Ein Verurteilter drängt zurück nach Bern

Der wegen Nötigung verurteilte Alt-Nationalrat Yannick Buttet will wieder in die Bundespolitik. Die CVP bremst ihn – wie lange noch? 

In den letzten Monaten an auffallend vielen Walliser Wahlkampfanlässen anwesend: Alt-Nationalrat Yannick Buttet. Foto: Anthony Anex (Keystone)

In den letzten Monaten an auffallend vielen Walliser Wahlkampfanlässen anwesend: Alt-Nationalrat Yannick Buttet. Foto: Anthony Anex (Keystone)

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Die Walliser CVP, in ihrer Heimat seit je die alles dominierende Partei, wird bei den Wahlen wohl Verluste hinnehmen müssen – und damit ihren seit Jahren anhaltenden Negativtrend fortsetzen. Das ist das Resultat einer Umfrage, die die Tageszeitungen «Walliser Bote» und «Le Nouvelliste» in Auftrag gegeben haben. Im Vergleich zu den Nationalratswahlen 2015 berechnete die Forschungsstelle Sotomo für die CVP einen Stimmenverlust von 3,7 Prozentpunkten. Zudem könnte die CVP einen ihrer zwei Ständeratssitze verlieren. Dies wäre ein historisches Ereignis. Seit der Gründung des Bundesstaats halten die Walliser C-Parteien ununterbrochen beide Ständeratssitze.

Der Bisherige Beat Rieder muss sich keine Sorgen machen; er schwingt in den Wahlprognosen obenauf. Doch die CVP-Kandidatin für den zweiten Sitz, die erstmals antretende Marianne Maret,wird von Mathias Reynard (SP) und Philippe Nantermod (FDP) bedrängt. Die grosse Frage, die sich im Wallis viele stellen, ist: Wie reagiert die CVP, falls Maret im ersten Wahlgang ein schlechtes Ergebnis einfährt, weil der rechtskonservative Flügel sie nicht unterstützt? Wird die CVP Maret dann im zweiten Wahlgang durch eine neue Kandidatin oder einen neuen Kandidaten ersetzen? Und durch wen?

Verurteilt wegen Nötigung

In diesem Zusammenhang hört man im Wallis dieser Tage oft den Namen Yannick Buttet. 2015 war der heute 42-jährige Unterwalliser für die Walliser CVP eine Wahllokomotive. Dann geriet Buttet in eine Affäre. Im Herbst 2017 enthüllte die Zeitung «Le Temps», der Nationalrat habe seine Ex-Geliebte bedrängt, worauf ihn die Polizei im Garten der Frau aufgriff. Als Buttet von weiteren Frauen der sexuellen Belästigung beschuldigt wurde, trat er am 17. Dezember 2017 als Nationalrat zurück. Im August 2018 verurteilte ihn die Walliser Staatsanwaltschaft wegen Nötigung und unrechtmässiger Aneignung. Er hatte zu Unrecht einen Schlüssel zur Wohnung seiner Ex-Geliebten besessen.

«Viele Leute sagen mir, dass ich wiederkommen muss.»Yannick Buttet

Sein Amt als Gemeindepräsident von Collombey-Muraz konnte Buttet jedoch behalten. Und in den letzten Monaten war der 42-Jährige im Wallis an auffallend vielen Wahlkampfanlässen präsent. Er schüttelte Hände, diskutierte auf Podien mit: Alles wirkt so, als wäre er selber im Wahlkampf. Kandidat ist er bei den nationalen Wahlen jedoch nicht – noch nicht?

Auf seine Aktivitäten und politischen Ambitionen angesprochen, sagt Buttet: «Viele Leute sagen mir, dass ich wiederkommen muss. Ich bin bereit, mich in Zukunft wieder zu engagieren, und stehe für Aufgaben auf Kantons- oder Bundesebene zur Verfügung. Einen Wahlkampf führe ich nicht, aber ich werde oft zu Veranstaltungen eingeladen und nehme an den Anlässen teil.» Befasst er sich mit dem Gedanken, Marianne Maret zu ersetzen? Buttet sagt, für die CVP würden die Wahlen kompliziert, und auch für Maret werde es nicht einfach, aber für ihn sei sie «schon gewählt». Ein Kandidatentausch für den zweiten Wahlgang sei immer schwierig, dieses Szenario sei für ihn darum «kein Thema».

Stéphane Pillet, Interimspräsident der CVP Unterwallis und Wahlkampfkoordinator, geht davon aus, dass die Partei in jedem Fall mit Marianne Maret in den zweiten Wahlgang geht. «Den definitiven Entscheid trifft der Parteirat am Tag nach den Wahlen. Ein Kandidatenwechsel ist aber nicht geplant», so Pillet. Auf Buttet angesprochen, sagt Pillet, der 42-Jährige verberge seine Ambitionen auf eine Rückkehr nicht. Er sei «zweifellos kompetent, hat Qualitäten, vertrat das Wallis gut und hat seine Irrtümer eingestanden». Aber eine Rückkehr käme zum jetzigen Zeitpunkt zu früh. Vorerst solle sich Buttet im kommenden Jahr als Gemeindepräsident zur Wiederwahl stellen. Letztlich würden die Wähler über Buttets politische Zukunft entscheiden, so Pillet.

Ein Destabilisierungsversuch?

Einzelne CVP-Exponenten reagieren pikiert auf ein mögliches Comeback Buttets. «Yannick Buttet war bei der Nominationsversammlung im Mai abwesend», sagt Serge Métrailler, der wegen einer eigenen Nationalratskandidatur als Präsident der CVP Unterwallis zurückgetreten ist. Er sagt: «Dass wir Marianne Maret mit Yannick Buttet ersetzen, ist ein Gerücht anderer Parteien, um uns zu destabilisieren. Wir haben das nie diskutiert.»

«Yannick Buttet ist im politischen Leben stets präsent und immer überall», beobachtet indes Barbara Lanthemann, die Präsidentin der SP Unterwallis. Ihrer Ansicht nach steht Yannick Buttet bezüglich seiner Straftat immer noch «in einer totalen Verweigerungshaltung». Würde die CVP Buttet heute reaktivieren, wäre das für Lanthemannn «ein Pokerspiel». Sie erwartet jedoch, dass der Unterwalliser in vier Jahren wieder für ein Amt in Bundesbern kandidiert.

Erstellt: 17.10.2019, 09:14 Uhr

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