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GastkommentarSenioren, hört den Weckruf!

Wenn die Senioren in der Schweiz gegen sie gerichtete Corona-Massnahmen verhindern wollen, müssen sie sich gerade über Ostern diszipliniert verhalten.

Friedlich beieinandersitzen, ein Bild aus anderen Zeiten.
Friedlich beieinandersitzen, ein Bild aus anderen Zeiten.
Bild: Michael Kupferschmidt (Keystone)

Ja, es ist beängstigend, wenn ich ganze Seniorengruppen wandern sehe, wenn selbst die Pro-Senectute-Gruppe Zurzach ins Birstal zieht, wenn Senioren aus dem Tessin in den Kanton Uri einkaufen gehen. Wenn Hausi Leutenegger (80) und Christoph Blocher (79) den Klimawandel kleinreden. Auch, wenn wir als besonders abstimmungsfreudige Generation mit unserer Stimmkraft mehr bestimmen als die, die mit unseren Entscheidungen das ganze Leben leben müssen. Genau das, was «Tages-Anzeiger»-Autor Tim Wirth hier beschrieben hat.

Es macht mir Angst, wenn ich beobachte, wie ältere Menschen sich eigenwillig, gar fatalistisch geben.

Und es macht mir Angst, wenn ich beobachte, wie ältere Menschen sich eigenwillig, gar fatalistisch geben: «Ja, ich habe mein Leben gelebt, nach mir die Sintflut.» Das kann es nicht sein. Denn die Würde des Menschen ist unantastbar, auch in dieser angespannten Zeit der Corona-Krise. Der Diskurs ist aber unausweichlich.

Der Generationenvertrag muss mehr als eingehalten werden, nein, er muss gar erneuert werden. Es sind die 80-Jährigen, die mit Vorerkrankungen ganz besonders gefährdet sind. Es sind die Menschen, die schon jetzt in unserem sehr gut ausgebauten Gesundheitssystem aufgefangen wurden, mit denen sorgsam umgegangen wurde. Das soll auch weiterhin so bleiben.

Obwohl die Schweiz mit der Zahl an Infizierten an der Spitze steht, ist die Todesfallrate sehr niedrig, die tiefste im internationalen Vergleich. Das zeigt, dass unser System aufzufangen vermag, was noch auf uns zukommt. Zurzeit versucht sich der Bundesrat mit dem BAG, mit den Experten aufgrund aller verfügbaren Daten ein Gesamtbild zu verschaffen.

Die uns nachrückenden Generationen haben ein Recht auf unsere Solidarität in dieser schwierigen Zeit.

Bis zum 19. April will er erste Wege aufzeigen, wie das Danach aussehen könnte. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass die Risikogruppe, wir Senioren ab 65 und die Leute mit Vorerkrankungen, besonderen Regelungen zum eigenen Schutz unterstellt werden könnten.

Bereits im Vorfeld mehren sich die Stimmen, gerade aus Kreisen der Seniorenschaft, die eine Sonderregelung verhindern wollen. Das Anliegen ist verständlich, wird aber die Risikogruppe nicht schützen. Was bleibt zu tun? Die Senioren können den Weckruf jetzt zur Kenntnis nehmen, können über die Ostertage beweisen, dass sie die Appelle aus Bundesbern verstanden haben.

Oder aber, sie müssen mit schärferen Massnahmen rechnen, wenn die bestehenden Restriktionen langsam gelockert werden. Die uns nachrückenden Generationen haben ein Recht auf unsere Solidarität in dieser schwierigen Zeit, auch wenn es vielen von uns schwerfällt. Bleiben wir zu Hause, halten wir uns fit mit Spazieren und immer auf Abstand.