Zum Hauptinhalt springen

Wahlkampf in den USASelbst Biden lobt Trumps Nahost-Deal

Der Vertrag zwischen Israel und Bahrain kommt Donald Trump gelegen. Der Präsident hofft, dass dadurch die Anschuldigungen von Bob Woodward in den Hintergrund treten.

Applaus für den Nahost-Deal: Donald Trump im Oval Office.
Applaus für den Nahost-Deal: Donald Trump im Oval Office.
Foto: AFP

Einmal im Amt, können US-Präsidenten in ihrem Wahlkampf nicht nur reden, sondern auch wirksam handeln. Donald Trump fand diese Woche mit der Normalisierung der Beziehungen zwischen Israel und dem Golfstaat Bahrain einen Weg, den schweren Anschuldigungen durch ein Buch des Watergate-Journalisten Bob Woodward zu trotzen.

Trump kündigte den Deal am Freitag an, dem 19. Jahrestag der Terrorangriffe vom 11. September 2001 auf New York und das Pentagon. Er lobte die Übereinkunft mit den Worten: «Es gibt keine bessere Antwort auf den Hass, der 9/11 hervorbrachte.»

Die Abmachung zwischen Israel und dem Königreich Bahrain lehnt sich an eine ähnliche Vereinbarung zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten (UAE) vom August an. Noch ist nicht bekannt, welche Konzessionen Israel zur vollen diplomatischen Anerkennung durch den strategisch wichtigen Staat verhalfen, wo die fünfte Flotte der US Navy ankert.

«Trump tut hier zufällig etwas Gutes»

Der grösste Preis für Israel, die Anerkennung durch Saudiarabien, steht zwar noch aus. Dennoch muss die von Trump und seinem Schwiegersohn Jared Kushner vermittelte Einigung als Erfolg gelten. Damit «fallen im Nahen Osten die Dominosteine in die richtige Richtung für einen Wandel», schreibt der einflussreiche Kolumnist David Ignatius in der «Washington Post».

«Ich finde, Trump tut hier zufällig etwas Gutes.»

Joe Biden, Präsidentschaftskandidat

Zusätzlich begannen gestern in Katar historische Friedensgespräche zwischen der afghanischen Regierung und den aufständischen Taliban. Die Direktverhandlungen wurden möglich, nachdem der von Trump eingesetzte Vermittler Zalmay Khalilzad im Februar mit den Taliban einen Deal für den Rückzug von US-Truppen eingefädelt hatte.

Trumps diplomatische Durchbrüche beginnen auch im Wahlkampf eine Rolle zu spielen. Nach einem Bericht der «Times of Israel» kritisierte Joe Biden an einem Anlass der liberalen pro-israelischen Lobby-Organisation «J Street» zwar die Nahostpolitik des Präsidenten, da diese die Ansprüche der Palästinenser vernachlässige. Mit Blick auf den UAE-Deal räumte der Präsidentschaftskandidat der Demokraten jedoch ein: «Ich finde, Trump tut hier zufällig etwas Gutes.»

Vorwürfe sind auf Tonband belegt

Die Fortschritte in der Aussenpolitik haben aber Mühe, gegen den Tsunami negativer Berichterstattung, die ein neues Buch des Watergate-Journalisten Bob Woodward vor seiner Publikation von nächster Woche auslöste. In «Rage» (Wut) belegt Woodward, dass sich Trump schon am 7. Februar über die Gefährlichkeit des Coronavirus im Klaren war, obwohl er lange Zeit später die keimende Pandemie öffentlich verharmloste. «Ich wollte sie immer herunterspielen», gestand er Woodward am 19. März. «Ich will keine Panik auslösen.»

Die Biden-Kampagne erhob umgehend den Vorwurf, der Präsident habe das amerikanische Volk absichtlich belogen und sei daher persönlich für Zigtausende Tote verantwortlich. Trumps Abwehr, wonach es sich um einen «politischen Hit-Job» handle, griff nicht, da Woodward die entscheidenden Zitate mit Tonaufzeichnungen belegte.

Weshalb gab Trump Woodward 18 Interviews?

Zur moralischen Kritik an Trumps Charakter kommt in dem Buch der Vorwurf der Selbstverblendung hinzu. Woodward zitiert die poetischen Episteln, mit denen der nordkoreanische Diktator Kim Jong-un sich gegenüber «Ihrer Exzellenz» Trump als Intimfreund ausgibt. Kim umgarnt Trump mit der Aussicht auf Grosserfolge im Verhältnis der beiden Länder: «Die einzigen Führer, die dies können, sind Sie und ich.» Laut dem Autor wertet der US-Geheimdienst CIA Kims Briefe als «Meisterwerke», weil sie «die richtige Mixtur von Schmeichelei finden, während sie an Trumps Gefühl der eigenen Grossartigkeit appellieren».

Substanziell lieferte Woodwards Buch wenig, was über den kontroversen Präsidenten nicht schon bekannt ist. Als schockierend wurde jedoch bewertet, dass Trump dem gefürchteten Kritiker 18 Interviews von insgesamt neun Stunden Länge gewährte. Der Buchautor Timothy O’Brien erklärt Trumps Torheit damit, dass dieser ein «Medienjunkie» mit einem «grenzenlosen Glauben an die eigene Überzeugungsgabe» sei.

Trumps Gegner betrachten Woodwards Enthüllungen hoffnungsvoll als politischen Todesstoss gegen Trump. Der dem Präsidenten freundlich gesinnte Kommentator Charlie Hurt vom «Washington Examiner» erinnert jedoch an die Angriffe von John Kerry im Wahlkampf von 2004. Der demokratische Kandidat warf damals Präsident George W. Bush vor, er habe nicht unverzüglich einen Anlass in einer Schule abgebrochen, als er von den 9/11-Terrorangriffen erfuhr. Der Vorwurf habe Kerry nicht geholfen, sagt Hurt. «Die Pandemie zu politisieren, wird heute nicht besser funktionieren.»