Schweizer Horchposten in Kalifornien

Swisscom ist seit 1997 im Silicon Valley stationiert und beobachtet die Szene mit kritischen Augen.

Start-up Atmosphäre: Das Leben im Outpost. Foto: Swisscom

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Die Swisscom war 1997 eine der ersten Auslandfirmen, die im Silicon Valley eine Aussenstelle einrichtete, um den Aufschwung des Internet aus nächster Nähe zu verfolgen. Heute tritt sie auch als Geldgeberin von Startups auf, selbst wenn es ihr schwerer fällt als früher, erfolgsversprechende Projekte auszufiltern.

«Die Erfolgsquote hat sich in den letzten Jahr nicht verbessert, sie ist eher schlechter geworden», sagt Ursula Oesterle, Leiterin des Outposts der Swisscom in Palo Alto. «Outpost» ist ein militärischer Begriff. Gemeint ist der Vor- oder Horchposten, der den Feind ausspähen soll. Exakt mit dieser Absicht kam die Swisscom vor fast 20 Jahren ins Silicon Valley.

Die Telekom-Branche war eine der ersten, die von der Digitalisierung durchgeschüttelt wurde; und die Swisscom fühlte sich durch den Siegeszug des Internet im Kerngeschäft bedroht. Es musste eine Gegenabwehr gefunden werden. Auch andere Telecom-Firmen wie die holländische KPN und die finnische Sonera zogen ihre Horchposten auf. Doch als die Internet-Blase 2000 platzte, zogen sich die meisten Telecomkonzerne wieder zurück.

Schnell und unkompliziert

Die Swisscom blieb und richtete sich neu aus. «Ab 2003 wurde der Austausch mit den Business Units von Swisscom und dem Valley enger. Marketing und neue Geschäftsmodelle wurden wichtiger». Die Swisscom ist wegen ihres kleinen Heimmarktes zu wenig potent, um eine eigene grosse Entwicklungs- und Forschungsabteilung zu unterhalten. «Das Silicon Valley ist unser Forschungslabor geworden, und die Startups sind unsere Partner.»

Der Swisscom-Posten hat den Ruf, schnell und unkompliziert zu handeln. Oesterle weiss, dass dies als Widerspruch zum Ruf des Konzerns in der Schweiz erscheint, verweist aber darauf, dass sich Startups gerne an den Outpost und die angehängte Risikokapital-Abteilung wenden, um ihre Produkte auszutesten. Die Swisscom Ventures hat rund 35 Startups mit Anfangskapital versorgt. Die Hälfte davon finden sich im Silicon Valley. Einfach ist die Auswahl geeigneter Projekte nicht. Heute werde mehr Schrott vermarktet als früher, sagt Oesterle. «Jeder hat das Gefühl, schnell Geld machen zu können». Nur dank einem verlässlichen Beziehungsnetz noch könne Swisscom Venture erfolgsversprechende Jungunternehmer finden. «Nicht jeder Startup ist ein neuer Uber».

Erstellt: 10.07.2015, 16:51 Uhr

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