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Wo die Mütter zu Hause bleiben

Politgeograph Michael Hermann hat untersucht, in welchen Landesteilen die Hochburgen der Hausfrauen sind. Eveline Widmer-Schlumpf schlägt derweil einen Systemwechsel in der Familien- und Kinderpolitik vor.

Abzüge für Kinder sollen laut Eveline Widmer-Schlumpf durch Zulagen ersetzt werden: Eine Mutter und ihr Kind.
Abzüge für Kinder sollen laut Eveline Widmer-Schlumpf durch Zulagen ersetzt werden: Eine Mutter und ihr Kind.
Keystone

Erstmals zeigt eine Auswertung, wo in der Schweiz wie hoch der Anteil der Hausfrauen ist. Der Zürcher Politgeograph Michael Hermann hat für die «SonntagsZeitung» Zahlen aus der Strukturerhebung des Bundesamtes für Statistik ausgewertet. Sie zeigen: Das Oberwallis ist die Hausfrauenhochburg. Dort beträgt der Anteil von nicht berufstätigen Müttern bis zu 44 Prozent. Ebenso hoch ist der Anteil im Nordtessin.

Die meisten berufstätigen Mütter gibt es in der Romandie. Tendenziell ist der Anteil der Hausfrauen in der Westschweiz und in den Deutschschweizer Städten tief. Dagegen ist er im Tessin und in der Deutschschweizer Provinz höher.

Einfluss auf Familieninitiative

Diese Verhältnisse dürften einen Einfluss auf das Abstimmungsverhalten am 24. November haben. Dann stimmt das Schweizer Stimmvolk unter anderem über die Familieninitiative der SVP ab. Diese fordert, dass auch Eltern, die ihre Kinder selbst betreuen, dies von den Steuern abziehen können.

Der Blick auf die Abstimmungsresultate zum Familienartikel vom 3. März zeigt laut «SonntagsZeitung» den Zusammenhang zwischen Lebenswelt und Abstimmungsverhalten: In Regionen mit höherem Hausfrauenanteil wurde die Vorlage von Mitte-links umso klarer abgelehnt.

Karriere-Männer bevorzugen klassische Verteilung

Laut Michael Hermann zeigt ein Blick in die Statistik auch andere interessante Tendenzen auf: «Die Erwerbsbeteiligung der Mütter steigt mit zunehmender Bildung. Wenn aber der Mann gut gebildet ist und vor allem wenn er zum oberen Kader gehört, bleibt die Frau überdurchschnittlich oft zu Hause.»

Dies weise auf ein Dilemma hin, so Hermann gegenüber der «SonntagsZeitung». Männer, die Karriere machten, bevorzugten offenbar eine herkömmliche Rollenverteilung. Die entsprechend qualifizierten Frauen strebten dagegen ins Erwerbsleben.

Zulagen statt Abzüge

An der Delegiertenversammlung der BDP in Chur hat Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf derweil Gedanken zu einem gänzlich neuen Konzept für die Förderung von Familien mit Kindern geäussert. «Die Politik betreffend Steuerabzüge muss überdacht werden», so Widmer-Schlumpf. Es gebe heute sehr viele verschiedene Abzüge, was zu einem wenig transparenten System geführt habe.

Der Bundesrätin schwebt ein radikaler Wechsel vor: «Die Idee ist, dass man die Abzüge abschafft und dafür ein Zulagensystem einführt.» Familien erhielten dann für jedes Kind einen Bonus, die Transparenz wäre höher.

Widmer-Schlumpf machte sich in Chur auch nochmals stark für die Ablehnung der SVP-Familieninitiative. Für sie ist die Forderung nach Abzügen auch für Familien, die ihre Kinder daheim betreuen, «nicht logisch». «Zusätzliche Abzüge kann nur geltend machen, wer auch zusätzliche Kosten für die Fremdbetreuung hat. Die Fremdbetreuung ermöglicht ein Zweiteinkommen, auf das viele Familien angewiesen sind und das auch versteuert werden muss.» Wer seine Kinder daheim betreue, dem entstünden keine zusätzlichen Kosten.

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