Zum Hauptinhalt springen

Energiewende in den USASchweizer Firma finanziert Solarstrom für Kalifornien

Blackouts lähmen derzeit den Westen der Vereinigten Staaten. Solaranlagen in Nevada sollen die Lücke füllen – mit Geld aus Zug.

Kalifornien will als erster US-Bundesstaat seine Energieversorgung komplett auf erneuerbare Energien umstellen: Solaranlage in El Centro.
Kalifornien will als erster US-Bundesstaat seine Energieversorgung komplett auf erneuerbare Energien umstellen: Solaranlage in El Centro.
Foto: Bing Guan (Reuters) 

Es ist erst Mitte August in Kalifornien, und schon lodern von Norden bis Süden Dutzende von Wildfeuern auf. Die verbrannte Fläche ist bereits viermal grösser als letztes Jahr um die gleiche Zeit. Im Grossraum Los Angeles kam es zu ersten Evakuierungen, obwohl das Brandrisiko noch steigt.

Als ob das aber nicht genug wäre: Zum ersten Mal seit 20 Jahren können die Elektrowerke die Versorgungssicherheit nicht mehr garantieren. Seit Tagen überrollt ein Blackout nach dem anderen die Stromnetze, Klimaanlagen werden stillgelegt, sodass die erbarmungslose Hitzewelle nur schwer zu ertragen ist.

Dabei wird Kalifornien bis zu einem gewissen Grad Opfer seiner progressiven Energiepolitik. Fossile und nukleare Energie wird in einem zügigen Tempo durch Solar- und Windenergie ersetzt. Die Ambitionen sind hoch, will doch Kalifornien als erster US-Bundesstaat vollständig auf erneuerbare Energien umstellen.

Doch die Hitzewelle – kombiniert mit Blitzschlägen und Tornados sowie der Corona-Lockdown überfordern die Stromnetze. Tagsüber muss sogar Solarstrom in einer Menge, für die vier Kernkraftwerke nötig wären, aus dem Netz genommen werden, weil noch nicht genug Speicheranlagen für die Spitzennachfrage am Abend vorhanden sind.

Tesla liefert Batterien, Zug liefert Geld

Für Nevada sind die Blackouts in Kalifornien dagegen eine gute Nachricht. Der Nachbarstaat baut im Rekordtempo Solar-Speicheranlagen mit dem erklärten Ziel, die Nummer eins zu werden. «Dies ist ein noch nie erlebter Moment ins unserer Geschichte», erklärte Gouverneur Steve Sisolak. «Das Projekt investiert 1,3 Milliarden Dollar, schafft über eintausend Stellen und beschleunigt die Führungsrolle Nevadas in der erneuerbaren Energiewirtschaft.»

Eine zentrale Rolle in diesen Plänen hat Capital Dynamics, eine Investitionsgesellschaft mit Sitz in Zug, die nach eigenen Angaben eine der drei weltweit grössten Kapitalgeber für erneuerbare Energieprojekte ist. «Nevada hat grossartige Solarreserven und eignet sich auch bestens für die Speicherung von Solarstrom», sagt Benoit Allehaut, Direktor für erneuerbaren Energieinfrastrukturen von Capital Dynamics.

Das Finanzunternehmen stellt derzeit ein Investitionspaket von 1,3 Milliarden Dollar für die weltgrösste Solar-Batterieanlage zusammen. Gebaut wird sie in nächster Nähe zur Tesla-Gigafabrik, wo die Mega-Batterien gebaut werden. Die Anlage produziert 550 Megawatt Strom und speichert mit 60 Megawatt genug Energie ab, um ein riesiges Datenzentrum in der Nacht zu kühlen.

«Wenn wir mehr Rendite wollten, würden wir unsere Strompreise gefährden»: Benoit Allehaut.
«Wenn wir mehr Rendite wollten, würden wir unsere Strompreise gefährden»: Benoit Allehaut.
Foto: Capital Dynamics

Es geht um viel Geld und Geduld. Das Milliardenprojekt wird gemäss den Investoren erst in 15 Jahren profitabel. Zwar wäre es möglich, schneller eine Rendite zu erzielen, sagt Allehaut. «Doch Solaranlagen haben eine Lebenszeit von etwa 35 Jahren, und der Markt für erneuerbaren Energien ist sehr kompetitiv. Wenn wir mehr Rendite wollten, würden wir unsere Strompreise gefährden.»

Tatsächlich kostet der Solarstrom nur knapp 5 Cent pro Kilowatt, drei- bis viermal weniger als in Kalifornien, wo die Tech-Konzerne im Silicon Valley dringender denn je den Strom aus Nevada brauchen. Derzeit allerdings warten sie vergeblich. Nevada braucht wegen der immensen Hitze den Strom selber und kann nicht wie üblich aushelfen.

Rechnen mit doppelt so vielen Blackouts

Das kalifornische Versorgungsunternehmen PG&E, das in den letzten Jahren tausende von Bränden verursacht und über hundert Tote zu verantworten hat, rechnet damit, dass es in den kommenden 15 Jahren doppelt so vielen Blackouts geben wird wie heute. Das ist exakt das Szenario, das Capital Dynamics ausnutzen will. Nevada würde demnach zur Drehscheibe im Stromhandel der westlichen Bundesstaaten.

Solarspeicher-Anlagen sind die notwendigen Puffer, um Produktion und Nachfrage von Strom auszugleichen. «Die Stromnetze im Westen zwischen Colorado, Washington und Kalifornien sind eng verbunden», erklärt Allehaut. Neben Nevada soll auch der Markt in Kalifornien ausgebaut werden. «Wir haben mit zehn Prozent den grössten Marktanteil an Solaranlagen für Elektrizitätswerke und bauen derzeit für eine Milliarde Dollar ein weiteres Solarprojekt. Damit werden 7,1 Prozent der Stromnachfrage in Los Angeles gedeckt.»

Diese Investitionen sind gemäss Benoit Allehaut Teil einer landesweiten Wind- und Solar-Strategie. In den USA beschleunigen sich die Schliessungen der letzten Kohlewerke. «Deshalb haben wir uns auch an Solaranlagen im Mittleren Westen und im Südosten des Landes beteiligt. Das Stromnetz wird so rasch dekarbonisiert, dass wir mit der Nachfrage nach Solarstrom kaum nachkommen», sagt der Capital-Dynamics-Manager.