Integration von jungen Erwachsenen funktioniert gut

In Biel und Bern ist die Sozialhilfequote im letzten Jahr gesunken. In Biel ist die Anzahl Sozialhilfeempfänger aber nach wie vor rekordhoch.

Die Entwicklung der Sozialhilfe sei 2017 insgesamt moderat gewesen. (Video: Tamedia/Mit Material der SDA)

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Erstmals seit drei Jahren ist in Biel die Sozialhilfequote gesunken. Sie betrug 2017 noch 11,5 Prozent. Das entspricht einem Rückgang von 0,3 Prozentpunkten, wie der jährliche Bericht der Berner Fachhochschule und der Städteinitiative Sozialpolitik zeigt.

Noch immer liegt Biel aber auf dem unrühmlichen ersten Platz unter den vierzehn untersuchten Städten, gefolgt von Lausanne mit 8,7 und Basel mit 6,6 Prozent. Am tiefsten war die Quote im vergangenen Jahr mit 1,7 Prozent in Uster und Zug.

In Bern ist die Sozialhilfequote 2017 ebenfalls gesunken – bereits zum vierten Mal in Folge. Neu beträgt sie 5 Prozent (–0,1 Prozentpunkte gegenüber 2016). Gesamtschweizerisch liegt die Quote bei 3,3 Prozent (+0,1 Prozentpunkte).

Fallzahlen stagnieren

Gemäss dem Bericht gehörten Bern und Biel im letzten Jahr auch zu jenen fünf Städten, in welchen die Anzahl Sozialhilfefälle rückläufig war. Die Autoren relativieren diesen Befund jedoch. Die Abnahme sei derart gering, «dass eher von einer Stagnation der Fallzahlen auszugehen ist».

Im Durchschnitt aller untersuchten Städte hat die Anzahl Sozialhilfefälle denn auch zugenommen – um 1,6 Prozent. Das ist aber immerhin deutlich weniger als in den letzten fünf Jahren.

Näher untersucht wurde 2017 erstmals die Situation von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der Sozialhilfe. Gemäss einer Betrachtung über sieben Jahre hat sich gezeigt, dass 76 Prozent der 17-Jährigen, die 2010 von Sozialhilfe lebten, 2017 vorübergehend oder dauerhaft nicht mehr darauf angewiesen waren. Nur 8 Prozent blieben dauerhaft abhängig.

Und auch ausländische Jugendliche würden die Integration schaffen, jedoch etwas verzögert. Während von den 15-Jährigen ohne Schweizer Pass etwa jede sechste Person auf Sozialhilfe angewiesen sei, so sei es bei den 25-jährigen Ausländern nur noch jede achtzehnte Person.

Bern und Biel stehen gut da?

Zwischen den vierzehn untersuchten Städten gibt es bei der Integration von jungen Erwachsenen jedoch Unterschiede. Bern und Biel werden als positive Beispiele genannt. Hier habe sich das Sozialhilferisiko dieser Altersgruppe «sehr ausgeprägt verringert».

Als Gründe dafür werden verschiedene Massnahmen erwähnt. So ermöglicht der Kanton etwa seit 2012 jungen Erwachsenen in Ausbildung existenzsichernde Stipendien oder begleitet Schüler mit besonderem Unterstützungsbedarf gezielt bei der Berufssuche.

(nag/sda)

Erstellt: 23.10.2018, 19:56 Uhr

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