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Gastbeitrag zur StrompolitikSo schafft die Schweiz
die Energiewende

Investitionen in erneuerbare Energien müssen sich lohnen. Die Politik hat es in der Hand, dafür zu sorgen.

Unverzichtbar für die Energiewende: Der Ausbau und Erhalt der Wasserkraftwerke. Hier der Stausee Mauvoisin.
Unverzichtbar für die Energiewende: Der Ausbau und Erhalt der Wasserkraftwerke. Hier der Stausee Mauvoisin.
Foto: zvg

Die Axpo hat ihre Position als grösste Schweizer Produzentin von erneuerbaren Energien in den letzten Jahren ausgebaut. Allerdings vor allem im Ausland, denn mit den herrschenden ökonomischen und regulatorischen Rahmenbedingungen ist ein Grossausbau in der Schweiz nicht möglich.

Der Strombedarf wird sich stark erhöhen, wenn der Verkehrs- und der Gebäudesektor ihren CO2-Ausstoss vermindern. Gleichzeitig fällt mittelfristig die Kernkraft, also gut ein Drittel der Stromproduktion, weg.

Die zentrale Bedeutung von Strom wird vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz eindrücklich dokumentiert: Es stuft einen möglichen Strommangel als grösstes Risiko ein.

Wie also schaffen wir die Energiewende? Die Lösung liegt im massiven Ausbau von neuen erneuerbaren Energien sowie dem Ausbau und vor allem dem Erhalt der Wasserkraft. Doch die Schweiz kommt kaum voran: Bei heutigem Tempo dauert es gemäss der Elektrizitätskommission 100 Jahre, bis allein die Kernkraft ersetzt ist.

Die notwendigen Anlagen bedingen Investitionen in der Höhe von vielen Milliarden Franken und mit einem Horizont von Jahrzehnten. Diesen Kosten steht eine höchst ungewisse Entwicklung des Strompreises gegenüber.

Auf diesen haben Stromproduzenten keinen Einfluss. Er wird in Europa gemacht und ist stark politisch geprägt. Hinzu kommen in der Schweiz lange Bewilligungsverfahren und ein ausgeprägter Widerstand aus Teilen der Bevölkerung gegen neue Anlagen. Kurz, solche Anlagen sind wirtschaftlich hochriskant.

Unseren Eigentümern – den Kantonen und ihren Bevölkerungen – dürfen wir keine Millionenverluste zumuten.

Kann man von uns Stromproduzenten erwarten, dieses Risiko ohne Weiteres zu tragen? Das mag zwar im Monopol mit regulierten Preisen und gesicherten Renditen möglich gewesen sein. Aber die Axpo ist schon lange nicht mehr im Monopol.

Wir verdienen praktisch jeden Franken im Markt. Unseren Eigentümern – den Kantonen und ihren Bevölkerungen – dürfen wir keine Millionenverluste zumuten. Aber wir können im Ausland in grössere Anlagen mit höherer Stromproduktion, besserer CO2-Bilanz und überhaupt einer Rentabilität investieren.

Viele europäische Staaten haben die Bedürfnisse der Investoren erkannt und ihre Regeln angepasst. Erprobt und weit verbreitet ist die gleitende Marktprämie. Dabei garantiert der Staat dem günstigsten Betreiber während 15 bis 20 Jahren einen Fixpreis pro produzierter Megawattstunde. Fördergeld fliesst nur, wenn der Marktpreis darunterliegt. Das macht dieses Instrument viel effizienter als etwa Investitionsbeiträge, die in jedem Fall fliessen. Auch in der Schweiz muss die Politik ein solches Instrument diskutieren.

Erste Wasserkraftwerke wurden schon geschlossen. Hier muss die Politik Gegensteuer geben.

Neben dem Zubau von neuen erneuerbaren Energien kommt der Wasserkraft eine zentrale Rolle zu. Gemäss Bundesrat soll sie sogar noch ausgebaut werden. Die Realität ist aber leider eine andere. Die europaweit mit Abstand höchsten Abgaben, ständig verschärfte ökologische Auflagen und höchst ungewisse Zukunftsaussichten führen dazu, dass sich der Bestand abbaut und notwendige Investitionen ausbleiben.

Erste Werke, wie etwa das Kraftwerk Öderlin im Aargau, wurden schon geschlossen. Hier muss die Politik dringend Gegensteuer geben, und zwar mit einer substanziellen Reduktion der Wasserzinsen, vernünftiger Umsetzung von Umweltbestimmungen oder einer Risikogarantie, die marktgerechte Anreize für Investitionen setzt.

Schliesslich darf auch die Winterlücke nicht vergessen gehen. Sonnenkraftwerke liefern im Winter – wenn der Bedarf am grössten ist – weit weniger Strom als im Sommer. Technisch ist das Problem in der Theorie und unter Annahme von weiteren Entwicklungsfortschritten lösbar. Aber auch politisch und ökonomisch muss die Winterproduktion machbar sein – und das ist, Stand heute, nicht im Ansatz gegeben.

Das Anerkennen all dieser Fakten ist der erste Schritt hin zu einer Lösung. Axpo wird nach Kräften mithelfen, diese Lösung zu erarbeiten und umzusetzen.

37 Kommentare
    Andreas Molnar

    Die Schweizer Stromproduzenten schaffen vor allem Anlagen im Ausland. Das macht uns abhängig. Also von wegen so schaffen wir es eben nicht.