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Wird der neue Kampfjet zur Kostenfalle?

Im VBS wächst die Sorge, dass der geplante Kampfjetkauf unkontrollierbare Betriebskosten mit sich bringen könnte. Vielleicht kauft die Schweiz am Ende weniger Jets als geplant. Oder verschiebt die Beschaffung.

In Österreich sind die Betriebs- und Unterhaltskosten der 15 neuen Kampfjets aus dem Ruder gelaufen. Gegenüber den ursprünglichen Annahmen rechnet das Verteidigungsministerium in Wien inzwischen mit Mehrkosten von 360 Millionen Schweizer Franken bis 2016 – dies trotz verkleinerter Anzahl Flugzeuge und trotz weniger Flugstunden. «Kostenfalle Eurofighter» betitelte ORF 2 im Juni eine Reportage: «Weil Flugstunden, Pilotenschulungen und Wartung enorm teuer sind, wird der Betrieb gedrosselt, wo es nur geht.» Im April kommentierte der «Standard»: «Dem Heer fehlt jenes Geld, das für den Eurofighter zu berappen ist.» Andere österreichische Zeitungen haben vorgerechnet, dass eine einzige Flugstunde mehr als das mittlere Jahreseinkommen eines Soldaten kostet und man mit den Betriebskosten für ein Jahr rund 100 Armee-LKWs kaufen könnte.Verunsicherung in BernÖsterreichs Erfahrungen mit dem Eurofighter lösen im Verteidigungsdepartement (VBS) in Bern Verunsicherung aus. Der vom deutschen EADS-Konsortium angebotene Jet ist zusammen mit der französischen Rafale und dem schwedischen Gripen im Rennen um den Teilersatz der schweizerischen Tiger-Flotte. Zwar sind die Zahlen aus Österreich mit Vorsicht zu geniessen, denn da spielt Budgetzauber mit: Unter den Betriebskosten des Eurofighter sind auch gewisse Zusatzbeschaffungen abgebucht, wie Fachjournalist Max Ungricht erklärt. Trotzdem rücken in Bern die Betriebskosten zunehmend in den Vordergrund der internen Diskussion, und zwar unabhängig vom Flugzeugtyp: Man will sich später nicht vorwerfen lassen, beim Kampfjetkauf diesen Teil der Kosten vernachlässigt zu haben, wie dies in Österreich offensichtlich der Fall gewesen ist. Verteidigungsminister Ueli Maurer hat sein Amt mit dem Anspruch angetreten, in allen Teilen der Armee Kostentransparenz zu schaffen. Also will er auch genau wissen, welche Kosten die neuen Jets nebst dem Kaufpreis von 2,2 Milliarden Franken verursachen.Bisher widersprüchliche ZahlenNoch gibt es keine befriedigende Antwort. An Sitzungen erklären Vertreter der Luftwaffe, dass die Betriebskosten der neuen Kampfflieger nicht höher als beim F/A-18 seien, wovon die Schweiz 33 Stück besitzt. Bei konkreten Nachfragen sind sich die Luftwaffenleute aber laut Insidern dann uneinig. Vertreter des Heeres wiederum rechnen mit dreimal höheren Betriebskosten und befürchten, dass für den Rest der Armee künftig zu wenig Geld übrig bleibt. Hinter den Kulissen läuft ein Verteilkampf zwischen Luftwaffe und Heer.EADS verspricht tiefere KostenNoch bleibt Zeit, die Betriebskosten der neuen Kampfjets sauber zu veranschlagen, da Maurer die Typenwahl verschoben hat und erst Anfang nächstes Jahr entscheiden will. Die Anbieter haben bereits realisiert, dass der Wind plötzlich gegen die Flugzeugbeschaffung drehen könnte. Mehrere Länder klagen über hohe Betriebskosten moderner Kampfpflugzeuge. An der Flugzeug- und Raumfahrtausstellung in Le Bourget sagte letzte Woche der für die Militärflugzeugsparte zuständige EADS-Chef Bernhard Gerwert, man arbeite daran, die Betriebskosten des Eurofighters um bis zu 50 Prozent zu senken.Die Angst der Schweizer Kampfjetbeschaffer vor explodierenden Betriebskosten ist mit solchen Versprechen natürlich nicht vom Tisch. Denkbar ist, dass die Schweiz von den drei Konzernen, die ihre Maschinen verkaufen wollen, langjährige Preisgarantien verlangen wird. Weitere Szenarien, die Kenner des Geschäfts für möglich halten:

  • Die Schweiz kauft weniger Flugzeuge als geplant, weil dadurch nebst dem Kaufpreis auch die Betriebskosten sinken. Für die vom Bundesrat bisher reservierten 2,2 Milliarden Franken bekäme die Luftwaffe laut Experten zwischen 15 bis 18 Eurofighter beziehungsweise gleich viele Rafale oder rund 20 Gripen. Die Beschaffung könnte zum Beispiel auf 11 Maschinen – die Grösse einer Flugzeugstaffel – zurückgestutzt werden.
  • VBS-Chef Maurer entscheidet sich für den schwedischen Gripen, der weniger leistungsfähig ist als die Mitkonkurrenten, aber auch weniger kostet. Maurer könnte so Deutschland und Frankreich einen politischen Denkzettel verpassen. Erst vor wenigen Tagen hat er den Kampfjetkauf öffentlich mit dem Steuerstreit verknüpft. Manche Experten warnen allerdings vor dem Gripen, weil sie ihm langfristig keine tragfähige Weiterentwicklung zutrauen. Die Schweiz müsse aber unbedingt einen Jet wählen, der später auch die 33 F/A-18-Jets ablösen könne, damit die Luftwaffe nicht mehr zwei verschiedene Flugzeugtypen habe.
  • Der Kampfjetkauf wird um mehrere Jahre verschoben, falls keine finanziell vernünftige Lösung möglich ist. Die Finanzprobleme des Bundes im Zuge der Wirtschaftskrise werden wohl jene Stimmen stärken, die sagen, die Schweiz könne sich neue Flugzeuge gegenwärtig nicht leisten. Sicherheitspolitisch ist ein rascher Kauf neuer Flieger selbst nach Meinung einiger hoher Armeevertreter nicht zwingend.

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