinnen haben es wohl einfacher. Es gibt aber auch sehr gute CVP-Frauen in Regierungsräten oder in der Verwaltung.

Haben Sie mit Parteipräsident Gerhard Pfister schon über Ihre Forderung gesprochen?

Ich habe bereits zweimal mit ihm darüber gesprochen. Es ist auch in seinem Interesse, dass wir uns um die Anliegen der Frauen kümmern.

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