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Geldblog: Brachliegendes KapitalSoll ich meine 394’000 Franken investieren?

Wer sehr hohe liquide Mittel hat, sollte erst alle Finanzaspekte beim Anlageentscheid mitberücksichtigen. Tipps unseres Geldexperten.

Perfektes Timing ist fast nicht möglich: Eine Staffelung ermöglicht daher eher einen guten Durchschnittskaufkurs.
Perfektes Timing ist fast nicht möglich: Eine Staffelung ermöglicht daher eher einen guten Durchschnittskaufkurs.
Illustration: Christina Baeriswyl

Ich habe 394’000 Franken auf mehreren Banken und Konten in Cash und ohne Ertrag, bereits rund 55’000 Franken in Aktien und besitze mit meinem Partner zwei Eigentumswohnungen mit je einer Hypothek. Meine Raiffeisenbank schlägt mir vor, während elf Monaten je 5000 Franken in ihren Fondssparplan zu investieren. Würden Sie diese Anlage tätigen? Würden Sie gestaffelt oder auf einmal den Betrag investieren? Leserfrage von H.I.

Zunächst stelle ich fest, dass Sie sehr hohe liquide Mittel haben, die keinen oder nur einen mickrigen Ertrag abwerfen. Selbst wenn Sie wie von Ihrer Hausbank vorgeschlagen elfmal je 5000 Franken monatlich anlegen, sind abgesehen vom Kapital in den Eigentumswohnungen nur gerade total 110’000 Franken in Wertschriften angelegt. Selbst dann hätten Sie immer noch über 300’000 Franken in Cash und verzichten damit auf einiges an Rendite. Gemäss Ihren Unterlagen, die Sie mir mitgeschickt haben, würde das Geld über den Raiffeisen-Fondssparplan entweder in den Fonds Raffeisen Pension Invest Futura Balanced oder in den Raiffeisen Pension Invest Futura Growth fliessen.

Positiv finde ich, dass Sie gemäss dem Vorschlag gestaffelt anlegen würden. Indem Sie nicht gleich den ganzen Betrag investieren, sondern den Einstieg auf elf Monate verteilen, laufen Sie weniger Gefahr, dass Sie zu einem schlechten Zeitpunkt gekauft haben. Dank der Staffelung erreichen Sie eher einen guten Durchschnittskaufkurs. Das perfekte Timing für einen Einstieg findet man meistens ohnehin nicht oder nur mit viel Glück. Bei dem vorgeschlagenen Fonds Raiffeisen Pension Invest Futura handelt es sich um Strategiefonds, die breit diversifiziert weltweit in Aktien-, Obligationen- und Geldmarktanlagen investieren. Die Fonds werden aktiv gemanagt und die Investments erfolgen auf der Basis von ökologischen, sozialen und ethischen Kriterien. Sie würden also nachhaltig anlegen.

Gebühren nicht unterschützen

Die beiden zur Auswahl stehenden Fonds unterscheiden sich im Aktienanteil: Der Fonds mit der Strategie Balanced weist einen Aktienanteil von 30 bis 50 Prozent auf, jener mit der Strategie Growth einen solchen von 50 bis 80 Prozent. Bei Letzterem haben Sie dank des erhöhten Aktienanteils mehr Renditechancen, sind dafür aber höheren Kursschwankungen ausgesetzt. Da Sie einen langen Anlagehorizont von mehr als zehn Jahren und zudem viel liquide Mittel haben, würde ich eher die Variante mit dem höheren Aktienanteil wählen. Ein Nachteil finde ich, dass die Fonds nicht gerade günstig sind. Bei der Fondsvariante Balanced wird eine Gesamtkostenquote Total Expense Ratio TER von 1,1 Prozent und bei der Variante Growth eine TER von 1,21 Prozent aufgewiesen. Dies schmälert neben den übrigen Gebühren für den Fondssparplan Ihre Rendite und zwar jedes Jahr, was auf lange Sicht von zehn Jahren einiges ausmacht. Hier würde ich auch günstigere Alternativen prüfen.

Vorsorgesituation prüfen, Hypotheken reduzieren

Abgesehen von den Fonds frage ich mich, warum Sie mit den vielen liquiden Mitteln, die auf mehreren Konten brach liegen nicht einfach Ihre Hypotheken, die Sie zusammen mit Ihrem Partner haben, teilamortisieren. Selbst wenn Sie günstige Hypotheken auf Ihren Eigentumswohnungen haben, zahlen Sie der Bank dafür Zins. Dieser Zins ist höher als die Rendite, die Sie mit konservativen Anlagen im Frankensegment realisieren können. Zudem schreiben Sie mir, dass Sie für den Kauf der Eigentumswohnungen Geld aus Ihrer Pensionskasse bezogen haben. Daher frage ich mich, warum Sie dieses bezogene Geld nicht wieder zurückzahlen, da Sie dazu in der Lage wären? Auch hier würden Sie mehr Rendite erzielen als wenn das Geld einfach auf dem Konto liegt. Zudem würden Sie Ihre Vorsorge, die durch den PK-Vorbezug geschwächt wurde, wieder stärken.

Das Gleiche gilt bei einer Säule 3a, bei der Sie das Geld anlegen. Angesichts dieser Ausgangslage würde ich alle Finanzaspekte beim Anlageentscheid mitberücksichtigen und nicht nur über eine Fondsanlage nachdenken, sondern Ihre Vorsorgesituation detailliert prüfen und die vielen liquiden Mittel zumindest teilweise nutzen, um die Altersvorsorge zu verbessern und die Hypotheken, die Sie kosten, zu reduzieren.

14 Kommentare
    chacco

    200'000 in Kryptowährungen, aufgeteilt in BTC, ADA, DOT und ETH, 5 Jahre warten und das sind mehrere Millionen.

    Den Rest bei eine social Investment Plattform in nachweislich gute Trader investieren und da sollte nochmals eine beträchtliche Summe herauskommen.