Zoff wegen Rytz' AfD-Tweet

Die Grünen-Chefin frohlockte über die Absage der Auns-Versammlung mit Frauke Petry in Bern. Nun schlägt Lukas Reimann zurück.

Kritisieren sich gegenseitig: Die Nationalräte Regula Rytz (Grüne) und Lukas Reimann (SVP). (Bilder: Keystone)

Kritisieren sich gegenseitig: Die Nationalräte Regula Rytz (Grüne) und Lukas Reimann (SVP). (Bilder: Keystone)

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Die Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz (Auns) wollte Ende April die deutsche AfD-Chefin Frauke Petry an ihre Mitgliederversammlung nach Bern einladen. Nun muss sie die Veranstaltung an einen anderen Ort verlegen. Als Grund gibt die Auns eingegangene «Drohungen aus linken Kreisen» an, die Versammlung im Hotel National «massiv» zu stören.

«Die Auns wollte ganz bewusst provozieren»Regula Rytz, Co-Präsidentin der Grünen

Regula Rytz, Nationalrätin und Co-Präsidentin der Grünen, freut sich über die Absage. «Ich bin froh, dass man nun einen neuen Veranstaltungsort sucht. Die Auns wollte ganz bewusst provozieren, als sie die Versammlung mit der AfD-Chefin in der Stadt Bern ankündigte, wo deren rechtsnationalistische Ideologie absolut keinen Rückhalt hat», sagt sie auf Anfrage. Rytz ist überzeugt, dass die Auns auf diese Weise mehr Aufmerksamkeit erhaschen wollte. «Sonst hätte man die Veranstaltung ja von Anfang an in Herrliberg durchführen können», so die Grünen-Politikerin, die ihre Freude über die Absage auf auch Twitter kundtat:

Diesen Vorwurf will SVP-Nationalrat Lukas Reimann, der die Auns präsidiert, nicht auf sich sitzen lassen: «Ich finde diese Aussage sehr bedenklich. Frau Rytz ist offenbar eine Politikerin, die gegen die Meinungsäusserungsfreiheit ist. Das ist eigentlich Politik gegen Menschenrechte.» Er würde sich schämen, wenn er aus der Stadt Bern wäre, in der Meinungsfreiheit anscheinend nicht mehr gelte, so Reimann weiter.

Mit seiner Kritik steht der Auns-Präsident nicht alleine da. Auf Twitter sorgte die Äusserung von Rytz ebenfalls für heftige Reaktionen. Sie sah sich mit verschiedenen Vorwürfen konfrontiert. So wurde Rytz unter anderem dafür kritisiert, sich über die Folgen von Gewaltandrohung zu freuen, anstatt diese zu verurteilen. Zudem fielen Anschuldigungen, die Grünen-Politikerin trete die Rede- und Meinungsfreiheit mit Füssen.

«Das sind absurde Unterstellungen und Verdrehungen», sagt Rytz zu den Reaktionen auf ihren Tweet. Deshalb habe sie auch nicht darauf gekontert. Sie verurteile, wenn Veranstaltungen durch Krawalle gestört würden oder Drohungen im Raum stünden. Schliesslich dürften sich in einer Demokratie auch die Gegner der Demokratie öffentlich äussern. «Wer wie die AfD provoziert, muss aber mit Reaktionen rechnen. Auch ihre Kritiker haben das Recht auf Meinungsäusserung», meint Rytz. Aus ihrer Sicht wollte die Auns mit dem Veranstaltungsort Bern bewusst heftige Reaktionen auslösen.

«Es wäre völlig falsch, die Versammlung abzusagen, nur weil es Druck von aussen gibt»Lukas Reimann, Auns-Präsident

Auf den Ort komme es gar nicht so an, meint dazu Lukas Reimann. Die Auns-Veranstaltungen würden sowieso immer eine Zielscheibe von Linksautonomen sein. «In Näfels oder irgendwo auf dem Land ist es aber sicher weniger gefährlich als wenige Hundert Meter von der Berner Reitschule entfernt», so der SVP-Politiker. Noch steht nicht definitiv fest, wohin die Mitgliederversammlung verlegt wird, am Termin des 23. Aprils und am Auftritt von Petry will die Auns aber festhalten. «Das Thema der Versammlung ist ja gerade die Meinungsäusserungsfreiheit. Es wäre deshalb völlig falsch, sie abzusagen, nur weil es Druck von aussen gibt», ist Reimann überzeugt.

Erstellt: 08.04.2016, 16:55 Uhr

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