Armeechef Blattmann entschuldigt sich bei «Rundschau»-Moderator

Nach den verbalen Entgleisungen kommt er nun der Forderung des SRF ein wenig nach.

Steht in der Kritik: Armeechef André Blattmann.

Steht in der Kritik: Armeechef André Blattmann. Bild: Keystone

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Nach kritischer Berichterstattung über das Projekt für eine bodengestützte Luftabwehr (Bodluv) schoss Armeechef André Blattmann scharf gegen «Rundschau»-Moderator Sandro Brotz und bezeichnete ihn als «Sandro Kotz».

Nun antwortet Blattmann mit einer schriftlichen Entschuldigung, die sich bereits über die sozialen Medien verbreitet. Bevor er zu seiner eigentlichen Botschaft vordringt, bedauert er den Ton, den er angeschlagen hat: «Ich bin mir bewusst, dass ich vor einem militärischen Publikum sehr drastisch formuliert und die Öffentlichkeit damit allenfalls vor den Kopf gestossen habe, was ich bedaure.» Danach kommt er zur Sache: «Ich entschuldige mich bei Herrn Sandro Brotz in aller Form für die unangebrachte, persönliche Verunglimpfung».

Nicht für alles gibt es eine Entschuldigung

Doch ganz so zahm kommt seine Entschuldigung nicht daher. So bleibt er dabei, dass er die Tat des Whistleblowers immer noch nicht akzeptiert: «Zum Thema Weitergabe von vertraulichen Dokumenten an Dritte halte ich am Inhalt der gemachten Aussagen fest. Vermutet nämlich ein Mitarbeitender einen Missstand oder hat er einen Missstand festgestellt, kann er sich bekanntlich (seit 2013) entweder an die Whistleblowing-Stelle der Gruppe Verteidigung oder sogar an die entsprechende Stelle bei der Eidgenössischen Finanzkontrolle EFK wenden.»

Blattmann reagiert damit auf die Forderung des Schweizer Fernsehens, das in einem offenen Brief eine Entschuldigung Blattmanns forderte. «Kritik an Institutionen und deren Handlungsweise sind in einem Rechtsstaat legitim und gehören zum verfassungsmässigen Auftrag der Medien. Wer die Überbringer der Botschaft unter der Gürtellinie massregelt, tritt die freiheitliche Ordnung mit Füssen», heisst es unter anderem im Schreiben.

Die GSoA hat genug

Der neuste Vorfall im VBS ist Wasser auf die Mühlen der Armee-Gegner von der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA). «Wir fordern den sofortigen Rücktritt von Bundesrat Parmelin, Armeechef Blattmann und Luftwaffenchef Schellenberg», sagt GSoA-Sekretär Lewin Lempert. Parmelin sei offenbar korrupt, wie die Affäre um das Bauland seines Bruders zeige, Blattmann sei autoritär und habe sich nicht den ersten groben Ausrutscher geleistet, als er einen Whistleblower «auf die Schlachtbank führen» wollte. «Eine Entschuldigung für derartige Aussagen bringt auch nichts.» Schellenberg habe Milliarden für untaugliche Systeme wie das Bodluv-Projekt verschleudert.

Zwar sei es so, dass man grundsätzlich gegen die Armee sei, doch die neusten Skandale um Duro-Beschaffung, Bodluv und nun Blattmann hätten die Unfähigkeit der Armeeführung auf ein neues Level gebracht. «Eigentlich würden wir gern den ganzen korrupten Sauladen einer Armee abschaffen, aber dies wird wohl so schnell nicht passieren.» Deshalb würde sich die GSoA wünschen, dass die Armee wenigstens etwas progressiver würde. «Doch mit diesem Personal kann man dies vergessen», so Lempert. (fas)

Erstellt: 09.05.2016, 12:21 Uhr

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