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Lyss will kein grösseres Bundeszentrum

Das zweite Bundesasylzentrum im Kanton Bern kommt nach Kappelen an der Grenze zu Lyss. Die Gemeinde befürchtet, dass man von Lyss noch mehr verlangen wird.

Durchgangsfunktion: Das geplante Zentrum muss renoviert werden. (Archiv)
Durchgangsfunktion: Das geplante Zentrum muss renoviert werden. (Archiv)
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Der zweite Standort für ein Bundesasylzentrum im Kanton Bern ist bekannt. Es kommt in der Gemeinde Kappelen zu stehen, wo seit vielen Jahren das kantonale Durchgangszentrum Lyss-Kappelen geführt wird. Die Räumlichkeiten sollen für die neue Nutzung vom Bund um- und ausgebaut werden. Der Standort war schon lange im Gespräch. Nun sollen dort ab dem Jahr 2019 bis zu 270 Asylsuchende untergebracht werden, vorwiegend solche, die das Land vermutlich rasch wieder verlassen müssen.

Verärgert ist man nun in der Gemeinde Lyss. Das Durchgangszentrum und damit auch das künftige Bundeszentrum liegt auf Kappeler Boden, aber direkt am Rand der Stadt Lyss. Gegen das Bundesasylzentrum in dieser Grösse habe man nichts einzuwenden, betont zwar der Lysser Gemeindepräsident Andreas Hegg (FDP). Das Durchgangszentrum trage die Gemeinde auch seit vielen Jahren mit. Ebenso die Ausnahmesituation, als der Kanton in einer Notsituation Zelte neben dem Lysser Asylzentrum aufstellen liess. «Aber mehr wollen wir nicht», sagt Hegg. Was ist also der Grund für die Aufregung? Der Bund hat auch in der Gemeinde Lyss selber noch einen weiteren Standort für ein Bundeszentrum im Visier, auf dem Waffen- und Zeughausareal.

Keine Hilfe vom Parteikollegen

Zwar stellt der Kanton Bern nun mit den beiden Standorten ehemaliges Zieglerspital in der Stadt Bern und Kappelen-Lyss genügend Plätze für den Bund. Das Bundesasylzentrum im Zieglerspital wird aber voraussichtlich nur für acht bis zehn Jahre betrieben, danach hat die Stadt Bern andere Pläne für das Areal. Es sollen neue Wohn- und Geschäftsräume entstehen. Ab nächsten Sommer sollen im Zieglerspital bis zu 350 Plätze angeboten werden, welche es nach Ablauf der Zwischennutzung zu ersetzen gilt. Weil 2025 die Armee den Waffenplatz in Lyss aufgeben könnte, würde es zeitlich gerade aufgehen. Auf dem Areal in Lyss könnte der Kanton Bern zudem dem Bund einst gar alle 600 geforderten Plätze anbieten. Für Gemeindepräsident Hegg hingegen ist klar, dass für den Ersatz des Zieglerspitals ein anderer Ort gefunden werden muss. «Der Kanton hat das Jugendheim Prêles auf dem Tessenberg, und es gab auch noch andere Gemeinden mit möglichen Standorten.»

Hegg hat kein Verständnis, dass sein Parteikollege und Regierungsrat Hans-Jürg Käser nicht dafür sorgt, dass Lyss vom Sachplan Asyl des Bundes verschwindet. Lyss wäre doppelt gestraft: Die Gemeinde würde nicht nur ihren Waffenplatz verlieren, sondern mitten in der Stadt auch ein riesiges Bundesasylzentrum erhalten, oder vielleicht mit demjenigen ennet der Grenze zu Kappelen sogar zwei haben. Keinen Widerstand gibt es in Kappelen selber. Die Belastung für Kappelen sei nicht so gross wie für Lyss, sagt Hans-Martin Oetiker, Gemeindepräsident von Kappelen. Zudem sei das heute bestehende kantonalen Asylzentrum akzeptiert.

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