Neues Gesetz soll Phenotyping erlauben

Damit könnte DNA umfassender ausgewertet werden.

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Strafverfolger erhalten bald ein neues, mächtiges Mittel für die Verbrechensbekämpfung: das sogenannte DNA-Pheno­typing. Das Bundesamt für Polizei (Fedpol) erarbeitet derzeit eine Revision des DNA-Profil-Gesetzes, die wohl noch dieses Jahr in die Vernehmlassung geht.

Bislang darf DNA-Material eines Tatorts nur mit der nationalen DNA-Verbrecherdatenbank abgeglichen werden, um den Täter zu finden. Zusätzlich ist es erlaubt, über die sogenannten stummen Abschnitte eines DNA-Profils das Geschlecht zu eruieren.

Das wird sich mit dem Phenotyping ändern, wenn auch die sprechenden Abschnitte ausgewertet werden dürfen. Die Methode erlaubt es, aus dem Erbgut zusätzlich die Haut-, die Haar- und die Augenfarbe zu generieren. Darüber hinaus lassen sich auch das ungefähre Alter sowie die geografische Herkunft bestimmen.

Die Schweiz gehört zu den Vorreitern. Laut aktuellem Fedpol-Jahresbericht ist das Phenotyping nur in den USA sowie in Frankreich und Holland «unter gewissen Voraussetzungen» gestattet.

Mit Phenotyping wäre ein Phantombild möglich

Der Anstoss für die Gesetzesrevision war der Vergewaltigungsfall von Emmen LU. Am 21. Juni 2015 hatte ein bis heute unbekannter Täter an der Reuss eine damals 26-jährige Frau vom Velo gerissen und vergewaltigt. Die Frau ist seither vom Kopf an abwärts gelähmt. Die Polizei stellte die DNA des mutmasslichen Täters sicher, fand aber in der Verbrecherdatenbank keine Übereinstimmung. Auch ein Massen-DNA-Test bei fast 400 Männern brachte bislang keinen Erfolg.

Laut Simon Kopp, Sprecher der Luzerner Staatsanwaltschaft, sind die Resultate von drei Analysen aus dem Ausland noch ausstehend. Zudem werden letzte Hinweise ausgewertet, die eingingen, nachdem die Staatsanwaltschaft den mutmasslichen Täter namentlich genannt hatte: Aaron. Wäre das Phenotyping erlaubt, könnte die Staatsanwaltschaft eine Art Phantombild erstellen lassen.

Die anstehende Revision geht zurück auf einen Vorstoss des Luzerner FDP-Nationalrats Albert Vitali. Er monierte, die Polizei arbeite «immer noch mit den Methoden aus dem letzten Jahrhundert». Die neuen Möglichkeiten von DNA-Analysen würden nicht ausgeschöpft. (SonntagsZeitung)

Erstellt: 12.08.2017, 16:38 Uhr

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