Eine App für drei Tage weniger Kopfschmerzen pro Monat

Viele Beschwerden können mit einfachen Mitteln aus dem Haushalt gelindert werden. Unser ABC der Hausmedizin liefert 26 nützliche Tipps.

Illustrationen: Stephan Liechti

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A Durchschnittlich 3,3 Tage weniger Schmerzen pro Monat – das verspricht eine App Menschen, die jahrzehntelang von Kopfschmerzen geplagt sind. Betroffene führen damit auch «Buch» über die Schmerzdauer und -intensität. Die Migräne-App analysiert das Schmerzmuster, schlägt Verhaltensmassnahmen vor, warnt vor zu hohem Medikamentenverbrauch, ist einfach anzuwenden und exportiert die Daten nicht klammheimlich, sondern nur auf Wunsch. Unter anderem zeigt eine Videosimulation, wie eine Migräne-Aura aussieht. Ideal ist, die kosten- und werbefreie Migräne-App der Schmerzklinik Kiel unterstützend zur Behandlung einzusetzen.

B Beim Blutdruck messen die Beine nicht überkreuzen. So steigt der Blutdruck, und die Messung kann fälschlicherweise um acht bis zehn Messpunkte zu hoch ausfallen.

C Flohsamen beeinflussen den Cholesterinwert positiv. Vermutlich sind die Ballaststoffe in den Flohsamen der Grund dafür. 15 Gramm Flohsamenpulver plus 10 Milligramm eines Cholesterinsenkers wirkten in einer Studie zum Beispiel ebenso gut wie 20 Milligramm des Cholesterinsenkers. Zudem treten mit der Kombination von beidem weniger Nebenwirkungen auf.

D Kalzium und Vitamin D werden oft zur Knochenstärkung verordnet. Eine Studie lässt aber aufhorchen: Wer schon einen Darmpolypen hatte und zwei bis fünf Jahre lang Kalzium oder Kalzium plus Vitamin D nahm, bekam – mit sechs bis zehn Jahren Verzögerung – häufiger wieder Darmpolypen. Vor allem solche, die mit erhöhtem Krebsrisiko einhergingen.

E Damit der Körper bei Eisenmangel mehr Eisen aufnimmt, ist es ratsam, das Eisenpräparat nur jeden zweiten Tag zu schlucken. Das könnte auch die Verdauungsstörungen reduzieren, die solche Medikamente oft verursachen.

F Acht Wochen lang täglich zweimal 100 Milligramm Fenchelöl – und Meno­pause-Beschwerden bessern um etwa 50 Prozent. Die Fenchelfrüchte, aus denen das Öl destilliert wird, haben ähnliche Wirkungen wie das Geschlechtshormon Östrogen.

G Kindern mit Verstopfung können grüne Bananen ­helfen. 200 Gramm un­reife Bananen mit 50 Milliliter Wasser im Dampfkochtopf kochen, schälen, pürieren und im Kühlschrank aufbewahren. Täglich 30 Gramm ­davon erleichtern den Gang aufs WC. Die Masse enthält viel Ballaststoffe und unverdauliche Stärke.

H Über die Hälfte aller Erkältungen wird durch die Hände übertragen. Hände waschen – mit Seife und mindestens 20 Sekunden – ist deshalb das beste Mittel, um Infektionen vorzubeugen. Tatsächlich aber verzichten 11 von 100 Männern und 3 von 100 Frauen nach dem Gang aufs WC komplett darauf, weitere 38 Männer und 15 Frauen von 100 benützen keine Seife. Das fanden Psychologiestudenten heraus, die Besucher von öffentlichen Toiletten in Deutschland unauffällig beobachteten.

I Ingwer hilft Kindern mit Magen-Darm-Grippe: Zehn Milligramm Ingwertropfen bewirken, dass sie seltener erbrechen müssen und rascher wieder zur Schule können. Bei Erwachsenen ist ein probates Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen das Schnuppern an einem in Alkohol getränkten Tupfer.

J Fasten, zunehmen, fasten, zunehmen – wer übergewichtig ist und bereits verengte Herzarterien hat, sollte sein Gewicht besser stabil halten. Denn je stärker der Jo-Jo-Effekt, desto grösser ist bei diesen Personen das Risiko für Diabetes, Herzinfarkt, Schlaganfall oder Tod.

K Leichte bis mittelstarke Knieschmerzen bessern sich mit Kohlwickeln etwa genauso gut wie mit einem Gel, das den schmerzlindernden Wirkstoff Diclofenac enthält. Den Wickel mindestens zwei Stunden täglich, am besten über Nacht, anlegen und die Haut danach mit Wasser abspülen.

L Wer seine Cholesterin­werte bestimmen will, muss meist morgens nüchtern zum Labortest. Das heisst: weder Frühstück noch Rahm im Kaffee. Dabei wäre das gar nicht nötig. Die Nicht-nüchtern-Werte sind genauso aussagekräftig.

M Bewahren Sie beim nächsten Raclette, wenn es wieder süss-saure Gürkchen gibt, den Gurkensud auf – als Notfallmittel gegen Muskelkrämpfe. Dank diesem «Zaubertrank» gewannen die Philadelphia Eagles einst ein Football-Spiel gegen die Dallas Cowboys. Die Cowboys mussten wegen Muskelkrämpfen Forfait geben, die Eagles dagegen spielten trotz grösster Hitze. Ein Experiment an zehn Personen bestätigte später, dass das süss-saure Gurkenwasser Muskelkrämpfe verkürzen kann. Die Dosis beträgt einen Milliliter pro Kilo Körpergewicht. Das oft verordnete Magnesium dagegen bringt laut bisherigen Studien nichts. Einzig schwangere Frauen mit nächtlichen Muskelkrämpfen profitierten etwas.

N Nasenspray nicht im Liegen anwenden. Die Dosis kann so fast 14-mal so hoch sein wie im Sitzen.

O Sich beim Zahnarzt entspannt der Behandlung hinzugeben, fällt leichter, wenn man im Wartezimmer den Duft von Lavendel einatmet oder 30 Minuten vor der Oral­chirurgie eine Kapsel mit Passionsblumenextrakt schluckt. Vielleicht ist es nur ein Placebo-Effekt, aber immerhin führte er nicht zu den Nebenwirkungen, die ein Schlafmittel hatte: Etwa jeder Dritte konnte sich nachher an fast nichts vom Eingriff erinnern.

P Probiotika können akuten Durchfall um einen bis anderthalb Tage verkürzen. Und während einer Antibiotikaeinnahme verhindern täglich zwei probiotische Natur­joghurts oder Joghurtdrinks möglicherweise die unangenehme Nebenwirkung Durchfall.

Q Das Baby soll beim Arzt pinkeln, aber es kommt kein Tropfen. Da hilft die Quick-Wee-Methode: Mit einem in kaltes Wasser getränkten Tupfer kreisförmig über den Unterbauch streichen. Bei etwa 30 Prozent der Kinder erhält man den Urin damit innert fünf Minuten.

R Basisches (alkalisches) Wasser und mediterrane Ernährung (viel pflanzliche Nahrung, Nüsse, wenig tierisches ­Eiweiss) linderten Reflux-Beschwerden in einer Studie mindestens so gut wie die (zu) oft verschrie­benen Säureblocker.

S Der Druck auf die Füsse lässt sich mit angepassten Schuhsohlen um über ein Fünftel senken. Das kann insbesondere Menschen mit Diabetes unter Umständen hartnäckige Fussgeschwüre ersparen. Oft brauchen der rechte und der linke Fuss unterschiedlich feste Sohlen.

T Sonnenschutzmittel senken das Hautkrebsrisiko. Beim Auftragen gilt die bewährte Teelöffel-Regel: Auf Gesicht, Nacken und jeden Arm jeweils gut einen halben Teelöffel Sonnencreme verteilen. Für den Bauch, den Rücken und jedes Bein dagegen jeweils gut einen Teelöffel. Der Nachteil des Sonnenschutzes: Er verhindert, dass im Sommer die Vitamin-D-Speicher aufgefüllt werden. Ab einem Schutzfaktor von 15 kann die Haut nämlich fast kein Vitamin D mehr produzieren, weil das UVB-Licht nicht durchdringt. Der Kompromiss: Täglich etwa 5 bis 25 Minuten in T-Shirt und Shorts spazieren.

U Pro Jahr passiert etwa 57'000 Schweizerinnen und Schweizern ein ­Unfall beim Heimwerken. Ein Risiko­faktor sind Arbeitshandschuhe: Wer mit Kreissäge oder Bohr­maschine arbeitet, zieht sie besser aus – sie können vom rotierenden Werkzeug erfasst werden.

V Ein wenig bekanntes Mittel gegen Nagelpilz ist Fichtenharz. Entweder daraus eine Salbe herstellen oder – einfacher – ein Erkältungsmittel wie etwa Vicks Vaporub auf den Nagel streichen. Nach 5 bis 16 Monaten verschwand der Pilz damit bei 22 bis 38 Prozent der Betroffenen. Die Zufriedenheit mit dem Aussehen des Nagels war hoch.

W Wacholder-, Berga­mott- oder Salbeiöl können gegen Schweissfüsse helfen. Sieben Tropfen in etwas Rahm emulgieren und ins Fussbad geben. Vorsicht: Bergamottöl macht die Haut empfindlicher auf Sonnenlicht.

X Solange keine Warnzeichen wie etwa Fieber, Lähmungen oder Gefühlsstörungen vorliegen, braucht es bei Kreuzschmerzen in den ersten sechs Wochen kein X (die medizinische Abkürzung für Röntgenuntersuchung).

Y Yoga ist nicht nur bei chronischen Kreuzschmerzen eine Alternative zu Schmerzmitteln oder Physiotherapie. Auch bei Arthrose, Rheuma, Nackenschmerzen oder Fibromyalgie kann die aus Indien stammende Methode helfen. Welche Art von Yoga scheint keine Rolle zu spielen.

Z Die Zahnbürste desinfizieren? Sinnvoll, finden türkische Zahnärzte. Erstens weil die Mundhöhle über 700 verschiedene Bakterien plus Viren und Pilze enthält. Zweitens weil andere Zahnbürsten und Spritzer vom nahen WC sie verunreinigen können. Die einfachste Methode: Zahnbürste zehn Minuten in Essig stellen und mit Wasser ausspülen.

* Dieser Artikel erschien am 13. Januar 2019 in der SonntagsZeitung.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 14.01.2019, 13:35 Uhr

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