«Warum stellen Sie mir jetzt diese Frage?»

Hätte er Platz machen müssen für Regula Rytz? Hans Stöckli (SP) hat sich über diese Frage genervt – erst im Video und danach nochmals richtig.

Das sei «diskriminierend»: Der Berner Ständerat Hans Stöckli stört sich an einer Frage im Interview. So sehr, dass der Disput auch nach den Aufnahmen weitergeht. Video: «Der Bund»

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Das Berner Stimmvolk hat Hans Stöckli am Sonntag als Ständerat wiedergewählt. Dass der SPler um seine Wiederwahl gebangt hat, zeigte sich im Moment der Entspannung. Da kam es zu einer Szene, der die Freude und Eintracht für einige Minuten störte.

Ob er denn nicht zugunsten von Regula Rytz hätte verzichten müssen, wurde Hans Stöckli während eines Interviews mit dem «Bund» gefragt. Er habe die Frauenwahl ja nun faktisch ausgebremst. Da verlor der ansonsten freundliche Stöckli die Fassung: Über 16'000 Stimmen mehr habe er bekommen als Regula Rytz und müsse sich sagen lassen, er hätte zugunsten seiner Konkurrentin verzichten sollen? «Das erklären Sie mir jetzt», forderte er den Journalisten auf, wie das Video zeigt.

Das Thema dominierte zuvor bereits

Es war nicht das erste Mal, dass Stöckli diese Frage beantworten musste. Das Geschlechterthema prägte den Wahlkampf. Nicht nur die Euphorie der Bewegung und die Erneuerung, sondern auch die Kehrseite: Männer, die auf der Liste nach hinten rückten, und der öffentliche Diskurs, in dem sich männliche Kandidaten dafür rechtfertigen mussten, einer weiblichen Konkurrentin potenziell den Sitz wegzunehmen. Auch Stöckli musste sich wiederholt erklären. Bis er nun in diesem Interview entnervt sagte: «Dann machen wir einen dritten Wahlgang, bis eine Frau gewählt ist.» Der Disput endet nicht mit dem Video: Hans Stöckli ist auch danach kaum zu beruhigen.

Aber weil die Geschlechter-Frage das dominierende Thema des Wahlkampfes gewesen sei, weil sie immer wieder gekommen sei, sei sie auch in diesem Interview angebracht gewesen, schreibt «Der Bund» im Kommentar zum Video und der Szene am Wahlsonntag im Berner Rathaus. (amc/bl)

Erstellt: 18.11.2019, 18:24 Uhr

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