Zwei Schlitze sorgen für frische Luft

Der Aargau muss als erster Kanton Flüchtlinge in Zelten unterbringen. Ein Augenschein vor Ort.

Platz für 140 Menschen: Die Zeltunterkünfte für Asylsuchende in Aarau.

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Sie ist nicht einfach zu finden – die Zeltunterkunft in Aarau, die Asylsuchenden zusätzlichen Platz bieten soll. Eine Mauer blockiert die Sicht auf das Areal, auf dem sich bereits eine bestehende Asylunterkunft befindet. «Wieso stellen die jetzt auch noch Zelte auf?», fragt ein Passant mit Blick über den Steinwall. Für den Schweizer Rentner ergibt die Aufbauaktion wenig Sinn. Wenn in den bestehenden Unterkünften kein Platz mehr sei, dann solle die Schweiz die jungen, männlichen Flüchtlinge wieder zurückschicken: «Sie müssen in ihr Heimatland und Krieg gegen den IS führen.»

Seine Meinung wird auf wenig Gehör stossen. Auf dem Areal laufen bereits die letzten Aufbauarbeiten. Jakob Wilhelm verlegt gerade die Elektrokabel, damit die Zelte mit Neonröhren ausgestattet werden können. «Wir müssen etwas improvisieren», sagt der junge Stromer. An richtige Leitungen sei bei einer Aufbauzeit von wenigen Tagen nicht zu denken. Deshalb würden die Kabel teils über die Bäume verlegt. In einer Ecke des Areals sollen eine sanitäre Anlage und ein Küchencontainer errichtet werden – ausser einer Bodenmarkierung ist noch nichts zu sehen.

Deutlich mehr Flüchtlinge während Kosovo-Krieg

Spätestens ab Montag muss alles bezugsbereit sein. Dann werden rund 140 Migranten auf dieses und zwei weitere Zeltlager in Buchs und Villmergen verteilt – alles Männer. 13 Armeezelte stellt das Verteidigungsdepartement (VBS) zur Verfügung. In Aarau werden sechs zum Wohnen und eines als Aufenthaltszelt benutzt. 10 bis 14 Betten sollen auf den jeweils 14 mal 5 Quadratmetern Platz finden. «Für Familien und ältere Leute ist die Unterkunft nicht geeignet», sagt Daniela Diener, Sprecherin beim Departement Gesundheit und Soziales (DGS). Die Zelte sind kaum isoliert und im Innern hat es keine Trennwände. Zwei Schlitze im Dach und Fenster sorgen für eine gewisse Luftzufuhr. «Wir müssen abwarten, wie sich die Zelte in diesen heissen Tagen bewähren», sagt Diener.

Der Kanton Aargau sieht sich zurzeit mit einer schwierigen Situation konfrontiert: Die bestehenden 69 Unterkünfte sind bis auf den letzten Platz gefüllt. «Dem Kanton werden jeden Tag neue Asylsuchende zugewiesen, die am Abend ein Dach über dem Kopf brauchen», sagt Diener. Die Gesuchssteller werden im Empfangs- und Verfahrenszentrum des Bundes nach einem festgelegten Schlüssel auf die Kantone verteilt. Im Juni musste der Aargau 276 neue Asylsuchende beherbergen. Im Juli dürften es ähnlich viele sein. Eine schwierige, aber lösbare Aufgabe. Zur Zeit des Kosovo-Kriegs musste der Kanton Aargau deutlich mehr Flüchtlinge unterbringen. Im Juni 1999 waren es 722 – fast dreimal so viel wie in diesem Jahr.

«Im Zelt würde ich gerne wohnen»

Der Kanton entschied sich erst vor Kurzem für den Bau der Aargauer Zeltunterkünfte. Wenn diese belegt sind, dann stehen noch vier geschützte Operationsstellen (Gops) als Unterkünfte zur Verfügung. Diese unterirdischen Anlagen sollen ab August Platz für maximal 600 weitere Asylsuchende bieten. Es sind alles nur Übergangslösungen. Das VBS stellte die Zelte für 110 Tage zur Verfügung. Für den Winter wären sie auch gar nicht als Wohnplatz geeignet. Dennoch wird in einem Zelt gewarnt: «Bei Schneefall ist der Schnee laufend vom Dach wegzuräumen.»

Mohammed sieht der baldigen Ankunft der zusätzlichen Migranten mit gemischten Gefühlen entgegen. Der Iraker lebt schon seit mehreren Monaten in der Asylunterkunft, die sich auf demselben Areal befindet. «Der Platz ist jetzt schon knapp», sagt der 48-Jährige. Gegen einen Schlafplatz im Zelt hätte er jedoch nichts einzuwenden: «Im Asylheim ist es zurzeit unerträglich heiss. Im Zelt würde ich gerne wohnen.»

Erstellt: 22.07.2015, 14:54 Uhr

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