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LafargeHolcim kauft US-FirmaSchweizer Wirtschaft hofft auf US-Bauboom

Von dem erwarteten Infrastrukturprogramm des neuen US-Präsidenten Joe Biden will auch der Baustoffproduzent profitieren und investiert 3,4 Milliarden Dollar in eine Übernahme.

Wenn Biden seine Pläne umsetzt, dürfte hier viel gebaut werden: Die Skyline von New York mit der Freiheitsstatue.
Wenn Biden seine Pläne umsetzt, dürfte hier viel gebaut werden: Die Skyline von New York mit der Freiheitsstatue.
Foto: Angela Weiss (AFP)

Kaputte Strassen, marode Brücken und bröckelnde Häuser: Die USA stehen nicht gut da, was ihre Infrastruktur betrifft. Auch unter dem abtretenden US-Präsidenten Donald Trump hat sich daran nicht viel geändert – obwohl er sein Vermögen in der Baubranche erwirtschaftete und die Verbesserung der Infrastruktur zu einer Priorität erklärte. Nun ruhen die Hoffnungen der Amerikaner auf seinem Nachfolger: Joe Biden hat während des Wahlkampfs bereits einen 2-Billionen-Dollar-Plan vorgestellt, um die kriselnde Infrastruktur der USA auf Vordermann zu bringen. Setzt er ihn in die Tat um, dürfte die Baubranche einen Boom erleben.

Davon will sich auch der Schweizer Zementriese LafargeHolcim eine Scheibe abschneiden. Der Konzern investiert rund 3 Milliarden Franken in den Kauf der US-Baumaterialfirma Firestone. Sie fertigt Isolationen und Membranen für Flachdächer, die so gegen Wind und Wetter geschützt sind. Vor allem in den Grossstädten sind diese Dächer beliebt.

«Es gibt in den USA einen riesigen Nachholbedarf»

Mit der neuen Tochter will LafargeHolcim von dem regen Renovationsgeschäft profitieren, das bereits jetzt mehr als die Hälfte des Umsatzes ausmacht. «Im Dachbereich gibt es viel Aufholbedarf», sagt LafargeHolcim-Chef Jan Jenisch zu Tamedia. Besonders wichtig sei die Isolation – denn über das Dach verlieren Häuser viel Energie. «Es gibt in den USA einen riesigen Nachholbedarf bei älteren Gebäuden, um sie vernünftig zu isolieren. Damit wurde erst in den vergangenen Jahren angefangen. Das ist alles Geschäft von Firestone und damit auch von uns», sagt Jenisch.

Er hat über die Weihnachtsfeiertage an dem Zukauf gearbeitet: LafargeHolcim-Chef Jan Jenisch.
Er hat über die Weihnachtsfeiertage an dem Zukauf gearbeitet: LafargeHolcim-Chef Jan Jenisch.
Foto: Stefan Wermuth (Getty Images)

Biden hat angekündigt, 4 Millionen Geschäftsgebäude in den USA zu renovieren und 2 Millionen Wohnhäuser wetterfest zu machen. Darüber hinaus will Biden 1,5 Millionen nachhaltige Häuser bauen lassen. Mit dem Plan will der neue US-Präsident auch den CO₂-Ausstoss verringern. In den USA sind viele Dächer bislang lediglich mit Asphaltbahnen vor Wind und Wetter geschützt, während es in Europa bereits deutlich modernere Lösungen gibt.

Das dürfte die Geschäfte der Baubranche ankurbeln. Für LafargeHolcim sind die USA bereits jetzt der grösste Markt. Mit der Übernahme kommt der Weltmarktführer dort dann auf einen Jahresumsatz von 6 Milliarden Dollar. Das entspricht etwa einem Fünftel des Gesamtgeschäfts.

Neues Geschäftsfeld und ein zweites Sika?

Mit dem Zukauf baut Jenisch auch ein vergleichsweise neues Geschäftsfeld auf. Denn das Hauptgeschäft der Firma ist und bleibt Zement. Abdichtungen für Gebäude sind eines der Steckenpferde des Schweizer Bauchemiekonzerns Sika, den Jenisch davor geleitet hatte, bevor er im Sommer 2017 nach mehr als fünf Jahren als Chef und über 20 Jahren im Konzern überraschend zu LafargeHolcim wechselte. Will er seinem ehemaligen Arbeitgeber nun Konkurrenz machen? «Wir wollen kein zweites Sika werden», sagt Jenisch. Mit der neuen Tochter hat er indes grosse Pläne: Über weitere Zukäufe und einen Ausbau des Geschäfts will er den Umsatz in den kommenden vier bis fünf Jahren verdoppeln.