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Corona-KriseSo will die Fifa das Transfer-Chaos lösen

Am 30. Juni enden im Profifussball hunderte von Spielerverträgen, doch bis dahin werden die meisten Meisterschaften wohl noch nicht beendet sein. Nun greift der Weltverband in die Trickkiste.

Nur Ruhe bewahren: Fifa-Präsident Gianni Infantino scheint alles unter Kontrolle zu haben.
Nur Ruhe bewahren: Fifa-Präsident Gianni Infantino scheint alles unter Kontrolle zu haben.
Urs Jaudas

Die Auswirkungen der Corona-Krise schütteln den Weltfussball seit Wochen durch. Fast alle Profiligen ruhen, die Europameisterschaft 2020 wurde auf 2021 verschoben, und etlichen Clubs droht der finanzielle Kollaps. Eines der grössten noch ungelösten Probleme ist der 30. Juni. Der Tag also, an dem hunderte Spielerverträge offiziell enden werden. Normalerweise sind zu diesem Zeitpunkt Meister und Absteiger gekürt, die Spieler geniessen am Strand die wohlverdienten Ferien und im Hintergrund weibeln die Spielerberater, auf der Suche nach dem lukrativsten Angebot.

Doch in dieser Saison ist alles anders. Werden die Meisterschaften im Profifussball tatsächlich noch fertig gespielt, könnten sich diese bis in den Spätsommer hinziehen, weit über den 30. Juni hinaus. Auch in der Schweiz scheint ein fristgerechtes Saisonende unrealistisch. Der Betrieb soll, Stand heute, am 30. April wieder aufgenommen werden, und das bei 13 ausstehenden Runden. Was passiert also mit den Spielern, deren Verträge auslaufen, wenn die Meisterschaft noch im vollen Gang ist?

Aus «Ende Juni» wird «Ende Saison»

Laut der englischen «Times» hat der Weltverband Fifa bereits eine Lösung parat, niedergeschrieben in einem nicht offiziell veröffentlichten Papier. Demnach sollen bis anhin geltende Regeln zum Ablauf von Verträgen einmalig angepasst werden: Aus «Ende Juni» wird schlicht «Ende Saison». Somit würden die Arbeitspapier erst dann auslaufen, wenn die Saison im jeweiligen Land fertig gespielt worden ist. Zusätzlich soll eine Verlängerung des internationalen Transferfensters bis höchstens 16 Wochen diskutiert werden, was den Vereinen zusätzlich Luft für die Zukunftsplanung gibt. Die Fifa begründet diese Regeln, falls sie denn zum tragen kommen, mit «höherer Gewalt». Und weiter heisst es: «Es sind noch nie dagewesene Zeiten für den Fussball.»

So einfach die Regelanpassung klingt, so schwierig könnte deren Umsetzung werden – es wäre wohl mit unzähligen Protesten zu rechnen. Von Spielern, die ab dem 1. Juli bei einem neuen Club unter Vertrag gestanden wären und dort von besseren Konditionen profitiert hätten. Aber auch von den Vereinen, die die entsprechenden Löhne von Profis nur bis Ende Juni zahlen möchten. Die Fifa sieht sich also einigen Problemen gegenübergestellt. «Der Weltverband wird so schnell wie möglich handeln und möglicherweise Vereinswechsel zunächst verbieten müssen», sagt etwa der deutsche Arbeitsrecht-Spezialist Johan-Michel Menke.

So einfach die Regelanpassung klingt, so schwierig könnte deren Umsetzung werden.

Alleine in der Schweizer Super League enden am 30. Juni 86 Verträge. Am meisten betroffen von diesem Dilemma ist Neuchâtel Xamax. Bei den Westschweizern stehen 17 Spieler vor dem Abgang, unter anderem auch Torgarant Raphaël Nuzzolo. Beim FC Basel läuft beispielsweise der Vertrag von Stürmer Ricky van Wolfswinkel aus, beim FC Zürich derjenige von Verteidiger Pa Modou. Und bei den Young Boys ist die Zukunft der Teamleader Miralem Sulejmani und Guillaume Hoarau ungewiss. Auch die Clubs im Schweizer Fussball drängen also auf Lösungen von den Verbänden.

Doch vieles ist noch ungewiss, allen voran ob und wann die Meisterschaften wieder ihren Betrieb aufnehmen. Und dann natürlich, wie lange die Saison 2019/20 im Weltfussball tatsächlich dauern würde. Laut mehreren Experten und Medien sei es gut möglich, dass in den grössten Ligen erst Mitte August fertig gespielt ist. Ein flexibles Vertragsende der Profispieler scheint also unausweichlich zu sein, sonst droht das Chaos noch viele Monate weiterzugehen. Fifa-Präsident Gianni Infantino sagt: «Es braucht harte Massnahmen. Aber wir haben keine Wahl. Wir müssen alle Opfer bringen.»