Pascal Couchepin wirbt für SP-Mann

Der Alt-Bundesrat ruft seine FDP dazu auf, Mathias Reynard von der SP zu wählen. Er will die Dominanz der CVP beenden.

Bezog hinter verschlossenen Türen Position: Alt-Bundesrat Pascal Couchepin (Archiv). Foto: Keystone

Bezog hinter verschlossenen Türen Position: Alt-Bundesrat Pascal Couchepin (Archiv). Foto: Keystone

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Als Bundesrat sprach Pascal Couchepin gerne Dinge aus, die andere gar nicht erst zu denken wagten. Seiner Einstellung ist der Freisinnige treu geblieben. Am Tag nach den nationalen Wahlen ergriff der 77-Jährige an einer FDP-Versammlung hinter verschlossenen Türen das Wort – und rief zum politischen Umsturz auf.

Couchepin forderte von seiner Partei, im zweiten Wahlgang der Ständeratswahlen für den SP-Kandidaten Mathias Reynard zu votieren. Nicht, weil er von Reynard oder den Linken insgesamt angetan wäre, sondern weil er sieht, dass bei einer Wahl Reynards die historische Dominanz der Walliser CVP zu Ende ginge. Couchepins Votum wurde mit freundlichem, aber zurückhaltendem Applaus bedacht. Eine Debatte gab es danach nicht. Ein ehemaliger Kantonsrat mahnte gemäss der Zeitung «Le Nouvelliste» aber an, «zum Wohl der Partei» solche Positionsbezüge während des Wahlkampfs nicht schriftlich festzuhalten.

Die CVP hat kein Monopol auf die Sitze.Pascal Couchepin, Alt-Bundesrat

Couchepin argumentiert: «Die CVP besetzt im Wallis seit über 100 Jahren beide Ständeratssitze. Heute hat sie noch 35 Prozent Wähleranteil. Die CVP hat kein Monopol auf die Sitze.» Die Macht müsse aufgeteilt, das Wallis pluraler und demokratischer werden. Die Entwicklung sei im Gang. Eine Wahl Reynards in den Ständerat würde den Prozess beschleunigen, so Couchepin. Natürlich hofft er darauf, dass die Walliser FDP nach einem abrupten Ende der CVP-Dominanz weiter aufblühen würde.

Die Walliser Ständeratswahlen entscheiden sich bereits am 3. November. Noch ist niemand gewählt. Im ersten Wahlgang war SP-Kandidat Reynard bis auf 3000 Stimmen an die CVP-Kandidatin Marianne Maret herangerückt. Reynard erhielt 36'323, Maret 39'660 Stimmen. Über allem schwebte der bisherige CVP-Ständerat Beat Rieder mit 45'678 Stimmen, während FDP-Nationalrat Philippe Nantermod sich bei den Wahlen für die kleine Kammer mit 25'727 Stimmen begnügen musste.

Nantermod zog seine Kandidatur am Montag zurück. Der Grund ist, dass der Kandidat der SVP trotz seiner lediglich 16'652 Stimmen zum zweiten Wahlgang antritt. Dass die SVP weitermacht, bezeichnet Nantermod als «grotesk». Damit habe er selber keine Chance, gewählt zu werden. Befolgt Nantermod nun den Aufruf von Pascal Couchepin und unterstützt SP-Kandidat Reynard? «Nein», sagt er und betont, Couchepin dürfe sagen, was er wolle, für ihn sei SP-Kandidat Reynard ein Vertreter der extremen Linken und damit nicht wählbar. Nantermod räumt Reynard aber eine reelle Chance ein, ins Stöckli gewählt zu werden.

Pascal Couchepin ist eine Respektsperson für mich.Mathias Reynard, SP-Kandidat 

CVP-Vertreter erinnerten die FDP daran, dass die CVP den Freisinn bei den letzten Regierungswahlen unterstützte und dass bereits in zwei Jahren erneut kantonale Wahlen anstehen. Couchepin nimmt die Reaktion gelassen. Er sagt: «Parteibefehle funktionieren heute nicht mehr. Ich habe an der FDP-Versammlung meine persönliche Meinung geäussert.» Die FDP Wallis entschied am Ende, keine Wahlempfehlung abzugeben. 

Mathias Reynard freute sich noch am Wahlsonntag über «ein unglaubliches Resultat», das deutlich mache, dass die Leute für ihn als Persönlichkeit votierten und nicht für seine Parteizugehörigkeit. Bei den Nationalratswahlen bekam er gar am meisten Stimmen sämtlicher Walliser Kandidaten. Was hält er davon, dass sich ein freisinniger Alt-Bundesrat als Wahlhelfer für ihn engagiert? «Pascal Couchepin ist eine Respektsperson für mich», sagt Reynard. «Sein Aufruf erstaunt mich nicht, denn einzelne FDP-Wähler haben schon im ersten Wahlgang für mich gestimmt, und hoffentlich wird die Unterstützung im zweiten Wahlgang noch grösser.»

Erstellt: 22.10.2019, 21:15 Uhr

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