Zürcher Polizei konfisziert Daten eines Investigativjournalisten

Kantonspolizisten haben die Harddisk eines international bekannten Reporters beschlagnahmt.

Konfiskation von Datenspeichern von Journalisten: Der Flughafen Zürich-Kloten. (Keystone/Gaëtan Bally/Symbolbild)

Konfiskation von Datenspeichern von Journalisten: Der Flughafen Zürich-Kloten. (Keystone/Gaëtan Bally/Symbolbild)

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Der Niederländer Henk van Ess hat auf dem Flughafen Zürich etwas erlebt, was kein Journalist erleben möchte. Noch am Mittwoch war die Welt des international bekannten Rechercheurs in Ordnung: Er hielt beim Fernsehen SRF einen Workshop.

Als Van Ess am Donnerstag zurück nach Amsterdam fliegen wollte, bekam er ein Blatt mit der Aufschrift «Information zur durchgeführten Gepäcköffnung» in die Hand gedrückt. Darauf stand, dass seinem Koffer «Gefahrengut» entnommen worden sei: eine Batterie.

Beim konfiszierten Gegenstand handelt es sich aber nicht um eine Batterie, sondern um eine Harddisk des Recherche-Netzwerks Bellingcat, für das Van Ess arbeitet. Es ist gemäss dem Besitzer ein handelsüblicher Datenspeicher der Marke Samsung.

Bellingcat hat zuletzt viel Aufsehen erregt mit Recherchen über russische Spionage und Attentate in Westeuropa und über den Abschuss eines malaysischen Flugzeugs in der Ukraine. Zusammen mit dieser Zeitung haben Bellingcat-Rechercheure nachgezeichnet, wie sich die mutmasslichen Attentäter auf den Doppelagenten Sergei Skripal vor dem Giftanschlag im englischen Salisbury in der Schweiz bewegten. (Vgl. Artikel von dieser Zeitung.)

Solche Enthüllungen beruhen auf Social-Media-Analyse, aber auch auf Informationen von Geheimquellen, die höchsten journalistischen Schutz geniessen müssen. Entsprechend heikel und unter Umständen unzulässig ist die Konfiskation von Datenspeichern von Journalisten.

Polizei «bedauert»

Van Ess, der weltweit Recherche-Lehrgänge erteilt, beteuerte von Anfang an, dass der beschlagnahmte Gegenstand für niemanden gefährlich sei. Explosiv seien die gespeicherten Daten – aber nur für Akteure, deren Fehlverhalten darin dokumentiert sei.

Am Flughafen Zürich ist die Kantonspolizei für die Kontrollen zuständig. Sie liess Van Ess lange warten, meldete sich dann aber am Freitag nachmittag bei ihm. Auch sie ist mittlerweile zum Schluss gekommen, dass sie keine Batterie sichergestellt hat, und schreibt, die Festplatte sei «fälschlicherweise zurückbehalten» worden. Sie werde dem Journalisten express zugestellt. Auf Anfrage schreibt die Medienstelle zudem: «Wir bedauern den Irrtum.»

Erstellt: 30.08.2019, 18:01 Uhr

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