Zum Hauptinhalt springen

A DJ Saved My LifeSechs Stunden Trost

Die Berliner DJ-Ikone Ellen Allien hat eine wunderbare «Isolation-Playlist» kuratiert. Hier abrufbar.

Auch während der Krise drehen sich die Plattenteller: Ellen Allien.
Auch während der Krise drehen sich die Plattenteller: Ellen Allien.
Bild: Instagram

Die Coronakrise betrifft alle Menschen, das Virus macht keinen Unterschied zwischen Normalos und Prominenten. Letztere sind genauso gestrandet wie wir alle. Das gilt auch für Star-DJs. So verbrachte Ellen Allien ihr Oster-Wochenende völlig anders als geplant. Die deutsche Techno-DJ und Produzentin hätte eigentlich nach Kalifornien fliegen sollen, um am Karsamstag beim Mega-Festival Coachella aufzulegen, wo auch Rage Against The Machine und Frank Ocean verpflichtet waren. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde nichts daraus, das Festival ist auf Oktober verschoben worden.

Was macht man als weltreisende Plattenauflegerin, wenn man plötzlich nicht mehr auftreten kann und viel Zeit zu Hause verbringt? Allien, die Anfang der Neunzigerjahre in Berliner Clubs wie Tresor und E-Werk mit dem Auflegen begann, zeigt es auf Instagram, wo ihr 400 000 Fans folgen: ein bisschen Fahrrad fahren, auf dem Balkon in der Sonne liegen, und natürlich die riesige Plattensammlung noch einmal durchhören. So ist die wunderbare «Ellen Allien Isolation»-Playlist entstanden, die die Berlinerin uns geschickt hat.

Was sonst die belächelten «Bedroom-DJs», also Hobby-Discjockeys, tun, ist zur Lieblingbeschäftigung vieler Stars des Fachs geworden: Vor null Publikum auflegen und die Sets als Stream anbieten. Ein bisschen Club-Feeling für zuhause. Ellen Alliens kuratierte Playlist ist aber mehr als Ersatz-Bumm-Bumm in der Disco-Abstinenz. Mit den 72 Songs, die sie listet, spannt sie einen weiten Bogen: hart klingende Techno-Tracks, avantgardistische Pop-Songs, Ambient-Sounds, sogar Stücke von David Lynch und Depeche Mode sind mit dabeiletzteres im Remix von Allien selbst.

Berliner Stars der elektronischen Musik wie Modeselektor und Apparat dürfen nicht fehlen, deren Karrieren Allien mit ihrem Label BPitch von Anfang an gefördert hat. In den sechseinhalb Stunden dieser Playlist wechseln sich euphorische Höhen mit kühlen, teils dystopischen Momenten ab. Denn natürlich würde man in der aktuellen Lage nonstop Beste-Laune-Musik auch nicht so gut ertragen. Mit «Future Forever» von Björk endet aber alles optimistisch: Die Zukunft wartet auf uns, und sie wird voller Liebe sein.