«Davos gibt den richtigen Kick für das neue Geschäftsjahr»

Er ist Chef von 70'000 Mitarbeitern und verkauft der Schweiz Flugzeuge und Züge für Milliarden. Pierre Beaudoin spricht in Davos über Erstflüge, Swiss-Piloten in der «Aircraft 0» – und Abgesänge auf das WEF.

«Fast jede Woche kommt jemand von Swiss nach Montreal. Und seit zwei Jahren sind Swiss-Piloten hier, um bei der Entwicklung des Cockpits mitzuhelfen»: Bombardier-Boss Pierre Beaudoin. (Archivbild)

«Fast jede Woche kommt jemand von Swiss nach Montreal. Und seit zwei Jahren sind Swiss-Piloten hier, um bei der Entwicklung des Cockpits mitzuhelfen»: Bombardier-Boss Pierre Beaudoin. (Archivbild) Bild: Reuters

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Herr Beaudoin, ihr Konzern, Bombardier, und die Schweiz pflegen derzeit spezielle Beziehungen.
Ja, bei uns sind derzeit zwei grosse Aufträge in der Pipeline. Die Lieferung von C-Series-Kurzstreckenfliegern und für die SBB bauen wir 59 Doppelstockzüge.

Bei den Flugzeugen haben Sie Verspätung. Was ist los?
Wir sagten, der Erstflug der C-Series würde gegen Ende 2012 stattfinden. Nun ist er für Juni 2013 geplant. Im Businessplan hatten wir allerdings immer mit Mitte Juni gerechnet. Mit dem frühen Termin wollten wir den Druck auf unsere Zulieferer hochhalten.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit Swiss?
Wir arbeiteten von Beginn weg mit Lufthansa und Swiss zusammen. Fast jede Woche kommt jemand von Swiss nach Montreal. Und seit zwei Jahren sind Swiss-Piloten hier, um bei der Entwicklung des Cockpits mitzuhelfen. So können wir sicherstellen, dass eine Maschine gebaut wird, die vom Kunden gewünscht wird.

Kaum vorstellbar, dass Sie ein Jahr nach dem Erstflug bereits mit der Auslieferung beginnen. Ist das realistisch?
Es ist ja nicht so, dass wir nur mit einer Maschine in der Luft testen. Wir heben ab Juni mit insgesamt fünf C-Series 100 und drei C-Series 300 ab. Das gibt uns die Möglichkeit, viele Tests parallel durchzuführen. Natürlich ist uns bewusst, dass mit den Erstflügen die Entwicklung nicht abgeschlossen ist. Normalerweise rechnen wir mit neun Monaten, vom Erstflug bis zur Auslieferung. Wir haben also noch viel Arbeit vor uns.

Wo finden die Erstflüge statt?
Das wird in Montreal sein. Und ich nehme an, dass wir dann im Juni eine grosse Delegation von Swiss bei uns haben werden.

Wie wir jetzt bei Boeing sehen, kann die Flugzeugentwicklung zum Albtraum werden, die 787-Flotte wurde gegroundet. Fürchten auch Sie sich davor?
Kein Unternehmen ist gefeit davor, dass ein Produkt Fehler aufweist. Natürlich tun wir alles, um spätere Probleme zu vermeiden. Bei der C-Series gehen wir neue Wege. Wir haben in den Werkhallen unsere «Aircraft 0». Das ist ein Testkörper, der aussieht wie ein Flugzeug, aber nie fliegen wird. Daran können wir jetzt viel mehr ausprobieren, als das bei früheren Entwicklungen der Fall war.

Sie stossen mit der C-Series in ein neues Segment vor. Erstmals baut Bombardier eine Maschine mit deutlich über 100 Plätzen. Wie gross ist die neue Herausforderung?
Natürlich ist das für uns Neuland. Am Schluss ist es aber auch ein Flugzeug. Vom Komplexitätsgrad ähnlich anderen Flugzeugen, die wir schon gebaut haben. Wichtig für uns ist, dass wir damit neue Kunden bedienen. Und hier müssen wir erst beweisen, dass wir ein verlässlicher Partner sind.

Nicht nur Bombardier baut nun grössere Flugzeuge, auch in China sind zwei Anbieter von Kurzstreckenflugzeugen am Start. Fürchten Sie die neue Konkurrenz aus dem Reich der Mitte?
Sie meinen zum Beispiel die Comac C919. Mit dieser Maschine treten die Chinesen in Konkurrenz zur Airbus-320-Familie. Das trifft uns weniger, weil wir kleinere Maschinen bauen. Aber klar, China wird in Zukunft zum Konkurrenten im Flugzeugbau. Es wird aber sicher auch nicht leicht sein, die jahrelange Erfahrung von Boeing, Airbus und auch Bombardier einfach so aufzuholen. Wir fürchten die Konkurrenz nicht, wir werden stärker mit ihr.

Werden Sie bei der Übergabe der ersten Maschine in Zürich dabei sein?
Das hoffe ich natürlich sehr. Vielleicht ist es ja möglich, dass gleichzeitig die neuen Bombardier-Doppelstockzüge von den SBB in Betrieb genommen werden.

Sie sind regelmässiger Gast in Davos. Was hat sich am WEF in den letzten Jahren verändert?
Die Teilnahme der aufstrebenden Staaten hat deutlich zugenommen. Für Bombardier ist das sehr interessant, weil Leute aus diesen Ländern hier in Europa – und speziell in der Schweiz – sehen, wie der öffentliche Verkehr gefördert wird. Für uns haben sich dadurch in den letzten Jahren viele Gelegenheiten zur Aufnahme von Kontakten ergeben.

In einem Kommentar im «Guardian» hiess es, Davos sei «intellectually bankrupt». Geht es mit dem WEF bergab?
Ich teile diese Meinung nicht. Für uns ist es immer noch ein Ort, wo Ideen ausgetauscht werden, wo wir neue Geschäftsmodelle kennen lernen und wo ein grosser Austausch stattfindet. Das WEF in Davos ist sehr wertvoll. Perfekt ist natürlich auch der Zeitpunkt Anfang Jahr. Man beginnt ein neues Geschäftsjahr, und Davos gibt dazu den richtigen Kick.

Treffen Sie Swiss-Chef Harry Hohmeister in Davos?
Nein, diese Gelegenheit ergibt sich nicht. Ich werde aber mit dem Chef der Swiss-Mutter Lufthansa, Christoph Franz, zusammenkommen.

Erstellt: 23.01.2013, 14:39 Uhr

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