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Zu feiern gibt es erst, wenn alle Festgehaltenen zurück sind

Die Türkei verspricht, die Schweizer, die im Land festsitzen, ausreisen zu lassen – oder doch nicht?

MeinungThomas Knellwolf

Manchmal geht es schnell. Sehr schnell sogar. Am Montag hatte diese Zeitung publik gemacht, dass die Türkei momentan sieben schweizerisch-türkische Staatsangehörige festhält. Vier Tage später ging der türkische Botschafter in der Schweiz an einer Medienkonferenz auf die Problematik ein – und gab sogar ein Versprechen ab: Ilhan Saygili kündigte an, dass die Passsperren der Betroffenen aufgehoben werden, sobald der Ausnahmezustand in seinem Land beendet ist. Und das soll schon am 18. Juli, also Mitte kommender Woche, der Fall sein. Damit könnten die betroffenen Doppelbürger bald wieder tun, was sie sehnlichst tun wollen: endlich in die Schweiz zurückkehren, wo sie zu Hause sind.

Das war für einmal eine gute Nachricht aus dem Staat von Präsident Recep Tayyip Erdogan. Doch die Freude darüber währte nur wenige Stunden. Dann machte die Botschaft einen Rückzieher. Sie teilte mit, dass nur ein Teil der Betroffenen freikomme. Ein anderer Teil nicht. Zahlen könne man keine nennen.

Die Willkür der türkischen Behörden führt dazu, dass einige ihre Liebsten weitere Monate nicht in die Arme schliessen können.

Damit sind die Angehörigen der Festgehaltenen erneut getäuscht und enttäuscht worden. Die Willkür der türkischen Behörden führt dazu, dass einige von ihnen ihre Liebsten wohl weitere Monate nicht in die Arme schliessen können.

Das Versprechen, dass nun höchstens halbwegs gehalten wird, offenbart immerhin, dass auch die türkischen Behörden manchmal handeln, wenn öffentlicher Druck besteht. Doch sobald eine Sache aus dem Fokus ist, verstreicht die Zeit, ohne dass etwas passiert. Deshalb darf auch die Schweizer Diplomatie nicht ruhen. Sie darf sich auch in den kommenden Monaten nicht davon abschrecken lassen, dass die Türkei zu unterbinden versucht, dass der Bund den Festgehaltenen konsularischen Schutz gewährt.

Nach wie vor auf sich warten lässt Ignazio Cassis. Der medial omnipräsente Aussenminister hat sich noch gar nie zu den Festgehaltenen geäussert. Nach dem Hin und Her von gestern sollte er das spätestens jetzt tun.

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