Geschieht im Kanton Luzern Historisches?

Zum ersten Mal überhaupt könnte die CVP ihren Sitz im Ständerat verlieren. Dieser wird von der SVP angegriffen – mit intakten Chancen. 

Seine (Wieder-)Wahl dürfte gesichert sein: Der Freisinnige Damian Müller. Foto: Keystone

Seine (Wieder-)Wahl dürfte gesichert sein: Der Freisinnige Damian Müller. Foto: Keystone

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Gegen FDP und CVP konnte sich bis jetzt niemand durchsetzen. Die beiden Parteien – oder ihre Vorgängerorganisationen Die Liberalen und Katholisch-Konservativen – stellen in Luzern von jeher die Ständeräte. Die letzten Versuche, deren Übermacht zu brechen, scheiterten. Gegenkandidaten blieben chancenlos, zogen sich teilweise bereits nach dem ersten Wahlgang zurück.

Dieses Jahr versprechen die Wahlen mehr Spannung. Die FDP schickt ihren bisherigen Ständerat Damian Müller ins Rennen. Seine Wahl, so sind sich Beobachter einig, ist so gut wie sicher. Schwieriger ist die Ausgangslage der CVP. Mit Konrad Graber tritt ein politisches Schwergewicht zurück. Den Sitz verteidigen soll Nationalrätin Andrea Gmür. Sie muss sich jedoch gegen Kandidaten von SP, SVP, Grünen und GLP durchsetzen. Während den linken Kandidaturen kaum Chancen eingeräumt werden, hat sie mit SVP-Nationalrat Franz Grüter einen starken Konkurrenten.


«Die Wählerinnen und Wähler wollen jemanden, der den Konsens pflegt.»
Andrea Gmür, CVP

Andrea Gmür (55) leitet die Josi-J.-Meier-Stiftung – die Namensgeberin war die erste Ständeratspräsidentin. Sie sei zuversichtlich, sagt Gmür. «Die Wählerinnen und Wähler wollen jemanden, der den Konsens pflegt.» Eine Qualität, die Politiker von rechts oder links aussen nicht aufweisen würden. Dennoch: «Wir müssen vor den Wahlen nochmals alle Hebel in Bewegung setzen.»

Wenn er sich so umhöre, sagt Franz Grüter, so seien seine Wahlchancen durchaus intakt. Grüter (56) ist IT-Unternehmer. Vor vier Jahren hat er seinen Posten als Geschäftsführer des Internet- und Rechenzentrenbetreibers Green.ch abgegeben, er ist nach wie vor Verwaltungsratspräsident. «Wählen heisst auswählen können.» Mit seiner Kandidatur wolle er eine ernsthafte und glaubwürdige Alternative zu CVP und FDP bieten.


«Wählen heisst auswählen können.»
Franz Grüter, SVP

FDP und CVP haben an den kantonalen Wahlen Wähleranteile verloren. Für die eidgenössischen Wahlen gehen die Parteien für beide Kammern Listenverbindungen ein, so wie bereits 2015. Dennoch tauchen auf der Liste des Unterstützungskomitees von Franz Grüter FDP-Vertreter auf. So zum Beispiel Karin Ruckli, Präsidentin der FDP-Frauen. Um Andrea Gmür gehe es ihr dabei nicht. «Die Politik von Franz Grüter als Unternehmer passt ganz einfach besser zu meinen Positionen.» So wie ihr gehe es vielen FDP-Mitgliedern an der Basis.

Andrea Gmür und Franz Grüter unterscheiden sich in einigen Punkten, die den entscheidenden Ausschlag in die eine oder andere Richtung geben könnten. Da wäre die Frauenfrage. Das Thema sei in der politischen Mitte angekommen und wichtiger als noch vor vier oder acht Jahren, sagt Politologe Tobias Arnold, der für Interface Politikstudien und die Uni Bern arbeitet. Umso wichtiger sei der Geschlechteraspekt, da nach den Wahlen der Frauenanteil im Ständerat noch kleiner sein werde. «Der Wunsch nach einer gerechten Frauenvertretung könnte für Gmür von Vorteil sein.»

Stadt gegen Land

Ebenso ein Faktor könne der Stadt-Land-Graben sein. Bei Themen wie der Tiefsteuerpolitik oder dem Autobahnzubringer Spange-Nord würden die Meinungen in städtischen und ländlichen Gebieten auseinandergehen. Franz Grüter lebt im ländlichen Eich und gibt sich verbunden mit den Bedürfnissen der Bevölkerung auf dem Land. Andrea Gmür hingegen wohnt in der Stadt Luzern, womit ihr etwas Städtisches anhafte. Ein Label, das in ländlichen Gebieten teilweise eine Abwehrhaltung auslösen könnte.


«Das Einzige, das CVP und FDP zusammenhält, ist ihr Klammern an die Macht.»
David Roth, SP

Entscheidend wird auch sein, wie sich das linke Lager in einem zweiten Wahlgang positioniert. Vielfach wird davon ausgegangen, dass sich die Linken zugunsten von Andrea Gmür zurückziehen. Er verstehe nicht, wie jemand auf diese Idee komme, sagt SP-Ständeratskandidat David Roth. Die drei Kandidaten von SVP, FDP und CVP seien sich zu ähnlich, alle würden nur die Interessen von Versicherungen und Banken vertreten. Zudem sei das Einzige, das die CVP und FDP zusammenhalte, ihr Klammern an die Macht. «Wir wollen das ändern.»

Politologe Tobias Arnold sieht die Vorteile bei Andrea Gmür. «Wenn sich FDP und CVP zusammentun, wird es schwierig für Angriffe von links und rechts.» Was wäre, wenn die CVP den Sitz im Ständerat verlieren würde? Es wäre eine Fortsetzung des Niedergangs der CVP. Im Ständerat ist sie noch eine Macht, aber wenn dort Sitze verloren gehen, muss das auch der nationalen CVP zu denken geben.

Erstellt: 28.09.2019, 11:54 Uhr

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