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Weniger Eis, mehr BakterienSchweizer Seen reagieren empfindlich auf Klimawandel

In mittleren Höhenlagen reagieren die Gewässer am stärksten auf höhere Temperaturen. Künftig wird das zu weniger Eisflächen und mehr giftigen Cyanobakterien führen.

Der spiegelglatte Klöntalersee im November 2016. Normalerweise gibt es hier im Januar eine Eisfläche, mit dem Klimawandel könnte das aber künftig vorbei sein.
Der spiegelglatte Klöntalersee im November 2016. Normalerweise gibt es hier im Januar eine Eisfläche, mit dem Klimawandel könnte das aber künftig vorbei sein.
Foto: Roland Schuler (Keystone)

Der Klimawandel sorgt nicht nur für höhere Wassertemperaturen in Gewässern, sondern könnte auch die Eisbedeckung und Durchmischung vieler Schweizer Seen verändern. Betroffen wären vor allem die Seen in mittleren Höhenlagen, wie aus einer im Fachmagazin «Communications Earth & Environment» veröffentlichten Studie hervorgeht.

Das Tiefen- und Oberflächenwasser in den meisten Schweizer Seen in mittleren und hohen Lagen durchmischt sich normalerweise zweimal jährlich – im Frühling und im Herbst. Dadurch strömt nährstoffreiches und sauerstoffarmes Wasser von der Tiefe nach oben und umgekehrt. Im Sommer und Winter hingegen bleiben die beiden Schichten scharf voneinander getrennt.

Der Klimawandel greift gemäss einer Mitteilung des Wasserforschungsinstituts Eawag tief in diese jahreszeitlichen Zyklen ein, an die sich das gesamte Leben im Wasser angepasst hat.

Ein Team um den Eawag-Forscher Råman Vinnå analysierte die Auswirkungen von drei verschiedenen Klimaszenarien auf 29 Schweizer Seen, die zwischen rund 200 und 1800 Metern liegen. Demnach reagieren vor allem Seen in mittleren Höhenlagen sehr empfindlich, wie Vinnå die Resultate der Modellierungsstudie kommentierte.

Durchmischung nur noch einmal jährlich

So zeigten die Simulationen, dass bei einer Klimaerwärmung von mehr als zwei Grad viele Seen in diesen Höhenlagen im Lauf des 21. Jahrhunderts ihre Eisbedeckung verlieren, etwa der Lac de Joux oder der Klöntalersee.

Dadurch kann sich im Winter weniger gut eine stabile Schichtung aufbauen. Im Sommer hingegen bleibt sie länger bestehen, wodurch das Risiko eines Sauerstoffmangels in tiefen Gewässern steigt und das Wachstum der giftigen Cyanobakterien begünstigt wird. Schlussendlich könnten sich die Seen statt zweimal nur noch einmal jährlich durchmischen. «Wenn es aber gelingt, die Klimaerwärmung zu begrenzen, können wir die Eisbedeckung erhalten und damit die Verschiebung des Mischungsregimes für die meisten Seen verhindern», sagte Vinnå.

In hohen Seen, etwa im St. Moritzersee, erwärmt sich das Wasser zwar ebenfalls und die Dauer der Eisbedeckung sowie der stabilen Schichtung im Winter verkürzt sich. Doch zumindest bis zum Ende des 21. Jahrhunderts bleibe die zweimalige Durchmischung pro Jahr wohl erhalten, zeigte die Studie.

anf/sda

5 Kommentare
    Benny Luger

    Meines Wissens kommt es im Zusammenhang mit der Durchmischung der Wasserschichten auch sehr auf die Grund- und Tiefenstruktur eines Sees an, sowie welche Zu- und Abflüsse bestehen. So fehlen z.B. im Zugersee grössere längs- und querströmende Zu-/Abflüsse. Dies und die grosse Tiefe, bei fast 200 Metern, verhindern die Durchmischung teils über viele Jahre. Nur heftigere Stürme führen zu einer willkommenen Umschichtung.