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Bierfeste im TestSieben Alternativen zum Oktoberfest

Kein Grund für Langeweile im Freistaat: Sieben Top-Adressen in kleinen und grossen Städten versprechen bayerisches Lebensgefühl.

Das Oktoberfest in München fällt 2020 zwar aus, aber im Bieramt in Nürnberg heisst es das ganze Jahr «O zapft is».
Das Oktoberfest in München fällt 2020 zwar aus, aber im Bieramt in Nürnberg heisst es das ganze Jahr «O zapft is».
Foto: www.bayern.by

München: Caspar Plautz auf dem Viktualienmarkt

Der Kartoffelstand und Imbiss Caspar Plautz am Münchner Viktualienmarkt bietet nicht weniger als 20 Kartoffelsorten feil.
Der Kartoffelstand und Imbiss Caspar Plautz am Münchner Viktualienmarkt bietet nicht weniger als 20 Kartoffelsorten feil.
Foto: www.bayern.by

Golden sind die meisten Produkte von Theo Lindinger immer noch, nur nicht mehr hochkarätig. Der gelernte Goldschmied schloss sich vor einigen Jahren mit dem Ex-Projektmanager Dominik Klier zusammen und eröffnete auf dem Münchner Viktualienmarkt den Kartoffelstand Caspar Plautz. Das Duo bietet 20 Kartoffelsorten feil, fast alle stammen aus der Region. Kurze Lieferwege und nachhaltiges Handeln sind den Jungunternehmern wichtig. Mit dem Stand verjüngen die beiden das Gesicht eines der bekanntesten Plätze Münchens. «Wir interpretieren ein traditionelles Geschäft mit einem alteingesessenen Lebensmittel neu», so Lindinger. Mittags tischen sie im dazugehörigen Imbiss Gerichte auf, die nicht weiter weg sein könnten von Haxn oder Leberkas. Kostprobe gefällig? Wie wäre es mit einer heissen Kartoffel, serviert mit selbst gemachtem Hummus, Tahin-Sesam-Sauce und Pesto mit Nelken und Koriander?

www.casparplautz.de

Anzing: «Diese Elli»

Barbara Stadler führt in Anzing unter dem Label «Diese Ellie» die erste «Wirtshaus-Boutique» Bayerns.
Barbara Stadler führt in Anzing unter dem Label «Diese Ellie» die erste «Wirtshaus-Boutique» Bayerns.
Foto: www.bayern.by

Guten Geschmack beweist die 32-jährige Barbara Stadler gleich in zweifacher Hinsicht: In Anzing im Landkreis Ebersberg führt die gebürtige Münchnerin die erste «Wirtshaus-Boutique» Bayerns. Während in der Küche des Gasthofs Zum Kirchenwirt Schweinebraten mit Kartoffelknödel zubereitet werden, warten im angrenzenden Wirtsladen Kreationen für den bayrischen Lifestyle. Stadler präsentiert unter dem Label «Diese Elli» die Kombination aus feinen Speisen und ebensolchen Kleidern. Der Name ist Referenz an die TV-Kultserie «Monaco Franze». Im Zentrum steht moderne Trachtenmode. «Wir wollten eine Alternative zum Dirndl schaffen, eine Lifestyle-Tracht», sagt Stadler, welche Röcke, Jacken, Schärpen und Tücher gemeinsam mit ihrer Mutter entwirft. Geschneidert werden die Stücke in kleinen Manufakturen in Bayern.

www.diese-elli.de

Regensburg: Besondere Street-Art

«Miss Regensburg» von Andre Maier ziert eine Hauswand des Hotels Münchener Hof.
«Miss Regensburg» von Andre Maier ziert eine Hauswand des Hotels Münchener Hof.
Foto: www.bayern.by

Die historische Altstadt von Regensburg ist Unesco-Welterbe, die lange Geschichte spiegelt sich in frühgotischen Wohnhäusern mit Zinnendächern, Erkern und pastellfarbenen Fassaden wider. Den Häusern noch mehr Profil zu verleihen – dies hat sich Andre Maier auf die Fahnen bzw. Mauern geschrieben. Der gebürtige Weissrusse, der Regensburg zu seiner Wahlheimat erkor, ist spezialisiert auf Mural-Art. «Regensburg ist eine der schönsten Städte der Welt», findet Maier, «trotzdem möchte ich sie noch ein bisschen schöner machen». Bei seiner Wandkunst, die er im Auftrag von städtischen Institutionen in Passagen und Hinterhöfen an die Häuserwände malt, handelt es sich nicht um Graffiti. Die Bilder entstehen mit Farbe und Pinsel. Highlight – im wahrsten Sinne des Wortes: Im Innenhof des Hotels Münchner Hof ziert eine Frau in mittelalterlicher Rüstung und mit Schosshund eine Hauswand – fünf Stockwerke hoch.

www.bayern.by/kreativ/andre-maier-kunst-regensburg

Riedenburg: Brauhaus mit Pfiff

Im Riedenburger Brauhaus werden nebst Gerste und Weizen auch Urgetreide wie Emmer und Dinkel verarbeitet.
Im Riedenburger Brauhaus werden nebst Gerste und Weizen auch Urgetreide wie Emmer und Dinkel verarbeitet.
Foto: www.bayern.by

Neue Wege eingeschlagen hat das Riedenburger Brauhaus in Niederbayern bereits in den 80er-Jahren. Damals stellte das Familienunternehmen auf Biobier um, dessen Zutaten von den Landwirten aus dem Altmühltal stammten. Neben Gerste und Weizen kommen Urgetreide wie Einkorn, Emmer und Dinkel zum Einsatz. Maximilian Krieger gehört zur fünften Generation der Bierbrauerfamilie und geht noch einen Schritt weiter: Er setzt auf Craft-Beer. «Dieses Bier zu brauen, erinnert an das Weinkeltern», meint Krieger, der nach seiner Ausbildung zum Brauer und Mälzer in Italien als Braumeister arbeitete, wo er zusammen mit der Brooklyn Brewery neue Biersorten entwickelte. Sein Innovationstalent bringt er jetzt in der Heimat ein, wo ein Hauch des Big Apple durch Riedenburg weht bzw. aus den Zapfhähnen fliesst.

www.riedenburger.de

Nürnberg: Raritäten im Bieramt

Das Bieramt ist eine der urigsten Kneipen in der Nürnberger Altstadt, ausgeschenkt werden ausschliessllich Biere aus Franken.
Das Bieramt ist eine der urigsten Kneipen in der Nürnberger Altstadt, ausgeschenkt werden ausschliessllich Biere aus Franken.
Foto: www.bayern.by

«O zapft is» heisst es im Bieramt in Nürnberg das ganze Jahr über. Kein Wunder, Franken hat mit 300 Brauereien die höchste Brauereidichte der Welt. Eine der urigsten Kneipen, in denen das Hopfengetränk ausgeschenkt wird, gehört Boris Braun. 2008 eröffnete er in einer ehemaligen Fuhrmannstube auf dem historischen Nürnberger Tiergärtnertorplatz das Bieramt. Unterhalb der Burg, in direkter Nachbarschaft zum Albrecht-Dürer-Haus und mit Blick auf die historische Stadtmauer. Ebenfalls bemerkenswert: Braun bietet ausschliesslich Biere aus Franken an, 20 Sorten stehen auf der Karte – etwa Huppendorfer Zwickel oder Schanzenbräu. «Wir wollen den kleinen, unbekannten Brauereien eine Plattform bieten. Einheitsbrei gibt es genug», findet der Kneipenwirt. Mit der Eröffnung des Bieramts hat auch die Wiederbelebung eines der schönsten Plätze Nürnbergs stattgefunden – eine Win-win-Situation für alle.

www.cafe-wanderer.de/bieramt

Augsburg: Soziale Fuggerei

In den pittoresken Reihenäusern der Fuggerei beträgt die Jahreskaltmiete 88 Cent – plus Nebenkosten.
In den pittoresken Reihenäusern der Fuggerei beträgt die Jahreskaltmiete 88 Cent – plus Nebenkosten.
Foto: www.bayern.by

Nächstenliebe wurde gerade in den vergangenen Wochen und Monaten grossgeschrieben. In Augsburg ist sie schon von jeher fest in der Geschichte der Stadt verankert. Hier befindet sich die älteste Sozialsiedlung der Welt. Seit 500 Jahren leben in der Fuggerei Bürger katholischen Glaubens, die unverschuldet in Not geraten sind. Gegründet wurde die Stiftung einst vom Kaufmann und Bankier Jakob Fugger, dem berühmtesten Sohn der Stadt. Heute ist Wolf-Dietrich Graf von Hundt der Verwalter. «An Orten wie der Fuggerei können Sie Augsburg wirklich verstehen», sagt von Hundt und verweist auf den Gemeinschaftssinn. Gerade einmal 88 Cent beträgt die Jahreskaltmiete – plus Nebenkosten. Auch Besucher können sich an den pittoresken Reihenhäuschen mit den roten Ziegeldächern und Giebeln erfreuen, den drei Museen und Gässchen. Schauspieler Heinz Schulan verkörpert bei einer Stadtführung Jakob Fugger, im historischen Kostüm, Ehrensache.

www.fugger.de

Nördlingen: Meyers besonderer Keller

Von der ehemaligen Brauerei in ein Gourmetlokal verwandelt: Meyers Keller.
Von der ehemaligen Brauerei in ein Gourmetlokal verwandelt: Meyers Keller.
www.bayern.by

Diese Metarmophose kann sich sehen bzw. schmecken lassen: Nachdem Jockl Kaiser und seine Frau Evelin das Lokal Meyers Keller 1984 übernommen hatten, verwandelte sich die ehemalige Brauerei zu einem Gourmetrestaurant, an das ein Wirtshaus und Biergarten angeschlossen sind. «Wir bieten hochwertige Gourmet- wie auch Regionalküche an, haben die Biergartenküche von der Karte verbannt und den Aussenbereich von 360 Plätzen auf 70 Sitzplätze verkleinert», sagt Kaiser, der Regionalklassiker wie Maultaschen oder Krautwickel modern interpretiert und mit feinsten Aromen veredelt. Bis zum ersten «Michelin»-Stern verging jedoch ein Vierteljahrhundert. Als Namensgeber für das Restaurant diente übrigens der alte Eiskeller unter dem Garten. Linden und Kastanien sorgten für Schatten und eine konstante Temperatur von zwölf Grad Celsius.

www.jockl-kaiser.de

Weitere Tipps: www.bayern.by

Das Extra «Deutschland neu entdecken» entstand in Zusammenarbeit mit der Deutschen Zentrale für Tourismus. Die redaktionelle Verantwortung liegt bei der SonntagsZeitung.