Shakespeare auch hier

Regisseur Kenneth Branagh erklärt, was «Aschenputtel» mit «King Lear» verbindet.

Bei Shakespeare ist die Eifersucht grünäugig. Hier trägt sie Grün: Cate Blanchett als Stiefmutter.

Bei Shakespeare ist die Eifersucht grünäugig. Hier trägt sie Grün: Cate Blanchett als Stiefmutter.

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«Sir Kenneth, warum so klassisch?» – «Man muss Märchen mittlerweile fast klassisch erzählen, um noch zu über­raschen.» – «Stimmt, Märchenfilme ermüdeten zuletzt mit ihren düsteren Twists, ‹Into the Woods›, ‹Maleficent›...» – «Altbekannte Stoffe verdrehen zu wollen, ­ist tückisch; ich weiss das, ich habe mich in Updates von Shakespeare versucht.»

So ist das mit Kenneth Branagh: Redet man mit dem 54-Jährigen aus Belfast, ­marineblauer Zwirn, gekonnt geknoteter Schal, fällt Shakespeare spätestens im zweiten Satz. Es spielt keine Rolle, ob man über sein Superheldenspektakel «Thor» spricht («eine Familiendynamik, wie sie auch ­Shakespeare interessiert hätte») oder eben über den neuen Disney-Film: «Sie können Erzählmuster von ‹King Lear› in ‹Cinderella› entdecken», erklärt Branagh und übt sich sogar in vergleichender Literaturwissenschaft: «In ‹King Lear› heisst es ‹have patience and endure›, in ‹Cinderella› ‹have courage and be kind›.» Wo Branagh draufsteht, ist Shakespeare drin.

Er erzählt, wie das kam. «Vor 25 Jahren inszenierte ich ‹Henry V›, weil ein genauso weltfremder Mann wie ich, ein Produzent, sagte: ‹Ja, in Ordnung, du hast noch ­?nie einen Film gemacht, du solltest Shakespeare adaptieren.›» Branagh lacht: «Selig sind die Unwissenden!» Seither hat er sich durch die Werkliste gearbeitet: «Much Ado About Nothing» (1993), «Othello» (1995), «Hamlet» (1996), «Love’s Labour’s Lost» (2000), «As You Like It» (2006).

Bei Aschenputtel mag King Lear durchscheinen, ansonsten aber hat sich ­Branagh zurückgehalten, mit Shakespeare und überhaupt: «‹Lass das Märchen es selbst sein›, sagte ich mir: ‹Nimm das ganze Gerümpel weg, das sich über die Jahre in dem Stoff angestaut hat.›» So ist eine schlanke, bonbonfarbige Adaption gelungen mit der Hauptattraktion Cate Blanchett: Als böse Stiefmutter läuft sie in tollen Kostümen durch den Film, verbannt Aschenputtel (Lily James, die Lady Rose aus «Downton Abbey») auf den Dachboden und verbietet ihr, zum Ball zu gehen, wo der Prinz ­(Richard Madden) wartet. Gegenüber der gezeichneten «Cinderella» von 1950 hat Branagh nur die nötigsten Aufpeppungen vorgenommen: «Darin ging es um eine junge Frau, die von einem Prinzen gerettet werden will, und es interessiert sie nur der Status. Unsere Version ist nicht so sexistisch.»

Erstellt: 11.03.2015, 13:01 Uhr

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