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Suche nach einem neuen InvestorSoll Murdoch nun die Art Basel retten?

Offenbar ist der Messekonzern MCH so knapp bei Kasse, dass er sich nun dem rechtskonservativen Fox-Imperium an die Brust wirft. Und das mit dem Segen des links-grünen Basler Parlaments.

Die Art Basel musste wegen der Corona-Pandemie ihre Messe in diesem Jahr ausfallen lassen.
Die Art Basel musste wegen der Corona-Pandemie ihre Messe in diesem Jahr ausfallen lassen.
Foto: Nicole Pont

Wenn es stimmt, dann wäre das eine «Katastrophe», wie sich die ehemalige SP-Ständerätin Anita Fetz ausdrückt, als sie mit der Meldung konfrontiert wird. Im Auftrag seines Vaters Rupert Murdoch, den der «Spiegel» unlängst als «den gefährlichsten Mann der Welt» bezeichnete, will dessen Sohn James in die Art Basel investieren. Das Gerücht, das zuerst von der Zeitung «Finanz und Wirtschaft» verbreitet wurde, machte im Nu weltweit die Runde. Inzwischen steht es auch im Nachrichtenkanal von Bloomberg.

Die grösste und unbestritten bedeutendste Kunstmesse der Welt musste wegen der Corona-Pandemie ihre beiden Messen in Hongkong und in Basel in diesem Jahr ausfallen lassen. Wegen der fehlenden Einkünfte ist sie in finanzielle Not geraten, was an sich noch nicht existenzbedrohend sein müsste. Da die Art Basel aber Teil des Messekonzerns MCH Group ist, dem nach jahrelanger Misswirtschaft und dem Verlust der Baselworld nur noch die Art Basel als internationale Messe geblieben ist, wiegen die fehlenden Einnahmen schwer.

Die MCH Group ist ein Musterbeispiel einer Public Private Partnership. Drei Kantone halten zusammen 49 Prozent des Aktienkapitals (Basel-Stast 33,5%, Baselland 7,7%, Zürich 7,8%). Letzte Woche machte das Parlament von Basel-Stadt durch die Umwandlung eines Darlehens von 30 Millionen Franken in Aktienkapital den Weg frei für einen neuen Minderheitsaktionär, der zusätzliches Geld in der Grössenordnung von 30 Millionen Franken in den Messekonzern einschiessen kann.

Christoph Brutschin, Basler Regierungsrat und Vorsteher des Departements für Wirtschaft, Soziales und Umwelt, 2018.
Christoph Brutschin, Basler Regierungsrat und Vorsteher des Departements für Wirtschaft, Soziales und Umwelt, 2018.
Foto: Pino Covino

Die Pointe bei diesem Deal, den das links-grün dominierte Stadtparlament beinahe einstimmig bewilligt hat, besteht darin, dass der Name des interessierten Investors geheim bleiben musste. Die Politiker kauften also die Katze im Sack, obwohl jedem klar war, dass unter den möglichen Interessenten auch dubiose Figuren sein könnten. Verantwortlich für das Dossier Messe ist der Basler Regierungsrat Christoph Brutschin, der auf Anfrage verlauten lässt: «Wir sind in einem strukturierten Prozess, ich kann Ihnen deshalb weiter nichts sagen.» Auch die MCH Group hüllt sich in Schweigen.

Aus gut informierten Kreisen ist jedoch zu hören, dass ein ausländischer Investor gar nicht schlecht sein müsse. Voraussetzung sei, dass er eine Garantie für die Messestandorte Basel und Zürich abgeben müsse. Konkret: Vor allem die Art müsse als Hauptmesse auf jeden Fall in Basel bleiben und nicht etwa peu à peu nach Miami, Hongkong oder andere Städte verlagert werden. Auch ein Ausverkauf der Art dürfe es nicht geben, die Messegruppe solle als Ganzes bestehen bleiben. Und damit auch ihr Immobilienbesitz erhalten bleiben.

Da Murdoch bisher noch nicht als Investor im Messebereich aufgefallen ist, ist schwer abzuschätzen, was er in Basel vorhat. Geht es um ein nachhaltiges Investment oder darum, Spekulationsgewinne zu machen? Immerhin geht man davon aus, dass die Art Basel etwa den fünffachen Wert der MCH Group hat, deren Marktkapitalisierung etwa 100 Millionen Franken beträgt.

James Murdoch, Präsident und Chef von Star TV, mit seinem Vater Rupert, auf einem Empfang.
James Murdoch, Präsident und Chef von Star TV, mit seinem Vater Rupert, auf einem Empfang.
Foto: Reuters

Michael Koechlin, Grossrat der Basler Liberal-Demokratischen Partei (LDP), sagt: «Regierungsrat Christoph Brutschin hat immer wieder betont, dass die Regierung einen Investor mit Bezug und Bekenntnis zu Basel und dem starken Engagement der MCH Group für Messen in Basel wolle. Bei Mr. Murdoch wäre das wohl ziemlich weit hergeholt. Die Katastrophe ist aber schon längst passiert, nämlich dass die MCH Group mit ihrer renommiertesten Messe Basel World unter ihrem Verwaltungsrat und der alten Geschäftsleitung dermassen in Schieflage geraten ist. Jetzt geht es nur noch um das Überleben, und da greift man wohl nach jeder – hoffentlich – rettenden Hand.» Pascal Pfister, Präsident der SP-Basel, will zu den Gerüchten keine Stellung nehmen.

Hongkonger Milliardär abgewiesen

Nach Informationen des Zürcher Finanzportals «The Market» wollte auch der Hongkonger Milliardär Adrian Cheng Chi-kong, der schon jetzt über drei Prozent der Aktien der MCH Group verfügt, seinen Aktienanteil erhöhen. Obwohl er ein viel besseres Angebot gemacht habe als James Murdoch, sei er von der MCH Group kalt abgewiesen worden. «The Market» weiss in diesem Zusammenhang, dass zwischen James Murdoch und dem Management von MCH schon seit längerer Zeit Verbindungen bestehen: «Im Verwaltungsrat soll Hans-Kristian Hoejsgaard, der frühere CEO von Oettinger Davidoff, einen Draht zu Murdoch haben.»

Andere Varianten, etwa auch ein Engagement der Investitionsgesellschaft Xanadu Alpha, hinter der die Unternehmerin und Investorin Annette Schömmel steht, seien gar nicht mehr geprüft worden, wird ein Insider zitiert. Eine Alternative wäre auch, dass man mit den grossen Galerien, die an der Art Basel präsent sind, eine Auffanggesellschaft bilden würde, damit die Kunstmesse weiter bestehen könnte. Oder man sucht sich zur Finanzierung Hilfe bei einer Stiftung, wie es sie in der Schweiz in Hülle und Fülle gibt.