Zum Hauptinhalt springen

Zugstrecken mit schlechter Auslastung: Das ist die Liste

Unrentable Zugstrecken sollen vermehrt durch Buslinien ersetzt werden. Davon könnten 175 von total 300 Regionallinien betroffen sein. Erfahren Sie hier im Detail, welche Strecken betroffen sind.

Stilllegung wird bei einem Kostendeckungsgrad von unter 50 Prozent geprüft: S-Bahn-Strecken.
Stilllegung wird bei einem Kostendeckungsgrad von unter 50 Prozent geprüft: S-Bahn-Strecken.

Der Bundesrat will unrentable Bahnstrecken vermehrt stilllegen. Letzte Woche hat die Regierung eine entsprechende Verordnungsänderung in die Vernehmlassung geschickt. Diese sieht vor, dass die Kantone prüfen, ob bei schlecht rentierenden Bahnlinien nicht wirtschaftlichere Alternativen in Form von Busangeboten geschaffen werden könnten. Damit will der Bund als Geldgeber des Regionalverkehrs eine «langfristig tragbare Finanzpolitik» gewährleisten.

Der Bundesrat setzt die Messlatte für den Regionalverkehr hoch an. Wie aus einem Bericht des Bundesamts für Verkehr (BAV) hervorgeht, soll eine Stilllegung für sämtliche Strecken mit einem Kostendeckungsgrad von unter 50 Prozent geprüft werden. Von den insgesamt 300 Regionallinien wären laut BAV rund 175 Strecken betroffen.

Heute Montag wurde die Liste nun vom BAV veröffentlicht. Sehen Sie hier, welche Strecken stillgelegt werden könnten.

Auf der Liste werden auch Strecken geführt, die zu Pendlerzeiten stark frequentiert werden. So etwa:

  • S14 Zürich HB–Wetzikon–Hinwil (Teilstück Zürich–Wetzikon)
  • S21 Zürich HB–Thalwil–Zug
  • S24 Zürich HB–Horgen Oberdorf–Cham
  • S1 Freiburg–Flamatt–Bern (–Münsingen–Thun)
  • S18 Sursee–Luzern (–Baar)
  • S1 Basel SBB–Laufenburg /–Frick–Brugg AG
  • S4 Rapperswil–Uznach–Wattwil–St. Gallen
  • S6 St. Gallen–St. Gallen Haggen–Herisau

Die «NZZ am Sonntag», die das Vorhaben des Bundesrats publik gemacht hat, nennt für den Berner Verkehrsverbund etwa die S-Bahn-Strecken Bern–Freiburg, Bern–Burgdorf–Langnau oder Thun–Burgdorf. Gemäss Ueli Stückelberger, Direktor des Verbands öffentlicher Verkehr (VÖV), wären vor allem das Emmental, der Berner Jura und das Oberland betroffen.

Im Kanton Zürich wären nach Einschätzung von Kurt Schreiber, Präsident von Pro Bahn Schweiz, unter anderem die Strecke Winterthur–Stein am Rhein oder die Linie durchs Tösstal erfasst. Beim Zürcher Verkehrsverbund will man sich zu konkreten Strecken nicht äussern. Wenn überhaupt, wären laut Sprecher Thomas Kellenberger höchstens periphere Linien betroffen. Kellenberger weist zudem darauf hin, dass bei der Ausgestaltung des Streckennetzes wirtschaftliche Grundsätze bereits heute einen zentralen Stellenwert hätten.

Die Bahnlobby reagiert ablehnend auf das Vorhaben. Für Ueli Stückelberger vom VÖV stellen die geforderten Überprüfungen eine reine Pflichtübung dar. Man habe die Strecken wiederholt unter die Lupe genommen. Die Resultate seien jedoch bescheiden gewesen. Bei der grossen Mehrheit der 175 Strecken sei ein Busbetrieb keine Alternative.

Für Gerhard Tubandt vom Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) ist die Bahn «komfortabler, schneller und ökologischer» als Busverbindungen. Kurt Schreiber von Pro Bahn spricht von einer «Schnapsidee». Die Bedingungen in den primär betroffenen Randregionen seien nicht vergleichbar mit jenen in den Zentren. Über einzelne Strecken könne man durchaus diskutieren. Ein Kahlschlag sei aber keine Lösung.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch