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Zuger Gschäftlimacherei

Die Zuger Sika will vom Bau von Trumps Mauer profitieren. Damit lässt der Konzern politische Sensibilität vermissen.

Bereits bestehende Grenzmauer zwischen den USA und Mexiko: Trump möchte sie auf 3200 Kilometer ausbauen.
Bereits bestehende Grenzmauer zwischen den USA und Mexiko: Trump möchte sie auf 3200 Kilometer ausbauen.
Christian Torres, Keystone

Am 11. November stand die halbe Welt immer noch unter dem Schock der Wahl Trumps. Doch in einem Büro im zugerischen Baar dürfte man sich die Hände gerieben haben. Hier hat die Sika ihren Sitz. Ein Unternehmen, das ein Mörtelzusatzmittel zum Schutz gegen Wasser sowie Feuchtigkeit erfand - und bei der Sanierung des Gotthard-Bahntunnels im Jahre 1918 mit Tunnelabdichtungen international bekannt wurde.

Mittlerweile handelt es bei der Sika um einen milliardenschweren, weltweit tätigen Bauchemie- und Klebstoffkonzern. Drei Tage nach der Präsidentschaftswahl also erklärte ein Sprecher SRF News, dass man sich viel von Trumps Plänen, marode Autobahnen, Brücken, Tunnel und Flughäfen im ganzen Land zu erneuern, erhoffe: «Trump hat grosse Investitionen angekündigt, und er will diese Mauer zu Mexiko bauen.» Da er zudem von Haus aus «ein Baulöwe» sei, rechnete man bei der Sika damit, dass der neue US-Präsident seine Pläne auch zügig umsetzen würde.

Wohlwollend interpretiert, konnte man annehmen, dass die Kommunikationsabteilung sich etwas zu euphorisch äusserte und damit die nötige politische Sensibilität vermissen liess. Zudem bestand damals noch die kleine Hoffnung, dass Trump als Präsident nicht jedes Hirngespinst in die Tat umsetzen würde. Doch dem ist nicht so. Die 3200 Kilometer lange Mauer zwischen den USA und Mexiko soll nun definitiv gebaut werden, die US-Grenzschutzbehörde CBP hat in diesen Tagen Bewerber aufgerufen, Konzeptstudien oder Prototypen «für das Design und den Bau» der Mauer einzureichen. Mit dabei ist auch die Sika: «Wenn Trump die Mauer tatsächlich baut – in welcher Form auch immer –, dann sind wir auch beteiligt», sagte Sika-Chef Jan Jenisch letzten Freitag am Rande der Bilanzmedienkonferenz der Nachrichtenagentur SDA.

Zyniker werden sagen: «Typisch Zug.» Kaum sind die Zuger Rohstoffhändler nicht mehr im Fokus der Kritik, macht ein anderes Zuger Vorzeigeunternehmen Schlagzeilen. Sicherlich, kein global tätiges Unternehmen kann es sich leisten, aufgrund eines umstrittenen Präsidenten den US-Markt zu boykottieren. Es gibt aber einen Unterschied, ob man für Brücken Betonzusatzmittel zur Verbesserung der Haftung liefert. Oder für Trumps unmenschliche Grenzmauer.

Wie zu erwarten, lief die Zuger Linke Sturm gegen Sikas Pläne. In einer dringlichen Interpellation wollen die Grünen wissen, ob der Regierungsrat bereit oder gewillt sei, mit der Sika-Leitung zu sprechen, damit diese auf eine allfällige Beteiligung am Mauerbau verzichtet. Die Zuger Regierung dürfte es sich wohl leicht machen und auf andere Länder verweisen. Gerade wurde bekannt, dass Deutschlands grösster Baukonzern erwägen würde, sich um den Auftrag für den Bau der Mauer zu bewerben.

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