Justiz ermittelt jetzt gegen Jegge

Gegen den «Lehrer der Nation» eröffnet die Staatsanwaltschaft ein Verfahren. Weitere Missbrauchsopfer melden sich.

Pädagoge Jürg Jegge letzten Freitag in seiner Stube: Sexuelle Beziehung eingestanden. Foto: Reto Oeschger

Pädagoge Jürg Jegge letzten Freitag in seiner Stube: Sexuelle Beziehung eingestanden. Foto: Reto Oeschger

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Der Fall des einstigen Starpädagogen Jürg Jegge beschäftigt jetzt auch die Justiz. Die Strafverfolgungsbehörde hat sich eingeschaltet. «Die Staatsanwaltschaft hat ein Vorabklärungsverfahren eingeleitet», sagt Corinne Bouvard, Sprecherin der Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich. «Wir haben Ermittlungen in Auftrag gegeben.»

Nach Erscheinen des Enthüllungsbuchs eines ehemaligen Schülers hat Jegge, 74, gestern zu den Missbrauchsvorwürfen Stellung genommen und eine sexuelle Beziehung eingestanden. Damit rückt nun auch die von Jegge 1985 gegründete Stiftung Märtplatz in Freienstein ZH in den Fokus, die massgeblich mit öffentlichen Geldern finanziert wird. Die Institution bietet Ausbildungs­plätze für junge Menschen «mit schlechten Startbedingungen» und wird dafür von der IV entschädigt. 2015 erhielt die Stiftung gemäss Jahresrechnung IV-Versorgungsbeiträge in Höhe von 3,5 Millionen Franken.

Jetzt wird die Sozialversicherungsanstalt Zürich (SVA) aktiv. «Wir werden mit der Stiftung das Qualitätsmanagement überprüfen», sagt SVA-Sprecherin Daniela Aloisi. «Insbesondere interessiert uns, wie im Risikomanagement das Thema Missbrauch umgesetzt ist.» Auch die Stiftungsaufsicht des Kantons Zürich will die Institution Märtplatz überprüfen. «Im Rahmen unserer Aufsichts­tätigkeit berücksichtigen wir die aktuellen Entwicklungen», sagt eine Sprecherin.

«Es gibt keinen Umstand, der einen Übergriff auf Kinder und Jugendliche rechtfertigt.»Silvia Steiner, Bildungsdirektorin des Kanton Zürichs

Eine Aufarbeitung des Falls Jegge kündigt auch Silvia Steiner an, die Bildungsdirektorin des Kantons Zürich. «Es gibt keinen Umstand, der einen Übergriff auf Kinder und Jugendliche rechtfertigt», sagt Steiner. «Die Opfer haben ein Recht auf eine Aufarbeitung.» Welche Massnahmen es dazu brauche, werde nun geprüft. Bisher gebe es in der Bildungsdirektion keine Hinweise auf weitere Übergriffe.

Nach Bekanntwerden der Missbrauchsvorwürfe haben sich weitere Opfer von Jegge gemeldet. Buchautor Markus Zangger wehrt sich gegen Jegges Behauptung in den Medien, die sexuellen Kontakte hätten ihm ebenfalls «Spass» gemacht. «Ich hätte mich doch nie ausgezogen und von diesem schmuddeligen Lehrer betatschen lassen», sagt Zangger.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 08.04.2017, 23:12 Uhr

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