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Zuckerbergs Charme-OffensiveSchweizer Medien verschmähen Facebook-Millionen

Der Techriese will enger mit traditionellen Medienhäusern zusammenarbeiten – und dafür zahlen. Hierzulande reagieren die Verleger äusserst skeptisch.

Facebook will die traditionellen Medien enger an sich binden und damit verbindliche Regeln verhindern.
Facebook will die traditionellen Medien enger an sich binden und damit verbindliche Regeln verhindern.
Foto: Urs Jaudas

Weltweit will Facebook in den nächsten drei Jahren umgerechnet eine Milliarde Franken in die Medienindustrie investieren. Nachdem der Konzern bereits in den USA und England tätig wurde, öffnet er jetzt in Deutschland seine Honigtöpfe. Dort werden im Mai «Spiegel», «Zeit», «Frankfurter Allgemeine Zeitung» und über hundert weitere Blätter auf Facebook einen eigenen Bereich erhalten und dafür entschädigt.

Facebook spricht von «Millionen» die an die Medien gehen sollen, auch in Europa. Aber wie viel ein einzelner Verlag erhält, bleibt unklar. Facebook hat auch am Schweizer Markt Interesse. Offen ist laut hingegen, wann das Programm hier startet. Das bestätigt Facebook-Sprecher Johannes Prüller.

«Gewinn auf unsere Kosten»

Die drei grössten Schweizer Verlage reagieren verhalten auf die Avancen des Silicon-Valley-Riesen. Ladina Heimgartner, Chefin der Blick-Gruppe bei Ringier, sagt: «Wir verfolgen die Entwicklungen.» Die Ringier-Medien würden zwar von der Reichweite und der Sichtbarkeit profitieren, die ihnen durch Techplattformen verschafft werden. «Aber wir wissen, dass das ein zweischneidiges Schwert ist: Gleichzeitig wird Gewinn auf unsere Kosten erzielt.»

Auch Marco Boselli, Co-Geschäftsführer Tamedia, «beobachtet» die Entwicklungen vorerst nur. «Generell verfolgen wir solche Initiativen von Facebook oder Google mit kritischem Interesse», sagt Boselli. «Diese Unternehmen können aufgrund ihrer Grösse und Dominanz einen signifikanten Einfluss auf uns und die gesamte Branche hierzulande haben.» Und dieser könne sich positiv, aber auch negativ auswirken.

Nur verhalten positiver ist die Antwort der NZZ: «Die Digitalkonzerne verdanken ihre Einnahmen mittelbar auch den publizistischen Leistungen der Medienhäuser. Es ist daher zu begrüssen, wenn Firmen wie Facebook und Google diese Leistungen auch finanziell entgelten», sagt Sprecherin Seta Thakur. Heute lasse sich nicht sagen, welche Vor- oder Nachteile bei einer engeren Zusammenarbeit mit Facebook verbunden wären.

Der Regionalzeitungsverlag CH Media will immerhin die Facebook-Avancen «in den kommenden Tagen und Wochen vertieft prüfen und diskutieren». Aber auch dort gibt sich der Unternehmenssprecher «zurückhaltend».

Deutlich wird hingegen Andreas Häuptli, Geschäftsführer des Verbands Schweizer Medien: «Wir sind sehr skeptisch, was diese Offensive betrifft.» Es sei zwar grundsätzlich positiv, dass Facebook jetzt den Wert der Präsenz von journalistischen Beiträgen auf der eigenen Plattform anerkennt.

«Mit dem Angebot versucht Facebook die Umsetzung eines Leistungsschutzrechts zu unterwandern.»

Andreas Häuptli, Verband Schweizer Medien

«Es kann aber nicht sein, dass Plattformen wie Facebook und Google einzelne Verlage entschädigen und andere nicht», sagt Häuptli. Es brauche eine gesetzliche Grundlage im Sinne eines Leistungsschutzrechts, das die Verwendung von journalistischen Inhalten verbindlich und für alle Marktteilnehmer transparent und gleichwertig regelt. «Mit dem Angebot versucht Facebook die Umsetzung eines Leistungsschutzrechts zu unterwandern.»

Facebook unter politischem Druck

Die Facebook-Initiative steht vor dem Hintergrund einer weltweiten politischen Entwicklung. In Australien versuchte die Regierung den Konzern dazu zu zwingen, Verlage für ihre News zu entschädigen. Daraufhin stoppte Facebook die Verbreitung von Mediennews auf der Plattform. Das Resultat: Katzenvideos, Bilder von Familienfeiern, Corona-Verschwörungstheorien und Aufrufe eifriger Impfgegner dominierten die Seiten des sozialen Netzwerks. Inzwischen haben beide Seiten zu einem vorläufigen Kompromiss eingelenkt.

In der Schweiz will die Politik die Schweizer Verlage bei der Transformation von Print zu Digital mit Subventionen unterstützen. Der Nationalrat hat in dieser Session beschlossen, die indirekte Presseförderung auszubauen. Zusätzlich sollen die Onlinemedien mit 30 Millionen unterstützt werden.

7 Kommentare
    Franz Büchel

    Man hat sich hierzulande daran gewöhnt, dass bei jeder Tätigkeit irgendeine Firma aus dem Silicon Valley mitverdient: bei den Zeitungen Facebook, bei den Taxis Uber, bei fast allem Google und bei Ferienwohnungen AirBnB. Diese Firmen mischen sich in fast alle Tätigkeiten weltweit ein und verdienen daran, auch und gerade durch ihr Monopol.

    Es wird Zeit, die Monopolstellung dieser Firmen (v.a. Google, Facebook) in Frage zu stellen, kartellrechtlich zu untersuchen und juristisch zu belangen.