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Kanton zahlt AusfälleSo werden Eltern bei den Kita-Kosten entlastet

Kindertagesstätten und Tagesfamilien erhalten in der Corona-Zeit nun Entschädigungen von Kanton und Gemeinden. Davon können auch Eltern profitieren.

Der Kanton unterstützt die Kindertagesstätten nun doch. Er will sicherstellen, dass sie auch nach der Corona-Pandemie noch weiterbestehen.
Der Kanton unterstützt die Kindertagesstätten nun doch. Er will sicherstellen, dass sie auch nach der Corona-Pandemie noch weiterbestehen.
Foto: Christian Beutler (Keystone)

Wieso will der Regierungsrat Kitas und Tagesfamilien unterstützen?

Kitas und Tagesfamilien haben das Problem, dass viele Eltern die ausserfamiliären Betreuungsangebote nicht mehr oder nur noch teilweise nutzen. Die Zürcher Regierung will nun sicherstellen, dass diese Angebote nach der Corona-Pandemie weiterexistieren, wie sie am Donnerstag mitteilt. Die rund 20’000 Betreuungsplätze in den Kitas im Kanton Zürich sind seit Mitte März durchschnittlich nur noch zu 30 Prozent ausgelastet, die rund 400 Plätze in Tagesfamilien noch etwa zur Hälfte. Die finanziellen Ausfälle werden nun von Kanton und Gemeinden zu mindestens 80 Prozent übernommen – je zur Hälfte. Gemeinden können freiwillig mehr Ausgleich leisten. Das macht die Stadt Zürich bereits, die die Schäden zu 100 Prozent übernimmt. Die neue Regelung gilt rückwirkend auf den 16. März.

Eine Familie hat die Rechnung für die Kita bereits bezahlt. Erhält sie das Geld zurück?

Darüber entscheidet die Kita. Eine Familie kann sich mit ihr darauf einigen, dass bereits bezahlte Elternbeiträge zurückerstattet werden. Dann gelten diese ebenfalls als Ausfall und werden der Kita zu 80 Prozent entschädigt.

Was ist mit den Geldern, die die Stadt schon an Kitas bezahlt hat? Erhält sie trotzdem Unterstützung vom Kanton?

Ja. Die Stadt kann beim Kanton ein Gesuch einreichen, damit dieser die Beiträge zu 40 Prozent übernimmt. So, wie der Regierungsrat das versprochen hat. Die Stadt führt rund die Hälfte aller Angebote für ausserfamiliäre Kinderbetreuung im Kanton.

Die Hälfte der Kosten müssen die Gemeinden tragen. Was halten diese davon?

Sie begrüssen es, dass sich der Kanton nun an einer Lösung beteiligt. «Es war in letzter Zeit unsicher, ob der Kanton Beiträge für Kindertagesstätten und Tagesfamilien sprechen wird, nachdem der Bundesrat auf nationaler Ebene eine Kehrtwende vollzog und sich gegen eine Hilfe in diesem Bereich ausgesprochen hat», sagt Jörg Kündig (FDP), Vorsteher des Gemeindepräsidentenverbandes. Er hofft auf weitere Unterstützung vom Bund. Auf nationaler Ebene seien Kommissionsvorstösse von Nationalrat und Ständerat dazu eingereicht worden.

Sind die Gemeinden verpflichtet mitzumachen?

Ja, der Regierungsrat verpflichtet sie dazu. Die Gemeinden sind im Kanton Zürich für die Krippen zuständig, folglich auch für die Abwicklung: Die Kitas und die Tagesfamilien müssen ihre Gesuche an ihre Gemeinde schicken. Diese überprüfen sie, sie berechnen die Ausfallentschädigung und zahlen diese aus. Der Kanton gibt dazu Regelungen vor, damit alle Kitas und Tagesfamilien gleich vom Hilfspaket profitieren. Die Grundlagen dazu werden laut André Woodtli vom Amt für Jugend und Berufsberatung momentan erarbeitet.

Wie viel kostet die Hilfe für die Kitas und die Tagesfamilien?

Der Kanton Zürich muss dafür gemäss Medienmitteilung monatlich maximal 13 Millionen Franken bezahlen.

Geht der Regierungsrat den Parteien genügend weit?

Die SP des Kantons Zürich hat in diesen Tagen eine Motion eingereicht, in der sie eine kostenlose ausserfamiliäre Betreuung für alle Kinder bis zum Kindergarten fordert. Dies soll die Chancengleichheit fördern und eine echte Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglichen, schreiben Markus Späth-Walker, Rosmarie Joss und Monika Wicki. Bei ihrem Modell übernimmt der Staat die Infrastruktur- und Personalkosten – die Eltern hätten nur Beiträge für die Verpflegung der Kinder zu leisten. Die FDP des Kantons Zürich fordert, dass die Kitas am 11. Mai ihren Betrieb wieder regulär aufnehmen. «Damit Arbeit, Schule und Familie wieder einigermassen normal unter einen Hut gebracht werden können, ist es zwingend, dass die Kinder ab diesem Datum wieder in gewohnter Weise in den Kindertagesstätten betreut werden», schreibt sie in einer Pressemitteilung. Die FDP verspricht sich damit auch finanzielle Planungssicherheit für die Kitas.