Alain Berset schadet der Kultur

Andreas Tobler ist dagegen, dass die Schweiz Preise an Kulturschaffende vergibt. Denn Kulturgelder sind Risikokapital – und nichts anderes.

Kulturminister Alain Berset vergibt einen Kulturpreis im Namen der offiziellen Schweiz. Es ist der Literaturpreis 2014, Empfänger ist Paul Nizon (rechts). Foto: Lukas Lehmann (Keystone).

Kulturminister Alain Berset vergibt einen Kulturpreis im Namen der offiziellen Schweiz. Es ist der Literaturpreis 2014, Empfänger ist Paul Nizon (rechts). Foto: Lukas Lehmann (Keystone).

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Nichts gegen Politiker, die sich für Kunst interessieren. Aber Bundesrat Alain Berset geht zu weit: Jedes Jahr verleiht der 47-jährige Ökonom zahlreiche Auszeichnungen an Künstler. Gut 6 Millionen Franken stehen für diese Preise und die dazugehörigen Anlässe zur Verfügung; finanziert werden sie grösstenteils vom Bundesamt für Kultur, das zu Bersets Innendepartement gehört.

Die Überreichung der Preise durch den Bundesrat kann als Anerkennung gegenüber den Kulturschaffenden gesehen werden. Das ist gut gemeint, aber falsch gedacht. Denn wenn sich Künstler bei den Preisverleihungen mit Berset zeigen, verlieren sie ihre Unabhängigkeit – an einen Politiker mit Agenda, die nicht die der Kulturschaffenden sein muss.

Zwar ist der Grossteil der Kultur auf staatliche Förderung angewiesen. Aber ein richtiges Verständnis von Kunstsubventionen bedingt, dass sie als Risikokapital gesehen werden: Geld wird investiert, damit in der Kunst etwas entstehen kann, was es so noch nicht gibt – und das deshalb etwas in uns bewegt. Das bedingt, dass der Kultur grösstmögliche Freiheiten gewährt wird, dass sie krachend scheitern darf. Aber auch, dass sie sich nie mit jemandem gemeinmachen muss. Schon gar nicht mit der Politik.

Mit den Schweizer Kunstpreisen ändert sich das: Die Auszeichnungen werden an Anlässen überreicht und von Massnahmen begleitet, die teils mehr kosten als das, was die Künstler an Preisgelder für ihr Lebenswerk erhalten.

Offensichtlich ist es so, dass man nicht nur die Ausgezeichneten feiern will. Auch die offizielle Schweiz soll mit ihren erfolgreichen Kulturschaffenden glänzen können. Doch damit wird deutlich, dass die Kultur instrumentalisierbar ist – etwa für Fotos, die Berset mit glücklichen Künstlerinnen und Künstlern zeigen, wenn er ihnen die gut dotierten Preise überreicht. Und das schadet der Kultur.



Dieser Text stammt aus der aktuellen Ausgabe. Jetzt alle Artikel im E-Paper der SonntagsZeitung lesen: App für iOSApp für AndroidWeb-App

Erstellt: 21.09.2019, 23:50 Uhr

Artikel zum Thema

Millionen für Kulturpreise statt für Künstler

Infografik Gut 6 Millionen Franken gibt die Schweiz für Kunst- und Filmpreise aus. Ein grosser Teil davon für Preisverleihungen und Werbung. Mehr...

Es fehlt an Sorgfalt bei der Vergabe von Geldern im Kulturbereich

Ein neuer Bericht übt scharfe Kritik an der gängigen Praxis des Bundesamts für Kultur. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

SonntagsZeit. Im Digital-Abo.

Die SonntagsZeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 10.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Die Welt in Bildern

Bergungsarbeiten nach Taifun-Katastrophe: Der heftige Wirbelsturm «Hagibis» hinterliess über weite Teile Japans eine Spur der Verwüstung. Die Zahl der Todesopfer ist gemäss eines japanischen Fernsehsenders auf 66 gestiegen. (15. Oktober 2019)
(Bild: Jae C. Hong/AP) Mehr...