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Zusätzliche Wasserkraft soll Mühleberg ersetzen

Die Schweiz könnte 3,2 Terawattstunden mehr Strom mit Wasserkraft produzieren. Dazu müsste man laut einer Studie Gross- und Kleinwasserkraftwerke neu bauen und bestehende Anlagen ausweiten.

Noch mehr und noch höhere Mauern wären möglich: Staumauer des Lac de l'Hongrin bei Chateau-d'Oex im Kanton Waadt. (4. Juli 2011)
Noch mehr und noch höhere Mauern wären möglich: Staumauer des Lac de l'Hongrin bei Chateau-d'Oex im Kanton Waadt. (4. Juli 2011)
Keystone

Ohne eine Änderung von Umwelt- und Gewässerschutzbestimmungen könnte die Wasserkraft in der Schweiz bis 2050 um 3,2 Terawattstunden (TWh) im Jahr ausgebaut werden. Zu diesem Schluss kommt eine am Montag veröffentlichte Studie des Bundesamts für Energie (BFE).

3,2 TWh entsprechen in etwa der Jahresleistung des Atomkrafwerks Mühleberg. Um den jährlichen Ausbau zu erreichen, müssten sich allerdings die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verbessern, teilte das Bundesamt mit. Ohne diese Verbesserungen und unter den heutigen Nutzungsbedingungen beziffert das BFE das Ausbaupotenzial noch auf rund 1,5 TWh pro Jahr.

Bau neuer und Ausbau alter Anlagen

Um den optimalen Ausbau zu erzielen, müssten Grosswasserkraftwerke gebaut, bestehende Grossanlagen ausgebaut und kleinere Wasserkraftwerke erstellt sowie ausgebaut werden. Von neuen Grosswasserkraftwerken erwartet sich das BFE im Idealfall eine Mehrleistung von 1,43 TWh, unter heutigen Nutzungsbedingungen würde eine Steigerung von 0,77 TWh drinliegen. Ob sich grosse Wasserkraftanlagen allerdings realisieren lassen, beurteilt das Bundesamt unterschiedlich.

Eine Realisierungswahrscheinlichkeit haben der Einschätzung nach im idealen Szenario vier Grossprojekte in Graubünden und drei im Wallis. Unter den geltenden Bedingungen schätzt die Studie die Realisierungswahrscheinlichkeit geringer ein.

Grosses Potenzial bei Kleinkraftwerken

Der Ausbau bestehender Grossanlagen könnte eine jährliche Steigerung um 1,53 TWh bringen, zu heutigen Umständen 0,87 TWh. Die Kleinwasserkraft soll im Idealfall 1,6 TWh und zu aktuellen Bedingungen 1,29 TWh Steigerungspotenzial im Jahr haben. Das Gewässerschutzgesetz dämpft das Potenzial in beiden Szenarien um jährliche 1,4 TWh.

In die Energiestrategie 2050 für den Ausstieg aus der Atomenergie wird beim Ausbau der Wasserkraft die neue Grösse von 3,2 TWh als Richtwert aufgenommen, wie das BFE mitteilte. Die Energieperspektiven werden entsprechend angepasst. Die Zahlen dürfen gemäss BFE nicht darüber hinwegtäuschen, dass die tatsächliche Umsetzung des Potenzials mit grossen Unsicherheiten verbunden ist, etwa mit dem Strompreis.

Hemmschuhe identifiziert

Den Ausbau der Wasserkraft hemmen gemäss der BFE-Erhebung fünf Faktoren: Ökologie, wirtschaftliche Einflüsse, Raumplanung, gesellschaftliche Hindernisse und Bewilligungsverfahren. Zu deren Überwindung listet das Amt verschiedene Lösungsansätze auf. Allgemein soll der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien ein nationales Interesse zukommen. Darin müsste als ökologisches Argument auch der Klimaschutz einfliessen.

Das BFE erhob die Daten zur Studie bei Bundesstellen, Kantonen, Wissenschaft, Umweltverbänden und der Strombranche. In der Konsultation gingen 31 Stellungnahmen ein.

2011 produzierten die Schweizer Wasserkraftwerke 33,8 TWh Strom, rund 54 Prozent der gesamten Landeserzeugung. Eine Terawattstunde (TWh) entspricht einer Milliarde Kilowattstunden (KWh). Mit 1 TWh könnte eine halbe Milliarde voll aufgedrehter Staubsauger gleichzeitig eine knappe Stunde lang laufen.

SDA/rub

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