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Bis zu 3200 Grad heisse OberflächeSchweizer Weltraumteleskop enthüllt Planeten der Extreme

Das Teleskop Cheops hat im Sternbild Waage einen Exoplaneten erforscht. Wegen der Nähe zu seinem Stern wird er so heiss, dass es Eisen regnen könnte.

Der Exoplanet WASP-189b umkreist den blau leuchtenden Stern HD 133112. Es ist einer der heissesten Sterne, um die ein Planetensystem bekannt ist.
Der Exoplanet WASP-189b umkreist den blau leuchtenden Stern HD 133112. Es ist einer der heissesten Sterne, um die ein Planetensystem bekannt ist.
Quelle: ESA

Die ersten Daten des Weltraumteleskops Cheops haben einen heissen Planeten enthüllt, der seinem Muttergestirn gefährlich nahekommt. In weniger als drei Tagen umrundet er seinen Stern in einer fast zwanzig Mal näheren Umlaufbahn als die Erde um die Sonne kreist.

Wegen des geringen Abstands zu seinem Muttergestirn erhitzt sich die Oberfläche des Exoplaneten auf 3200 Grad, wie die Universität Bern am Montag mitteilte. Bei dieser brüllenden Hitze würde Eisen schmelzen und sogar gasförmig werden.

«Man spricht hier von einem ultra-heissen Jupiter», sagte die Astrophysikerin Monika Lendl von der Uni Genf und Erstautorin der im Fachmagazin «Astronomy & Astrophysics» erschienen Studie.

«Man spricht hier von einem ultra-heissen Jupiter»

Monika Lendl, Astrophysikerin Uni Genf

Der 322 Lichtjahre entfernte Planet im Sternbild Waage weist seinem Stern stets dieselbe Seite zu. Somit bekommt die eine Seite des Planeten immer das Licht des Sterns ab, während die andere im Dunkeln liegt. Deshalb ist die hauptsächlich aus Wasserstoff bestehende Atmosphäre auf der sonnenabgewandten Seite deutlich kühler als auf der Tagesseite.

Weil der Planet auf der sonnenzugewandten Seite keine Wolkendecke besitze, reflektiere er kaum Sternenlicht. «Das führt aber wiederum dazu, dass er sich so stark aufheizt, dass er selbst einiges an Licht abstrahlt», sagte Lendl.

Blau leuchtendes Muttergestirn

Eisen wurde auf dem Planeten zwar nicht direkt nachgewiesen, doch dessen Vorhandensein sei anzunehmen, sagte Lendl. Somit könnte es auf dem Planeten manchmal Eisen regnen – ein Phänomen, das auf einem ähnlichen Planeten bereits nachgewiesen wurde.

Das Muttergestirn des neu charakterisierten Exoplaneten ist ebenfalls besonders: Der Stern mit dem Namen «HD 133112» rotiere so schnell, dass dessen Form nicht kugelförmig, sondern elliptisch sei, sagte Willy Benz, Astrophysikprofessor an der Universität Bern und Hauptverantwortlicher des Cheops-Konsortiums. Der Stern ist ausserdem deutlich grösser und heisser als die Sonne. Er leuchtet deshalb nicht gelb-weiss, sondern blau.

Lebensfreundliche Bedingungen aufspüren

Cheops ist eine gemeinsame Mission der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) und der Schweiz unter Leitung der Uni Bern in Zusammenarbeit mit der Uni Genf.

Anders als bisherige Missionen soll das auf 700 Kilometern Höhe fliegende Weltraumteleskop keine neuen Exoplaneten aufspüren, sondern nimmt bereits bekannte unter die Lupe. Unter anderem möchten die Forschenden herausfinden, ob lebensfreundliche Bedingungen auf einem der Planeten herrschen.

SDA

5 Kommentare
    Max Blatter

    "... rotiere so schnell, dass dessen Form nicht kugelförmig, sondern elliptisch sei": Diese Aussage ergibt keinen Sinn! Nichts in der Natur ist wirklich "exakt" kugelförmig; der letzte, der das glaubte, war wohl Aristoteles. Sogar die "langsam" rotierende Erde besitzt eine gewisse Exzentrizität und ist somit ein Ellipsoid. Und auch das ist nicht exakt; das reale "Geoid" weist zudem noch unregelmäßige "Beulen" auf.

    Statt dessen könnte man sagen, der Mutterstern weise eine Exzentrizität von xxx auf, und damit man sich etwas darunter vorstellen kann, könnte man das noch z.B. im Vergleich zu einem Rugby-Ball einordnen (der allerdings nicht an den "Polen", sondern am "Äquator" abgeplattet ist, aber ein besseres Vergleichsobjekt fällt mir gerade nicht ein).