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Der Datendieb und seine Beute

Was genau hat Hervé Falciani bei der HSBC gestohlen? Sechs Fragen und Antworten zum Datenleck.

Er kopierte bei der HSBC riesige Datensätze: Hervé Falciani (aufgenommen am 17. Juli 2013 in Paris). Foto: Philippe Wojazer (Reuters)
Er kopierte bei der HSBC riesige Datensätze: Hervé Falciani (aufgenommen am 17. Juli 2013 in Paris). Foto: Philippe Wojazer (Reuters)

1. Wie kam es zum Datendiebstahl?

Der Informatiker Hervé Falciani (43), aufgewachsen in Monaco, entwendete 2006 und 2007 vertrauliche Kunden­informationen aus den Datenbanken ­seines damaligen Arbeitgebers, der Privatbank HSBC Schweiz in Genf. Er nutzte ein Sicherheitsleck: Die Verschlüsselung der Daten funktionierte zeitweise nicht. Der Dieb versuchte erst, die Daten an andere Banken und Geheimdienste zu verkaufen. Doch die Bundeskriminalpolizei kam ihm auf die Schliche. Am 23. Dezember 2008 floh Falciani aus der Schweiz, drei Tage später übergab er fünf DVDs der französischen Steuerfahndung.

2. Um was für Daten handelt es sich?

Französische Spezialisten erstellten aus den Rohdaten rund 36 000 Excel-Tabellen. Diese enthalten 106'458 Einträge – zu Kunden, Bankern, Anwälten, Mittelsmännern sowie Firmen, die mit diesen Personen verbunden sind. Diese Daten liegen Redaktion Tamedia vor.

3. Woher kommt das Material?

Die Zeitung «Le Monde» gelangte an die Daten der französischen Behörden. Die Zeitung gewährte Partnermedien Einblick. Die Führung übernahm das International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) in Washington. Im Verbund engagieren sich auch Schweizer Medien, die so die Daten einsehen und kritisch prüfen konnten.

4. Was enthalten die Daten?

Einsehbar sind Kundeneinträge mit Namen, Geburtsdatum und weiteren Merkmalen. Dazu IBAN-Nummern von Konten, die mit der Person assoziiert sind. Ferner Kontostände sowie Notizen der Banker zum Eintrag. Die Daten stammen grossteils aus den Jahren 2004 bis 2007.

5. Sind die Daten echt?

Die HSBC betont, dass es sich bei den Listen aus Frankreich nicht um Originaldaten handelt. In einer Einvernahme sagte der Chefjurist der Bank, man habe Abweichungen festgestellt. Er nannte ein Beispiel, bei dem ein Kunde weniger auf dem Konto hatte, als in den Daten verzeichnet war. Tatsache ist, dass die französischen Ermittler und das Schweizer Fedpol die Echtheit mehrfach bestätigt haben. Die Bundeskriminalpolizei, welche die Daten mit HSBC-Spezialisten analysiert hatte, schrieb 2010: «Es handelt sich um eine Rekonstruktion der kompletten Kundenprofile und ihrer Bankverbindungen. Es sind echte und vertrauliche Daten, die in allen Punkten mit den Kundendaten übereinstimmen, wie sie bei der HSBC gespeichert waren.»

6. Wurden die Daten manipuliert?

Die Bundesanwaltschaft erhielt 2010 zwei Kopien der Daten aus Frankreich zurück. Zuerst als DVDs, dann als Kopien von Festplatten. Vergleiche zeigten, dass bei den DVDs 1229 Datenzeilen fehlten. In Frankreich stritt man über diese Zeilen. Der Staatsanwalt von Nizza sagte, ein Vertrauter des früheren Innenministers sei aus der Liste verschwunden. Beim Fundus, der den Medien vorliegt, handelt es sich indes um die Daten der französischen Steuerfahnder, die gemäss Recherchen nicht gefiltert wurden.

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