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Pikante DetailsSo lief die Entlassung der Sion-Spieler ab

Per Whatsapp wurden neun Super-League-Spieler informiert, dass ihnen gekündigt wird. Johan Djourou ist einer davon und ist «schockiert».

Sion-Präsident Christian Constantin greift in Zeiten der Coronakrise zu drastischen Massnahmen: Er kündigt mehreren Spielern fristlos.
Sion-Präsident Christian Constantin greift in Zeiten der Coronakrise zu drastischen Massnahmen: Er kündigt mehreren Spielern fristlos.
Keystone/Salvatore di Nolfi
Dazu gehören Mittelfeldspieler Pajtim Kasami ...
Dazu gehören Mittelfeldspieler Pajtim Kasami ...
Keystone/Salvatore di Nolfi
und Birama Ndyoe.
und Birama Ndyoe.
Keystone/Gian Ehrenzeller
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In einer Whatsapp-Nachricht werden die Spieler des FC Sion vor die Wahl gestellt: weniger Lohn oder Kündigung. Es ist der Morgen des 18. März, die Folgen der Coronavirus-Pandemie werden für den Schweizer Fussball immer wie offensichtlicher und Sion-Präsident Christian Constantin will handeln. Nun veröffentlichte der «Blick» Details, wie die Aktion, die in der fristlosen Entlassung von neun Spielern endete, abgelaufen ist.

Zuerst erhielten alle Sion-Spieler dieselbe Nachricht mit Informationen zum Vorschlag des Clubs, Kurzarbeit einzuführen. Die Konsequenzen davon sind, dass die Spieler noch «80 Prozent ihres obligatorischen Salärs, das auf 12 530 Franken plafoniert ist», erhalten. Weiter stand: «Um die notwen­digen Vorkehrungen möglichst schnell vornehmen zu können, laden wir Sie dazu ein, das untenstehende Antwortformular bis Mittwoch, 18. März, 12 Uhr zu retournieren.» Unter dem Formular hatte es zwei Felder. Eines davon sollten die Spieler ankreuzen. Entweder: «Ich akzeptiere den Vorschlag.» Oder: «Ich akzeptiere den Vorschlag nicht.»

Niemand akzeptiert den Vorschlag

Die Spieler um Captain Xavier Kouassi organisierten sich sofort in einer Whatsapp-Gruppe und diskutierten mit ihren Beratern das weitere Vorgehen. Sie entschlossen sich, allesamt den Vorschlag nicht zu akzeptieren und dieses Feld anzukreuzen, um sich mehr Zeit zu verschaffen. Nach Ablauf der Frist folgte der Nackenschlag: Neun Spieler erhielten erneut eine Whatsapp-Nachricht – sie wurden fristlos entlassen. Constantins Erklärung dafür war höhere Gewalt: «Wir sind all unserer Einkommen beraubt. Es ist uns untersagt, Ihnen Ihre Arbeitsleistung anzubieten, und es ist Ihnen untersagt, Ihre Leistung zu erbringen.»

Die Einschüchterungstaktik funktionierte, die anderen Spieler kreuzten nun an, mit der Kurzarbeit einverstanden zu sein und verschickten das Antwortformular nochmals. Bei der Selektion der entlassenen Spieler galten für den 63-jährigen Constantin die Kriterien Alter und Vertragslänge. Weiter erklärt er gegenüber dem «Blick»: «Ich habe bewusst neun Spieler herausgepickt, weil die Entlassung von zehn Angestellten als Massenentlassung gilt, was spezielle und komplizierter Prozedere erfordert.»

Djourou findet es «inakzeptabel»

Einer der entlassenen Spielern ist Johan Djourou. Bei France Television äussert sich der 76-fache Schweizer Nationalspieler zu den Vorkommnissen. Er erklärt, weshalb alle Spieler sich weigerten, den Vorschlag zu akzeptieren: «Wir waren alle im Unklaren und wussten nicht genau, was das Papier bedeutete. Wir wollten Erklärungen, einen Telefonanruf des Präsidenten oder des Sportchefs.» Der 33-Jährige und die anderen entlassenen Fussballer wurden von Constantin als «Dummköpfe» bezeichnet. Djourou sagt: «Ich bin enttäuscht. Und ich bin schockiert, wie über die Spieler und ihr vermeintliches Verhalten berichtet wird. Es ist nicht wahr.»

Man darf gespannt sein, wie es weitergeht. Fakt ist: Die nächsten Neuigkeiten aus Sion werden bald folgen. So wollen einige der entlassenen Spieler juristisch gegen Constantin vorgehen.

Dritte Halbzeit – der Tamedia Fussball-Podcast

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