Zollbeamte sind entrüstet über «Meh Dräck»-Forderung ihres Chefs

Der Oberzolldirektor kritisiert seine Angestellten pauschal und vergreift sich gemäss Gewerkschaften im Ton. Nun muss er die Wogen glätten.

«Ich wünsche mir in unserer Eidgenössischen Zollverwaltung auch meh Dräck», schrieb Christian Bock an seine Mitarbeiter. (Foto: Keystone)

«Ich wünsche mir in unserer Eidgenössischen Zollverwaltung auch meh Dräck», schrieb Christian Bock an seine Mitarbeiter. (Foto: Keystone)

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Oberzolldirektor Christian Bock ist bei seinen Mitarbeitenden ohnehin nicht sehr beliebt. Die 4300 Zollbeamten müssen derzeit eine einschneidende Reorganisation über sich ergehen lassen. Hunderte werden umgeschult. Und sehr viele, die bisher keine Waffe hatten, müssen neu eine Dienstpistole tragen. Das hat zwar der Bundesrat verordnet. Doch vielen gilt Bock als treibende Kraft.

Und jetzt giesst der Chef Öl ins Feuer. In einer amtsinternen Mitteilung zieht er gegen die eigene Belegschaft vom Leder. Zuerst erklärt er in der Nachricht den Mitarbeitenden die Bedeutung der Redewendung «meh Dräck». Sie stamme vom Schweizer Rockstar Chris von Rohr, der mit diesen Worten als Juror der Talentshow «Musicstar» das «künstliche Getue der Kandidaten kritisiert» habe. «Meh Dräck» sei dann zum Kultslogan geworden, der auch als Aufruf zu mehr Mut und Risikobereitschaft verstanden werde.

«In herablassendem Ton pauschal seine Belegschaft kritisiert»

Dann macht Direktor Bock klar, worauf er hinauswill: «Ich wünsche mir in unserer Eidgenössischen Zollverwaltung auch meh Dräck», schreibt er. Er meine damit «mehr Vorgesetzte, die nicht in ihren Büros sitzen, sondern zusammen mit ihren Mitarbeitenden Dienst leisten: in der Nacht, am Wochenende, wenn es kalt ist und regnet». Und er verlangt von seinen Beamten, dass sie für «mehr Sicherheit an der Grenze zugunsten von Bevölkerung, Wirtschaft und Staat sorgen», statt «das eigene Ego in den Vordergrund zu stellen». Zum Schluss setzt der Direktor einen Link zum Wikipedia-Eintrag über Rockstar von Rohr.

Doch Bocks Beamte wollen die Kritik des Chefs nicht auf sich sitzen lassen. Gleich zwei Gewerkschaften sind ihm auf den Fersen. «Ich bin schockiert über die Aussagen von Herrn Bock», sagt Barbara Gysi, Präsidentin des Personalverbands. Es sei erschreckend, wie er «in herablassendem Ton pauschal seine Belegschaft kritisiert». Man erwarte eine Entschuldigung. Und die Zöllner-Gewerkschaft Garanto weiss aus Rückmeldungen, dass viele Zöllner «entrüstet» sind über die Art, wie der Chef sie hinstelle. Die Garanto-Zentralsekretärin Heidi Rebsamen hat dem Direktor einen scharfen Brief geschrieben. Sie kritisiert die «Pauschalverurteilung» und fordert mehr Respekt. Daneben moniert sie auch, dass der Link zu einem Video führe, in welchem von Rohr den aus dem Slogan entstandenen Song «Meh Dräck» in einem Schweinestall präsentiert.

Direktor Bock: «Es gab auch zahlreiche positive Reaktionen»

In der Zollverwaltung versucht man, die Wogen zu glätten. Man nehme die Reaktionen der Mitarbeitenden ernst und werde mit den Gewerkschaften den Dialog suchen, teilt die Medienstelle der Zollbehörde mit. «Gleichzeitig haben Herr Bock und andere Mitglieder der Geschäftsleitung aber auch zahlreiche positive Reaktionen erhalten», sagt ein Sprecher.

Rockstar Chris von Rohr hingegen fühlt sich falsch verstanden: Vielleicht liege es an der Sommerhitze, aber «ich glaube, die Gewerkschaftsdruiden haben weder mich noch den Oberzolldirektor wirklich verstanden». Sein Bonmot sage nichts anderes als: Bleibt locker, machts auf die natürliche, unverkrampfte Art und Weise, seid mutig. Gerade bei dem sicher nicht einfachen Job, den das Zollpersonal ausführen müsse, sei das «weiss Gott kein schlechter Ratschlag».



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Erstellt: 03.08.2019, 22:41 Uhr

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