Zugunsten der Kesb und gegen deren Entmachtung

Die Verbindung von Praxis, Wissenschaft und Gesetzesarbeit macht Sinn.

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Man hört in letzter Zeit oft die Klage, dass die Politik polarisiere, dass es immer weniger Kompromisse gebe, die Medialisierung und die Schlagzeilenkultur die Lauten und Unnachgiebigen begünstigen, die auf radikalen Lösungen beharren.

Doch es gibt andere Beispiele. Die Verbesserungsarbeit, die der Unternehmer Guido Fluri und sein Teaman den Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden (Kesb) betreiben, ist so eines. Die vormalige Vormundschaftsbehörde war bürgernäher und unprofessioneller. Die seit 2013 bestehenden Kesb sind professionell, haben in der Bevölkerung aber wenig Vertrauen. Das zeigt die grosse Nachfrage nach dem Sorgentelefon, das Fluri seit zwei Jahren betreibt. Die Hilfesuchenden werden nicht nur beraten und angehört – die Beratungsgespräche werden auch wissenschaftlich ausgewertet und auf Hinweise analysiert, was die Kesb besser machen könnten.

Die Datengrundlage ist neu

Die nun erstmals vorliegenden Erkenntnisse besagen, dass mehr private Beistände eingesetzt werden sollen anstelle der stark ausgelasteten Berufsbeistände, dass das Instrument Gefährdungsmeldungen defensiv anzuwenden ist und nicht als Waffe in Paarkonflikten missbraucht werden darf und dass die Kantone über die Funktionsweise der Kesb informieren sollen, um zwischen Behörde und Bevölkerung eine Brücke zu bauen.

Neu sind diese Vorschläge nicht, neu ist aber die Datengrundlage, auf der sie beruhen. Das Verbinden von Praxis, Wissenschaft und Gesetzesarbeit auf effiziente Art, mithilfe der wichtigen Akteure. Auch die Kesb-Dachorganisation trägt die Empfehlungen mit. Sie kann den Kesb-­Stellen jedoch keine Befehle erteilen. Ob es den Kesb gelingt, sich und ihren Ruf so zu verbessern, dass die Bevölkerung hinter ihnen steht, wenn es zur Abstimmung über Pirmin Schwanders Kesb-Entmachtungs-Initiative kommt – das wird von den rund 150 Kesb-Stellen im Land abhängen.

Erstellt: 25.01.2019, 22:40 Uhr

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