«Die CNN-Reporterin wollte bei uns im Iglu übernachten»

Der WEF-Widerstand in Davos haust bei eisiger Kälte auf dem Parsenn-Parkplatz. Obwohl zahlenmässig noch klein, hat die Welt von der Gruppe bereits Kenntnis genommen.

Protest in der Kälte: Juso-Präsident David Roth.
Video: Jan Derrer

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Rund 20 Leute harren bei nächtlichen Minus 10 Grad im Davoser Protestcamp aus. Soeben wurden sie besucht vom Chef von Greenpeace International, Kumi Naidoo. Solche Leute steigern die Aufmerksamkeit für OccupyWEF, wie sich die Bewegung offiziell nennt. Und Aufmerksamkeit hat sie nicht zu wenig. «CNN war hier, BBC auch und CNBC», erklärt Juso-Schweiz-Präsident David Roth bei Dunkelheit und Fackelfeuer. Selbst ein chinesisches TV-Team sei hergekommen. Rund 12 Fernseh-Stationen insgesamt.

«Essen» ruft einer laut durch die Gegend. Es gibt Gerstensuppe und «Wochenrückblick». Auf einem Tisch im Schnee stehen Flaschen und Thermoskrüge. Gekocht wird in einem Metallcontainer am Rand der Iglu-Siedlung. Das Essen wird kalt, bevor es im Mund landet. Neben den drei Schlaf-Iglus stehen auch zwei runde Stoffzelte im Areal. Die Protestler nennen sie Jurgas. Im Inneren des Einen brennt ein Feuer, es ist warm und riecht nach Holzkohle.

Am Morgen unterkühlt

Übernachtet wird aber im Iglu. «Es wird nicht kälter als null Grad», erklärt Roth. Beim Einschlafen sei man noch warm, am Morgen dann doch leicht unterkühlt. Das Ganze riecht etwas nach Abenteuer, wenn auch unter Extrembedingungen. Und das wiederum lockt Journalisten an, die auf der Suche nach einer guten Story sind. «Eine CNN-Reporterin wollte bei uns im Iglu übernachten», so Roth. Dazu kam es allerdings nicht, ihr Chef hätte es ihr untersagt. Der Vorgesetzte einer «Südostschweiz»-Journalistin war diesbezüglich offener.

Roths primäres Ziel ist es allerdings nicht, die Medienschaffenden anzuziehen. Occupy will vor allem Aktionen durchziehen. Am Donnerstag waren es Schneeskulpturen, mit denen die Demonstranten die Strasse versperrten, und für Freitag sei eine Überraschung geplant. Zuvor haben sie schon Riesentransparente steigen lassen – «Hey WEF, where are the other 6.9999 Billion leaders», war darauf zu lesen – und Nachrichten in den Schnee gezeichnet.

Einen Schnaps in der Beiz

Auf ein mögliches Treffen mit einem bekannten Manager hatten sie sich vorbereitet. «Wir hätten gerne Daniel Vasella hier empfangen», sagt Roth. Als Moderator war Wirtschaftsjournalist René Lüchinger engagiert worden. Allerdings kam es bis jetzt nicht dazu. Ihre Botschaft, «dass am WEF 6,9999 Milliarden Menschen keine Stimme erhalten» verbreiten sie via Medienmitteilung.

Bevor es dann zu später Stunde in die Schneehütten geht, wird nochmals etwas aufgewärmt. Und wenn es sein muss in der Beiz mit einem Schnaps. Man kann sie verstehen, was am Donnerstagmittag bei Sonnenschein schön gewesen sein mag, wird in der Davoser Winternacht zur steinharten und eiskalten Probe. Und einer bleibt immer draussen. «Wache», sagt Roth. Aber nicht wegen möglichen Eindringlingen, sondern weil die Iglus bei Schneefall überwacht werden müssen. Die Eingänge könnten zugeschneit werden oder die Wände unter der Last einsinken.

Erstellt: 26.01.2012, 23:55 Uhr

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