Schmähpreis für Goldman Sachs

In Davos ist der Public-Eye-Award für «profitgierige» Firmen verliehen worden. Der Grossbank wird vorgeworfen, dass sie an jeder Krise mitverdiene. Der Publikumspreis geht an einen grossen Ölkonzern.

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Die Jury des Public-Eye-Award vergab ihren Schmähpreis am Rande des WEF an die Bank Goldman Sachs. Der Ölkonzern Shell erhält die «Auszeichnung» von Internetnutzern wegen verantwortungsloser Geschäftspraktiken in der Arktis. Mit dem Public-Eye-Award brandmarken die Umweltschutzorganisation Greenpeace und die Erklärung von Bern (EvB) während des Weltwirtschaftsforums in Davos besonders krasse Fälle von Profitgier und Umweltsünden. Shell hatte den Award wegen Umweltzerstörungen im Niger-Delta bereits bei der ersten Vergabe im Jahr 2005 erhalten.

Bei Goldman Sachs verschlage einem die Dreistigkeit den Atem, mit welcher die US-Bank die ganze Welt hinters Licht führe und Gewinne auf Kosten der Steuerzahler maximiere, sagte der Wirtschaftsethiker Ulrich Thielemann im Namen der Jury bei der Prämierung in Davos.

Ob Hypotheken-, Banken- oder Euro-Pleite, fast an jeder grösseren Krise verdiene Goldman Sachs kräftig mit. Die Bank sei treibende Kraft hinter dem Konzept «too-big-to-fail», nach welchem führende Banken zu gross seien, als dass man sie untergehen lassen könne, sagte Thielemann. Auch der Begriff «Alternativlos» zeige, wie die Demokratie ausgehöhlt werde.

«Make-up» für Griechenland

Mit versteckten Krediten habe Goldman Sachs als «Make-up-Künstler» Griechenland geholfen, die Kriterien für einen Euro-Beitritt zu ermogeln, erklärte die Jury weiter. Die Finanzkonstrukte hätten das Land in den Ruin und die EU in eine finanzielle Krise getrieben.

Daran hätten die «Goldmänner» bereits mindestens 600 Millionen Dollar verdient und Griechenland schulde der Bank weiterhin 400 Millionen jährlich bis 2037. Das seien insgesamt mehr als 10 Milliarden Dollar auf Kosten der europäischen Steuerzahler, hält die Jury fest.

Goldman Sachs sei die Geldmaschinerie schlechthin mit einem undurchsichtigen, weltweit einzigartigen Netz an Verbündeten in höchsten Positionen wie dem Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, der früher das Europageschäft der Bank leitete.

Greenpeace-Chef Kami Naidoo bezeichnete Goldman Sachs als ein Hauptverantwortlicher der Krise. Als Rohstoffspekulant verdiene das Finanzhaus auch an explodierenden Nahrungsmittelpreisen. Allein die 12 Top-Investmentbanker erhielten gemäss letzten Meldungen Boni von zusammen 100 Millionen Dollar.

«Öljäger in der Arktis»

Der Publikumspreis des Public Eye geht nach dem Willen von gut 16'400 von 41'800 Internet-Wählern an Shell. Der «Öljäger in der Arktis» führe die «hochriskante Suche» nach fossilen Brennstoffen in der Arktis an. Möglich werde diese Suche nur dank der rapide schwindenden arktischen Eisdecke, «also just dank den Auswirkungen des Klimawandels».

Gleichzeitig werde verpasst, sich vom Öl abzunabeln und Investitionen in grüne Energien zu leiten. Die Ölsuche in der Arktis habe auch Auswirkungen auf die biologische Vielfalt und es drohten Ölverschmutzungen. Der Ölkonzern Shell wird vom Schweizer Peter Voser geleitet.

Für den Award waren sieben Firmen nominiert, darunter Repower, weil das Bündner Unternehmen ein Kohlekraftwerk in Süditalien trotz Widerstands der Bevölkerung bauen will. Von den prämierten Konzernen nahm wie üblich kein Vertreter den Preis in Empfang. Dafür machten Nationalrats-Päsidentin Maya Graf und der Davoser Landammann Tarzisius Caviezel dem Public Eye ihre Aufwartung. (mw/sda)

Erstellt: 24.01.2013, 09:48 Uhr

Goldman Sachs sei eine «Geldmaschinerie schlechthin mit einem undurchsichtigen Netz»: Konzernchef Lloyd Blankfein.

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