Die Schweizer IS-Braut und das Ende der Träume

Selina S. hatte sich zusammen mit ihrem Mann dem IS angeschlossen. Heute sitzt sie in einem kurdischen Gefängniscamp – und spricht.

Wo will man hin? Gefangenen-Camp in Syrien. Foto: Getty Images

Wo will man hin? Gefangenen-Camp in Syrien. Foto: Getty Images

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Über der ausgedörrten, ockerbraunen Landschaft flimmert die Luft. Trotz über 40 Grad im Schatten trägt Selina S.* einen rosafarbenen Hidschab. Die 29-Jährige könnte Juristin in einem klimatisierten Büro irgendwo in der Romandie sein und schon bald ihre Anwaltsprüfung ablegen. Doch Selina hat einen anderen Weg gewählt und ihr Studium der Rechte an der Uni Lausanne abgebrochen, um zur grausamsten Terrororganisation der vergangenen Jahre aufzubrechen.


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Jetzt sitzt sie auf einem Stuhl in einem Internierungslager im Norden Syriens und beginnt zu erzählen, fast zwei Stunden lang.

Das Kopftuch bedeckt Selinas Haare, den Hals und ihre Schultern und fällt über ein weinrotes Sweatshirt. Die Beine stecken in weiten schwarzen Pluderhosen, wie sie auch die kurdischen Wächterinnen lieben, wenn sie für einmal ihre Tarnuniform ablegen.

Die Lausannerin macht einen gepflegten und gesunden Eindruck. Die erste Schweizerin, die beim IS war und nun ausführlich davon berichtet, wirkt nicht gebrochen. Anfänglich lacht und strahlt Selina. Im Interview, das der «Tages-Anzeiger» gemeinsam mit der TV-Sendung «10 vor 10» im Sommer führen konnte, stellt sie ihre Lage als misslich dar. Selina ist seit fast sieben Monaten interniert in diesem nordsyrischen Lager, zusammen mit der einjährigen Asma, die auf die Welt kam, als das so ersehnte Kalifat zugrunde ging.

«Das Warten ist das Schlimmste»: Selina S. aus Lausanne im kurdischen Camp. Foto: Kurt Pelda

Aber wenigstens muss die Kleinfamilie nicht mehr um ihr Leben fürchten, wie noch vor wenigen Monaten. Ihr Mann, ihre Tochter und Selina haben überlebt, den IS und die Luftangriffe der westlichen Anti-IS-Koalition. Selinas Alltag ist öd, und das Treffen mit Schweizer Journalisten bringt etwas Abwechslung. Ausserdem erhält Selina Gelegenheit, ihre Botschaft zu übermitteln: dass sie nicht gefährlich sei und zurück in die Schweiz wolle, um, wie sie sagt, wieder ein «normales Leben» zu führen. Und zwar auch selbst wenn das zuerst einen längeren Aufenthalt in einem Schweizer Gefängnis bedeuten sollte. Selina hat sich ihre Würde bewahrt, trotz der brütenden Hitze, der Langeweile und der Verzweiflung. «Mein Mann hat viel Schlimmeres durchgemacht als ich», relativiert sie ihre Situation. Die Kurden hätten ihn in eine Gefängniszelle gesteckt, zusammen mit 21 weiteren Häftlingen.

Selina sagt aber auch: «Es ist hart, sehr hart. Vor allem, weil ich nicht weiss, ob ich in mein Land zurückkehren werde. Das Warten ist das Schlimmste.» Ausserdem werde ihre kleine Asma oft krank. «Das ist das, was mir am meisten Angst macht.» Asma habe Husten und habe kürzlich erbrochen, mit Blut.

Befindet sich in IS-Gefangenschaft: Selinas Ehemann Adnan B.

Von weitem wirkt das Camp wie ein Flüchtlingslager, mit seinen weissen Zelten und den roten Wassertanks. In blauer Schrift prangt das Emblem des UNO-Flüchtlingshilfswerks auf den Behausungen. Vom Wachturm überblicken Angehörige der sogenannten Frauenverteidigungseinheiten (YPJ) die Lage. Die ausschliesslich weibliche Kampfgruppe der Kurden sind Teil der Syrian Democratic Forces (SDF), eines Militärbündnisses, das weite Gebiete im Nordosten von Syrien kontrolliert. Die Kurdinnen im Lager sind bewaffnet. Auch bei Amara Derik, unserer ständigen Begleiterin, steckt eine österreichische Glock-Pistole unter dem Gürtel. Nur der Lauf lugt unter der Tarnuniform hervor. Ein etwa zwei Meter hoher Maschendrahtzaun umschliesst das Gelände, kein Hindernis für jemanden, der ausbrechen will. Aber wo will man hin? Eine Flucht wäre ein grosses Risiko, besonders für eine Mutter mit Kleinkind.

Druck auf die Tränendrüsen?

«Das Leben im Lager ist schwierig. Wir leben mit Leuten, die nicht wie wir sind», sagt Selina. Wen meint sie damit? Offenbar ihre kurdischen Bewacherinnen, die sich tatsächlich in vielem von den IS-Frauen unterscheiden, nicht nur darin, dass sie ihr Haar meist offen tragen. Die Internierten waren zuvor alle beim Islamischen Staat, auch Selina zusammen mit ihrem Mann Adnan B.* Er stammt ebenfalls aus Lausanne und hat wie Selina bosnische Wurzeln. Die IS-Frauen hätten anfänglich alle Niqab getragen, die schwarze Vollverschleierung, erzählt Heval Amara Derik. Heval bedeutet Genossin auf Kurdisch. Genossin Amara ist die Kommunikationsverantwortliche des Internierungslagers. Die IS-Anhängerinnen seien fanatisch gewesen, erzählt sie. Es habe Umerziehungskurse gebraucht, damit die Frauen jetzt zumindest ihr Gesicht zeigen.

So entstand die Reportage: Journalist Kurt Pelda erzählt, wie er Zugang zum Gefängniscamp erhielt. Video: Kurt Pelda, Kathrin Egolf / Tamedia

Selina beschwert sich über die eintönige Ernährung, sie habe schon seit zwei Monaten kein Lebensmittelpaket mehr erhalten. «Ich war gewohnt, Spaghetti mit Thunfisch zu essen, jeden Tag, aber jetzt habe ich keinen Thon mehr, und ich besitze nur noch ein Paket Spaghetti. Manchmal haben Leute Mitleid mit mir und geben mir ein bisschen Geld.» Jetzt laufen ihr Tränen über die Wangen.

Genossin Amara gibt zu, dass die Ernährung karg sei. Die ausländischen Hilfswerke hätten nicht genügend Mittel, es reiche nur gerade für ein Essenspaket pro Monat. Das mache die Internierten wütend, vor allem weil es zu wenig Milch für die Kinder gebe. Die kurdischen Behörden betonen aber, dass die internierten Frauen wie Vertriebene und Flüchtlinge versorgt würden, nicht besser und nicht schlechter.

Amara unterstellt Selina, ihre Lage und vor allem die ihrer Tochter in den düstersten Farben zu schildern. Sie hoffe, in der Schweiz Mitleid zu erregen, damit sie in ihr Heimatland zurückkehren könne – etwas, was auch die Kurden wollen. Sie fordern Länder wie die Schweiz auf, ihre Bürgerinnen endlich zurückzuholen und abzuurteilen. Doch die Bundesbehörden wollen nur helfen, wenn es die Schweizer Gefangenen aus eigener Kraft zu den diplomatischen Vertretungen im Nachbarland Türkei schaffen. Dass dies gelingt, ist ziemlich unwahrscheinlich. Das weiss Selina, das weiss man auch in Bern. Doch man rührt keinen Finger, vor allem weil IS-Rückkehrer gefährlich sein könnten.

Strikte Bedingungen

Deshalb wird Selina wohl weiter auf den umzäunten 430 mal 250 Metern ausharren müssen. Das Lager liegt auf einer kargen Anhöhe, direkt neben einem Erdölfeld. Die Kurden nennen ihr erobertes Gebiet im Norden Syriens Rojava. Roj (ausgesprochen Rosch) bedeutet auf Kurdisch Sonne, das Symbol der Kurden, die ohne eigenen Staat über Syrien, die Türkei, den Irak und den Iran verstreut leben. Im Camp eingesperrt sind 370 Frauen, darunter auch 100 Ausländerinnen. Hinzu kommen knapp 700 Kinder. Die meisten von ihnen sind inzwischen fünf oder sechs Jahre alt, sie wurden also noch vor der Ausrufung des Kalifats im Jahr 2014 geboren. Selina und die kleine Asma sind die einzigen Internierten aus der Schweiz. Nicht hier sind zwei Bielerinnen, die sich 2014 dem IS angeschlossen hatten und nun ebenfalls von kurdischen Einheiten gefangen gehalten werden. Sie sollen sich in einem anderen Lager befinden.

Befindet sich an einem geheimen Ort: Das Lager, in dem die Frauen festgehalten werden. Foto: Kurt Pelda

Im Camp stehen über 450 grosse Zelte. Im Schnitt ergibt das etwas mehr als zwei Bewohner pro Zelt, eine komfortable Situation verglichen mit den winzigen Verliesen, in die der Islamische Staat seine Gefangenen zwängte. Ausserdem müssen die hier festgehaltenen Frauen nicht befürchten, dass sie geköpft, gesteinigt oder auf andere Weise hingerichtet werden. Auch Selina und Asma leben in so einem Zelt, nur ansehen dürfen wir weder die Behausung noch das Kind. Überhaupt sind die Bedingungen, unter denen das Gespräch stattfindet, strikt. Genossin Amara lässt uns nicht allein, und wir dürfen uns nicht auf Französisch unterhalten, sondern müssen Englisch sprechen, damit die aufmerksamen Wächterinnen im Hintergrund mithören können.

Einmal, als Selina von ihrer Gefangennahme durch die kurdische Arbeiterpartei PKK spricht, greift Genossin Amara energisch ein. Selina sei von den Volksverteidigungseinheiten, den YPG, interniert worden, nicht von der PKK, mit der hätten sie nichts zu tun. Die YPG sind das männliche Pendant der Frauenverteidigungseinheiten. Ausser in der Schweiz gilt die PKK in praktisch allen westlichen Ländern als Terrororganisation. Das hält die USA aber nicht davon ab, mit den syrischen Kurden gegen den IS zu kämpfen. Offiziell sprechen die Amerikaner von einer klaren Trennlinie zwischen den syrisch-kurdischen Kämpfern und der PKK – doch das ist Augenwischerei.

Wie aus dem Propagandavideo

Jetzt spricht Selina, wie von Genossin Amara verlangt, also nicht mehr von der PKK. Sie erzählt, wie sie Anfang 2018 in Gefangenschaft geriet. Zusammen mit ihrem Mann und dem gemeinsamen Baby seien sie vom IS geflüchtet, auf einem Motorrad und mit Hilfe eines Schleppers. An einer Strassensperre der YPG seien sie zuerst unter Beschuss geraten. Dann hätten sie sich ergeben. Man habe ihr all ihr Geld weggenommen, rund 3200 Franken.

Danach wurde das Paar getrennt. Adnan werde in einem Militärgefängnis der YPG festgehalten, sagt Selina. Zweimal habe sie am Telefon mit ihm gesprochen. Manchmal könnten sie sich auch Briefe schreiben, die dann vom Roten Kreuz überbracht würden. Adnan gehe es den Umständen entsprechend gut.

«Adnan war früher überhaupt nicht religiös.»Selina S.

Adnan und Selina lernten sich im Sommer 2014 kennen, und zwar über Facebook. Er ist 21, sie fünf Jahre älter. Aber es gab auch ein Problem, wie Selina nun in der Nachmittagshitze erzählt: Adnan bezog Sozialhilfe, nachdem er eine Verkäuferlehre bei Coop abgebrochen hatte, angeblich wegen Schmerzen nach einer Rückenoperation. Selinas Vater war der Ansicht, dass Männer in Adnans Alter nicht von Almosen der Steuerzahler leben sollten. «Ich habe mich ein bisschen geschämt, ihn meinem Vater vorzustellen», erzählt Selina. Papa habe der Hochzeit nicht zugestimmt, darum hätten sie die religiöse Trauung heimlich in der Moschee von Renens vollziehen lassen. Im Jahr nach der Trauung lässt Selina den Jus-Bachelor sausen. 2015 reisen sie zum IS. Doch weshalb?

«Adnan war früher überhaupt nicht religiös», erzählt Selina. Ein Afrikaner habe ihn in Lausanne zum Glauben und zum Gebet in die Moschee gebracht. «Und dann fingen ein paar Leute an ihm zu erklären, wie der Islam wirklich ist.» Sie sprachen mit ihm über Syrien, zeigten ihm Videos, in denen Musliminnen vergewaltigt wurden. Und sie fragten Adnan, was er denn zu tun bereit sei, um seinen muslimischen Brüdern und Schwestern beizustehen. «Uns hat das berührt. Und das war der erste Grund, warum er kommen wollte.» An die Namen der Rekrutierer will sich Selina nicht mehr erinnern. Es seien Leute aus Frankreich gewesen.

Legitime Terroranschläge

Adnan habe über soziale Medien Kontakt mit IS-Kämpfern in Syrien aufgenommen. Sie hätten ihm von einem gelobten Land erzählt, in dem Muslime frei leben könnten. Man erhalte ein Haus und Geld, einfach so. Und dann gibt Selina Dinge von sich, die direkt aus einem Propagandavideo der Terrororganisation stammen könnten. Die Schweiz habe Minarette verboten, Muslime seien nicht willkommen. Kein Wort davon, dass viele in der bosnischen Diaspora als Flüchtlinge in der Schweiz aufgenommen und niemand wegen des Islam abgelehnt wurde. Selina und Adnan wurden beide eingebürgert, ihr Glaube spielte dabei keine Rolle.

«Wenn du dort bist, ist es eine Falle, und du kannst nicht mehr weggehen.»Selina S.

Verschleiert hat sich Selina in Lausanne nicht. Aber sie wollte es tun und glaubte, dass sie dann angefeindet würde: «Wenn du eines Tages Hidschab tragen möchtest, wird das in der Schweiz schwierig werden. Warum also nicht woanders hingehen?» Adnan, noch immer arbeitslos, sei bei der Aushebung von der Armee abgelehnt worden. Er habe immer schon eine Schwäche für Uniformen gehabt, und dass er nun nicht Soldat werden konnte, habe ihn sehr bedrückt. «Und dann sagte er, wir sollten nach Syrien gehen.»

Sagt Selina die Wahrheit? Wir wissen es nicht. Erzählt sie alles? Offensichtlich nicht, gerade was ihr islamistisches Umfeld in der Schweiz betrifft. Doch das Bild, das sie von sich und ihrem Mann zeichnet, ist stimmig: ein junges Paar, das nicht zusammenziehen kann, weil Selinas Vater dagegen ist, und Geld für eine gemeinsame Wohnung fehlt. Und dann sei da dieses normale, langweilige Leben in Lausanne gewesen. Sie hätten sich nach etwas Abenteuer gesehnt. «Ich war zu dumm (…). Ich dachte, ich würde dorthin gehen, sehen wie es ist, und wenn es mir nicht gefällt, würde ich zurückkehren. Aber wenn du dort bist, ist es eine Falle, und du kannst nicht mehr weggehen.»

Ferien am Mittelmeer

Im Juni 2015 flog das Paar in die Türkei und verbrachte dort zuerst Ferien am Mittelmeer. Woher sie das Geld dafür hatten, ist unklar. Von der Küste fuhren sie dann mit dem Bus in die türkische Stadt Gaziantep. Während der Fahrt unterhielt sich Adnan über das Wifi-Netz im Bus mit einem IS-Jihadisten in Syrien. Er gab Anweisungen, wie sie die Grenze mithilfe eines Schleusers überqueren könnten. Kurz nach der Ankunft in Syrien wurde das Paar in den Irak gebracht und lebte dann eine Zeit lang in Mosul.

Die grösste Enttäuschung war, dass der IS seine Versprechungen nicht hielt.

Das Leben im Kalifat entpuppte sich als einzige Enttäuschung, aber nicht wegen der Gräuel des IS, nicht wegen der unzähligen Muslime und Andersgläubigen, die geknechtet oder brutal umgebracht wurden. Die Opfer kommen in Selinas Erzählung nicht vor. Es ist kaum Mitleid, kaum Empathie für die Ermordeten und Gefolterten spürbar. Nur kurz kritisiert Selina die Sklavenhaltung im Kalifat oder die Art und Weise, wie den Christen die Kirchen weggenommen wurden. So etwas habe sie «total abgelehnt». Sie sei meistens zu Hause geblieben, habe sich um den Haushalt gekümmert und Videos angeschaut. Viele IS-Frauen behaupten heute, sie hätten nichts gesehen, nichts gehört und nichts gewusst. Am liebsten waren Selina und Adnan zu Hause und sahen sich Videos an. Zu ihren Lieblingssendungen gehörte die französische Realityshow «Les princes de l’amour», in der es um Verführungskünste und viel nackte Haut geht – für den IS Sünde und westliche Dekadenz. Auf den Widerspruch angesprochen sagt Selina nur: na ja.

Die grösste Enttäuschung war, dass der IS seine Versprechungen nicht hielt, vor allem jene materieller Natur. Es gab kein gelobtes Land. Adnan sei schon in der militärischen Grundausbildung negativ aufgefallen, weil er – angeblich wegen seiner Gebrechen – nicht mithalten konnte. Er habe auch nicht an die Front kämpfen gehen wollen. Das betont Selina mehrfach. Irgendwann stoppte der IS deshalb die Zahlungen an das Paar, und auch die eigenen vier Wände materialisierten sich nicht. Nun lächelt Selina nicht mehr. Vielmehr wirkt sie wütend. Wütend auf die «Lügner» im Kalifat, die ihre Versprechen immer wieder gebrochen hätten.

Sie brandmarkt den IS nicht als Terrororganisation, denn andere seien doch die viel grösseren Terroristen. Sie bringt bis heute ein gewisses Verständnis für Anschläge in Europa auf: «Es ist nicht okay, dass Menschen in den Strassen von Paris sterben, aber es ist auch nicht okay, wenn Leute in den Strassen von Raqqa sterben. Es ist nicht okay, dass überhaupt jemand stirbt, aber rate mal, Menschen sterben, und so ist das nun mal.» Selina spielt auf die Luftangriffe der westlichen Anti-IS-Koalition an. Vor diesem Hintergrund hält sie die Anschläge von Paris für legitim, für verständliche, wenn auch schlimme Vergeltungsaktionen des IS. «Ich denke wirklich, dass es zu viel Heuchelei in dieser Welt gibt, und das ist der Grund, weshalb es Terrorismus gibt. Denn weisst du, manche Leben sind mehr wert als andere.» Als sich Selina verabschiedet, lächelt sie wieder.

*Name der Redaktion bekannt

Kurt Pelda, Reporter der Redaktion Tamedia, besuchte die inhaftierte Selina S. in einem Gefangenen-Camp im Norden Syriens. Auch heute, mehrere Monate nach dem Interview, befinden sich die Frau aus Lausanne und ihr Kind noch in Gefangenschaft. Ebenso ihr Mann Adnan B.

Dieser Text erschien erstmals am 13. Juli 2018.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.11.2018, 08:49 Uhr

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