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«Zehn Jahre ohne Tessiner Bundesrat sind genug»

Leuenberger-Nachfolge: Die Tessiner SP-Regierungsrätin Patrizia Pesenti dementiert gegenüber Redaktion Tamedia ihr Interesse nicht. Sie fordert sogar eine Tessiner Vertretung in der Landesregierung.

«Ein Botschafter ist kein Ersatz für einen Bundesrat»: Patrizia Pesenti.
«Ein Botschafter ist kein Ersatz für einen Bundesrat»: Patrizia Pesenti.
Keystone

Frau Pesenti, die italienische Schweiz hat seit 11 Jahren, seit dem Rücktritt von Flavio Cotti, keinen Vertreter mehr im Bundesrat. Was bedeutet das für Sie? Um es vorweg zu sagen: Als Schweizerin fühle ich mich auch von Bundesräten anderer Sprachregionen vertreten. Die Vertretung kann nicht nur auf regionale Aspekte reduziert werden; die Vertretung geht auch über Inhalte und Sachverhalte hinaus. Nichtsdestotrotz ist in der Politik das Gleichgewicht sehr wichtig und kann daher nicht zu lange strapaziert werden.

Wie wichtig ist es den Tessinerinnen und Tessinern, einen eigenen Bundesrat zu haben? Im Bundesrat vertreten zu sein, ist für jeden Kanton von eminenter Bedeutung, und dies in vieler Hinsicht.

Jüngst forderte das Parlament eine Aufstockung des Bundesrats auf 9 Mitglieder. Unterstützen Sie diesen Vorstoss? Ja, nicht nur wegen der verbesserten Möglichkeiten aller Sprachregionen, einen Vertreter zu haben, sondern vor allem weil die Aufgaben zweckmässiger aufgeteilt werden können. Einige Departemente sind heute wirklich zu umfangreich.

Gäbe es 9 Bundesräte, finden Sie, einer davon müsste dann für die italienische Schweiz reserviert sein? Wir Schweizer haben «reservierte» Plätze nicht so gern – tönt nach Privilegien. Ich würde es anders formulieren: Neun Sitze würden unsere Chancen verbessern, öfters dabei zu sein.

Der Kanton Tessin schickt ab nächstem Jahr einen Botschafter nach Bern. Stellt man sich damit auf eine längere Zeit ohne Tessiner Bundesrat ein? Ein Tessiner Bundesrat könnte die Position doch auch einbringen. Ein Botschafter ist kein Ersatz für einen Bundesrat.

Bei der Nachfolge von Bundesrat Moritz Leuenberger will die SP offenbar eine Frau. Sie hätten als erfahrene Regierungsrätin und schweizweit bekannte Politikerin gute Chancen. Haben Sie sich eine Kandidatur überlegt? Wenn man sich die Sache vernünftig überlegt, kommt man meines Erachtens zu einem ziemlich deutlichen Schluss: Dieser Sitz wird von Kantonen der deutschen Schweiz beansprucht, und dies mit guten Gründen. Kommt hinzu, dass es an guten, erfahrenen Politikerinnen und Politikern nicht mangelt.

Haben Sie mit ihrer Partei über das Thema gesprochen? Noch nicht.

Fühlen Sie sich unter Druck, als Vertreterin der italienischen Schweiz für den Bundesrat zu kandidieren. Keineswegs.

Konkret: Lassen Sie sich von ihrer Kantonalpartei als Kandidatin für die Bundesratswahl aufstellen? Wie bereits gesagt, wir haben über diese Hypothese nicht gesprochen.

Bis wann hat der Kanton Tessin spätestens wieder einen Bundesrat oder eine Bundesrätin? Unsere Bundesverfassung sieht vor, dass jede Sprachregion angemessen vertreten sein soll. Zehn Jahre ohne Tessiner Bundesrat sind genug.

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