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Pro und KontraSollen wir mehr Tofu essen?

Heute ist Tag des Tofu. Das traditionsreiche Produkt ist kulinarisch umstritten – auch auf unserer Redaktion.

Delikatesse oder fader Würfel? Da sind sich manchmal nicht mal Vegetarier einig.
Delikatesse oder fader Würfel? Da sind sich manchmal nicht mal Vegetarier einig.
Foto: Getty Images, iStockphoto

Ja

Daniel Böniger

Ich bin Karnivore und Verfechter von Tofu. Anders als so manche Alternative zu Fleisch, Veggie-Würstchen oder Quornschnitzel etwa, hat «Bohnenquark» nämlich eine über 2000-jährige Geschichte. Sogar Spaghetti dürften jünger sein. Wie oft hat die Geschichte der Kulinarik schon gezeigt, dass Lebensmittel, taugen sie wenig, schnell wieder verschwinden? Denken Sie an Crystal-Pepsi oder an Panizza... Also.

Wohlgemerkt, Tofu ist kein Ersatz für Fleisch, sondern eine eigenständige Delikatesse: Wie gut schmeckt gebratener Tofu in sämiger Currysauce? Wie langweilig wäre Misosuppe ohne ein paar Würfel des Sojaprodukts? Natürlich kann man behaupten, dass dabei der Tofu selbst eigentlich nach wenig schmeckt. Aber, so muss entgegnet werden, gilt das nicht auch für Fleisch? Sind es nicht Marinade, Röstaromen und Sauce, die aus einem Stück Kalbsfilet oder Pouletbrust einen Hochgenuss machen?

Ja, auch Tofu wird am besten über Nacht eingelegt. Und es soll Geniesser geben, die neben Zutaten wie Knoblauch, Pfeffer und Sojasauce sogar Whiskey in die Marinade geben. Wieso nicht?

Geradezu himmlisch ist cremig-weicher Seidentofu, im Bambuskörbchen über Dampf erwärmt und mit Sojasauce, gehackten Cashews, Chilis und Frühlingszwiebeln bestreut. So kann selbst der westliche Gourmet achtsamen Genuss erlernen! Denn hier geht es sowieso nicht um Geschmacksexplosionen, sondern ums subtile Spiel der Konsistenzen.

Man beginnt zu begreifen, dass es kein Zufall ist, wenn auch Spitzenköche immer häufiger in ihren immer häufiger fleischlosen Menüs auf Tofu zurückgreifen. Und ihn beispielsweise im Green Egg grillieren. Es entstehen Rauchnoten, gegen die Speck aus der Grossmetzgerei geschmacklich nicht ankommt. Wohlgemerkt, die Rede ist von Küchenchefs, die sonst Hummer und Trüffel für ihre Kreationen verarbeiten.

Tofu? Wie Linsen, Grünkohl und Kichererbsen nicht immer zwar, aber immer öfter.

Nein

Nina Kobelt

Schlimmer als auf einem Tofustücklein herumzukauen ist ja nur: einen Klotz Tofu anzuschauen.

Ich bin Vegetarierin. Und es gab eine Zeit, in der Tofu in meinem Leben eine gewisse Rolle spielte, 90er-Jahre, Anfang Nuller. Damals dachte ich noch, ich müsste Fleisch ersetzen: Hülsenfrüchte, hiess es in einschlägigen Magazinen und im Dritte-Welt-Laden, würden ganz viel Protein enthalten, Milchprodukte auch, aber die wären problematisch, wenn man an die Kühe denke und die Umwelt. Aber Tofu, das sei der Eiweissspender. Es klang schon damals obszön, trotzdem quälte ich mich eine Zeit lang mit Tofuerzeugnissen herum.

Damit habe ich aufgehört. Es gibt so viele Alternativen, und ich mag Tofu einfach nicht. Weil sich die Konsistenz von jener von Styropor nicht unterscheidetes sei denn, man hat es mit einem weichen Erzeugnis zu tun, das schleimig im Mund liegt und das es sich trotz hübschem NamenSeidentofuzu kauen nicht lohnt. Weil es ein asiatisches Grundnahrungsmittel ist, und ich mit der fernöstlichen Küche nicht viel anfangen kann. Weil er auch nach dem fünften Mal Würzen nach nichts schmeckt. Weil ichund das ist mein supersubjektives Hauptargumentbei seinem Anblick quasi depressiv werde. Essen hat für mich mit Sinnlichkeit zu tun. Das kann mir dieser blasse Klotz nicht mal ansatzweise bieten.

Diesen Sommer übrigens kam ich kurz von meinem tofulosen Weg ab: In einer Tessiner Migros entdeckte ich 364 Gramm heimischen Tofu («prodotto artigianalmente»). Auf der Packung ist Produzent Pierluigi Zanchi (über den ich andersweitig schon gelesen habe, vielleicht gibt es hierzulande ja nur diesen einen Tofumacher?) abgebildet. Freudig kaufte ich den Klumpen, weil ich nun mal auf dieses Artigianale-Zeugs stehe. Was soll ich sagen. Er liegt immer noch im Kühlschrank. Das Ablaufdatum ist längst überschritten.

Seltsam eigentlich, ich dachte immer, Styropor sei unzerstörbar.