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Actionheldin Charlize TheronSie haut drauf wie keine

Liebeserklärung an eine Schauspielerin, die vor 15 Jahren den Oscar gewann – und seither immer besser wurde. Auch in ihrem neuen Film «The Old Guard» glänzt sie wieder.

Sie prügeln gegen- und miteinander: Charlize Theron und KiKi Layne in «The Old Guard».
Sie prügeln gegen- und miteinander: Charlize Theron und KiKi Layne in «The Old Guard».
Foto: Netflix

Und dann schlägt sie wieder zu. Sie kämpft mit den Fäusten, mit der Maschinenpistole und in diesem speziellen Fall auch mit einer jahrhundertealten Streitaxt. Das ist nicht nur überaus effektiv. Es sieht in seiner ballettartigen Brillanz auch verdammt gut aus. Ich mag Charlize Theron, wenn sie draufhaut.

Die Liebe zu ihr begann allerdings mit einer Zurückweisung: Im Februar 2004 hatte ich eine Interviewverabredung mit ihr. Sie war damals eine für ihre Schönheit bekannte Schauspielerin aus Südafrika, zu sehen an der Seite von Al Pacino («The Devil’s Advocate») und Johnny Depp («The Astronaut’s Wife»). Immer wieder agierte sie als «die Frau an der Seite von». Aber jetzt hatte sie eine eigene grosse Hauptrolle, in «Monster», wo sie eine mordende Prostituierte mit entstelltem Gesicht spielte. Dafür sollte sie später den Oscar bekommen.

Ja, auch das ist Charlize Theron: Die Schauspielerin 2003 in ihrer Oscarrolle in «Monster».
Ja, auch das ist Charlize Theron: Die Schauspielerin 2003 in ihrer Oscarrolle in «Monster».
Alamy Stock Photo

Ich wartete also, in einer Berliner Hotellobby, doch niemand holte mich ab für das Gespräch. Als ich reklamierte, sagte die Agentin: «Aber Matthias, Sie haben Ihr Interview doch längst gehabt!» Eine Verwechslung, und es brauchte einiges an Insistieren, damit ich doch noch für ein paar Minuten vorgelassen wurde. Die genügten. Sie sprach so gescheit über den Film, den sie selber mitproduziert hatte, über das, was sie in ihrer Karriere noch erreichen wollte, dass ich hin und weg war. Dann kam «Aeon Flux».

«Aeon Flux» ist ein lächerlich überkandidelter Science-Fiction-Film, in dem Charlize Theron eine Art Widerstandskämpferin in einer von einem Kartell beherrschten Stadt spielt (der Rest der Menschheit ist von einer – huch! – Seuche dahingerafft worden). Die Geschichte ist zum Vergessen, aber die Hauptdarstellerin konnte dem Pathos der Handlung mit körperbetonten Kampfszenen etwas Handfestes entgegensetzen. Das war das Beste am Film.

Seither gibt es für mich sozusagen eine doppelte Charlize. Diejenige, die in ernsthaften Dramen spielt, wie zuletzt in «Bombshell», wo der Sexismus in den Medien angeprangert wird. Und diejenige, die sich durch archaische Geschichten prügelt wie «Atomic Blonde», wo sie als Agentin so heftig zuschlägt, dass sie zwischendurch ein Bad in einer mit Eiswürfeln gefüllten Wanne nehmen muss. Von ihrem Wüstenauftritt als Furiosa in «Mad Max: Fury Road» ganz zu schweigen.

In der vierten – und besten – Folge von George Millers «Mad Max»-Kinoserie spielte Charlize Theron die Kämpferin Furiosa.
In der vierten – und besten – Folge von George Millers «Mad Max»-Kinoserie spielte Charlize Theron die Kämpferin Furiosa.
Alamy Stock Photo

Auf dieser Linie läuft auch der Film mit der Streitaxt, der wenige Tage nach der Aufnahme bereits zu den erfolgreichsten auf Netflix gehört. Charlize Theron hat in «The Old Guard» eine so antike Waffe, weil sie seit Jahrhunderten gegen das Böse kämpft. In der Comicverfilmung geht es nämlich um einen Trupp von Menschen, denen der Tod nichts anhaben kann: Erschossen, zerstochen, ertrunken – sie stehen immer wieder auf.

Anders als die Hollywood-Konfektionsware

Aussergewöhnlich beim Actionfilm ist aber auch sonst einiges – Theron war auch hier Produzentin: Der Belgier Matthias Schoenaerts («Bullhead») kämpft an ihrer Seite. Die zweitwichtigste Actionheldin wird von KiKi Layne verkörpert, die zuvor erst im Oscar-Melodrama «Moonlight» in einer sehr sanften Rolle aufgefallen war. Ausserdem gibt es im Kampftrupp wie selbstverständlich ein schwules Paar. Regie führte mit Gina Prince-Bythewood eine Frau, die bisher alles andere als Actionfilme drehte. Das sind sehr spezielle Entscheide, jenseits von Hollywood.

Natürlich würde ich darüber gerne mit Charlize Theron sprechen. Vor nicht allzu langer Zeit hatte ich wieder eine Verabredung, in Cannes, wo sie unter der Regie ihres damaligen Lebenspartners Sean Penn spielte. Aber der Film namens «The Last Face» fiel so heftig durch, dass die Interviews abgesagt wurden.

Egal. Mir genügt ein Rendez-vous wie jetzt in «The Old Guard», um die Liebe am Leben zu erhalten.

«The Old Guard»: auf Netflix