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Streit um SkiterrassenSelbst der Musterschüler schummelt bei Corona-Regeln

Regierungspräsident Christophe Darbellay lobt die Bergbeizen im Wallis, weil sie ihre Terrassen geschlossen halten. Nun zeigt sich: Auch in seinem Kanton legen Skigebiete die Bundesvorgaben locker aus.

Die Bar auf der Dachterrasse der Hannigalpbahn im Oberwalliser Skigebiet Grächen ist zwar geschlossen, die Terrasse ist für Wintersportler dennoch geöffnet.
Die Bar auf der Dachterrasse der Hannigalpbahn im Oberwalliser Skigebiet Grächen ist zwar geschlossen, die Terrasse ist für Wintersportler dennoch geöffnet.
Foto: PD

Die Wintersaison vermochte der Walliser Regierungspräsident Christophe Darbellay (Die Mitte) für seinen Kanton bislang famos zu retten. In Rage ist er dennochwegen des Verhaltens anderer Bergkantone und des Bundes. «Ich komme mir vor wie in einer Bananenrepublik», wetterte Darbellay in der jüngsten Ausgabe der «NZZ am Sonntag». Grund: Der Kanton Graubünden und mehrere Innerschweizer Kantone foutieren sich um die Corona-Bestimmungen des Bundes und halten ihre Skiterrassen offen. «Diese Betriebe kassieren am Pistenrand seit zwei Monaten ab, während unsere Restaurants riesige Verluste verzeichnen», kritisierte er. Der Kanton Wallis halte sich jedoch an die Gesetze. Darum sagte Darbellay in Richtung Bundesbern: «Entweder der Bundesrat setzt das Gesetz endlich durch, oder er erlaubt allen Kantonen den Terrassenbetrieb.» Andernfalls werde das Wallis zivilen Ungehorsam üben und die Terrassen ebenfalls öffnen. Auch die Forderung nach einer finanziellen Entschädigung für Walliser Restaurants bringt Darbellay ins Spiel.

Die Gäste im Walliser Wintersportort Grächen haben die Absperrbänder von Terrassen eigenhändig entfernt, um sich im Sitzen verpflegen zu können.
Die Gäste im Walliser Wintersportort Grächen haben die Absperrbänder von Terrassen eigenhändig entfernt, um sich im Sitzen verpflegen zu können.
Foto: PD

Dem passionierten Skifahrer Christophe Darbellay ist womöglich entgangen, dass in diversen seiner Skigebiete Terrassen ebenfalls geöffnet sind oder geöffnet wurden. Im Familienskiort Grächen zum Beispiel sitzen, essen und trinken die Gäste auf der Dachterrasse der Bergstation der Hannigalpbahn. Pizza, Pasta, Chicken-Nuggets und Getränke kann man sich direkt nebenan bei der Take-away-Ausgabe des Bergrestaurants besorgen. Ebenfalls in Grächen haben Gäste angesichts des schönen Wetters mit angenehmen Temperaturen Anfang Woche Absperrbänder zu eigentlich geschlossenen Terrassen eigenhändig entfernt. Der Familienpark ist seither geöffnet. Die Bänder wurden nicht wieder angebracht.

In anderen Oberwalliser Skigebieten sieht es ähnlich aus. Auch hier wird mit dem Terrassenverbot leger umgegangen. In Bergbeizen in Belalp bei Naters und in Zermatt nützen Wintersportler die Take-away-Angebote auf den Terrassen und verpflegen sich danach nicht selten an Ort und Stelle. Die Gäste sind dabei bemüht, die Sicherheitsabstände einzuhalten.

Der Walliser Regierungspräsident Christophe Darbellay bleibt bei seiner Haltung: «Der Terrassenbetrieb wird im Wallis nicht geduldet».
Der Walliser Regierungspräsident Christophe Darbellay bleibt bei seiner Haltung: «Der Terrassenbetrieb wird im Wallis nicht geduldet».
Foto: Laurent  Gillieron (Keystone)

Damit konfrontiert, beharrt der Walliser Staatsratspräsident Darbellay auf seiner bisherigen Haltung. Diese ist: «Der Terrassenbetrieb wird im Wallis nicht geduldet.» Die Verantwortung tragen gemäss dem Regierungsrat andere. «Für die Kontrolle sind die Gemeinden und die Gemeindepolizeien zuständig», so Darbellay.

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Tamedia
35 Kommentare
    Hans Rudolf Haefeli

    Ich gratuliere jedem Kanton, der die unsinnigen Terrassenregeln in den Skigebieten nicht umsetzt. Ziviler Ungehorsam ist unser Recht und in diesem Fall angebracht Ich wünsche dem Wallis und Herrn Darbelay mehr Mut!

    HR Haefeli